Angesichts der schwierigen Lage der deutschen Industrie wächst die Debatte über längere Arbeitszeiten. Unternehmer fordern, die in einigen Branchen tariflich vereinbarte 35-Stunden-Woche abzuschaffen. Beschäftigte sollen demnach länger arbeiten – ohne einen entsprechenden Lohnausgleich.
Begründet wird die Forderung mit dem zunehmenden wirtschaftlichen Druck auf deutsche Unternehmen. Um international wettbewerbsfähig zu bleiben und die Industrie zu stärken, müsse in Deutschland wieder mehr gearbeitet werden.
Besonders betroffen von der Diskussion ist die Metall- und Elektroindustrie. Dort gilt für viele Beschäftigte aufgrund von Tarifverträgen die 35-Stunden-Woche.
IG Metall lehnt Forderung ab
Die Gewerkschaft IG Metall wehrt sich gegen eine Verlängerung der Arbeitszeit ohne zusätzliche Bezahlung. Eine solche Regelung würde für die Beschäftigten letztlich bedeuten, dass ihr Stundenlohn sinkt: Sie müssten mehr Arbeitsstunden leisten, erhielten dafür aber nicht mehr Geld.
Damit stehen sich die Positionen von Arbeitgebern und Gewerkschaft deutlich gegenüber. Während Unternehmer längere Arbeitszeiten als einen möglichen Beitrag zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit ansehen, will die Gewerkschaft die bestehenden tariflichen Arbeitszeitregelungen verteidigen.
Tarifverhandlungen im Herbst könnten schwieriger werden
Die Forderung kommt zu einem brisanten Zeitpunkt. Im Herbst stehen Tarifverhandlungen an. Die Diskussion über die 35-Stunden-Woche könnte deshalb zusätzlich für Konflikte zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaft sorgen.
Ob daraus tatsächlich ein größerer Arbeitskampf mit Warnstreiks oder Streiks entsteht, ist derzeit noch offen. Klar ist jedoch: Die Arbeitszeit dürfte neben der Bezahlung zu einem wichtigen Streitpunkt zwischen Industrie und IG Metall werden.