Die Deutsche Stiftung Patientenschutz schlägt Alarm: Durch die geplante Krankenhausreform könnten die Bedingungen für die Behandlung von Menschen mit chronischen Schmerzen deutlich schlechter werden. Stiftungsvorstand Eugen Brysch warnte, dass die Versorgung von rund 23 Millionen Betroffenen in Deutschland bedroht sei.
„Schmerzmedizin war bisher ein eigenständiger Bestandteil des Gesamtbudgets eines Klinikums“, erklärte Brysch. Mit der Reform solle sie künftig lediglich als Unterpunkt in sogenannten Leistungsgruppen geführt werden. Damit verliere die Schmerztherapie ihren eigenständigen Stellenwert und werde anderen Fachbereichen zugeordnet. „Schmerzpatienten würden so zu Bittstellern“, kritisierte er.
Hintergrund der Reform
Die Krankenhausreform der Bundesregierung sieht eine neue Finanzierungssystematik vor. Statt pauschaler Fallvergütungen sollen künftig Leistungsgruppen eingeführt werden, um Spezialisierungen besser abzubilden und Doppelstrukturen abzubauen. Kritiker befürchten jedoch, dass kleinere oder fachlich übergreifende Bereiche dabei ins Hintertreffen geraten könnten – so auch die spezialisierte Schmerzmedizin.
Folgen für Patienten
Chronische Schmerzen gelten längst als eigenständiges Krankheitsbild. Viele Patientinnen und Patienten benötigen eine komplexe, interdisziplinäre Behandlung, die neben medikamentösen Therapien auch Physiotherapie, psychologische Betreuung und spezialisierte Verfahren umfasst. Wenn die Schmerzmedizin künftig nur noch als Zusatzleistung betrachtet wird, könnte der Zugang zu diesen spezialisierten Angeboten erschwert werden.
Patientenvertreter warnen, dass Wartezeiten länger werden, spezialisierte Abteilungen schließen müssten und Betroffene stärker auf ambulante Behandlungen ausweichen müssten – die vielerorts jedoch nicht ausreichend verfügbar sind.
Forderungen der Stiftung
Die Deutsche Stiftung Patientenschutz fordert deshalb, die Schmerzmedizin weiterhin als eigenständigen Bereich in der Krankenhausfinanzierung zu verankern. Nur so könne sichergestellt werden, dass die Belange von Millionen chronisch Kranker nicht hinter anderen Fachgebieten zurückstehen.