Das Bürgergeld wird im kommenden Jahr voraussichtlich erneut nicht angehoben. Ein Sprecher des Bundesarbeitsministeriums bestätigte, dass die sogenannten Regelbedarfe im Jahr 2026 unverändert bleiben sollen. Damit erhalten alleinstehende Erwachsene weiterhin 563 Euro monatlich. Für Kinder und Jugendliche liegen die Leistungen – abhängig vom Alter – zwischen 357 und 471 Euro.
Die Entscheidung über diese sogenannte Nullrunde soll am 10. September 2025 im Bundeskabinett fallen. Bereits 2025 hatte es keine Anpassung gegeben. Zuvor waren die Regelsätze jedoch in den Jahren 2023 und 2024 kräftig gestiegen – damals als Reaktion auf die hohe Inflation, die insbesondere Lebensmittel und Energie stark verteuert hatte.
Begründung der Bundesregierung
Das Arbeitsministerium verweist darauf, dass die Grundlage für die Anpassung der Regelbedarfe ein gesetzlich festgelegter Berechnungsmechanismus ist. Dieser orientiert sich an der Preis- und Lohnentwicklung. Da die Teuerung seit 2024 deutlich nachgelassen hat und sich die Preissteigerungen zuletzt stabilisierten, sehen die Berechnungen für 2026 keinen zusätzlichen Anpassungsbedarf.
Kritik von Sozialverbänden
Sozial- und Wohlfahrtsverbände kritisieren die Entscheidung scharf. Zwar sei die Inflation insgesamt gesunken, doch blieben gerade für Menschen mit geringem Einkommen die Ausgaben für Miete, Strom und Lebensmittel eine große Belastung. Viele Grundsicherungsbeziehende hätten kaum Möglichkeiten, steigende Wohnkosten durch Einsparungen an anderer Stelle auszugleichen. Eine weitere Nullrunde könne dazu führen, dass das Bürgergeld noch weniger als „existenzsichernd“ empfunden werde.
Auch Stimmen aus der Opposition warnen davor, dass längere Zeiträume ohne Anpassung die soziale Spaltung verstärken könnten. Wer auf Bürgergeld angewiesen sei, habe keinen finanziellen Spielraum und müsse jede Preissteigerung direkt schultern.
Politische Debatte
Das Bürgergeld war erst Anfang 2023 als Nachfolger von Hartz IV eingeführt worden. Ziel war es, die Grundsicherung zu modernisieren, mehr Anreize für Qualifizierung und Arbeitsaufnahme zu schaffen und gleichzeitig Betroffene finanziell besser abzusichern. Befürworter des Modells hatten es als wichtigen Schritt zu mehr sozialer Gerechtigkeit bezeichnet.
Die aktuelle Nullrunde bringt die Politik jedoch zunehmend in die Defensive: Während die Bundesregierung auf Haushaltsdisziplin und die abnehmende Inflation verweist, nutzen Kritiker die Stagnation, um das gesamte Bürgergeld-Konzept infrage zu stellen.