Die Digitalisierung in deutschen Pflegeeinrichtungen schreitet langsamer voran als gesetzlich vorgesehen. Nach einem Bericht der Rheinischen Post, der sich auf Daten der Krankenkasse DAK-Gesundheit stützt, sind rund 70 Prozent der ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen bislang nicht an die Telematik-Infrastruktur angeschlossen – obwohl dies seit Juli verpflichtend ist.
Hintergrund: Pflicht zur Telematik-Anbindung
Die Telematik-Infrastruktur gilt als zentrale technische Plattform, die Einrichtungen des Gesundheitswesens miteinander vernetzt. Sie soll unter anderem den sicheren Austausch von Patientendaten ermöglichen, digitale Rezepte oder den Zugriff auf die elektronische Patientenakte bereitstellen. Pflegeheime und ambulante Dienste sind seit Sommer verpflichtet, sich anzuschließen.
Fördergelder kaum genutzt
Um die Umstellung zu erleichtern, stellt der Gesetzgeber Zuschüsse von bis zu 12.000 Euro pro Einrichtung bereit. Doch laut Bericht sind bisher lediglich 40 Prozent der Fördermittel beantragt oder abgerufen worden. Gründe könnten bürokratische Hürden, fehlendes technisches Personal oder Skepsis gegenüber dem Nutzen der neuen Systeme sein.
Folgen für die Versorgung
Der schleppende Anschluss an die Telematik-Infrastruktur könnte die Integration der Pflege in die digitale Gesundheitsversorgung erheblich verzögern. Für Patientinnen und Patienten bedeutet das, dass digitale Angebote wie die elektronische Patientenakte oder eine schnellere Kommunikation mit Ärzten und Kassen bislang oft nicht genutzt werden können.
Kritik und Ausblick
Gesundheitsexperten und Krankenkassen warnen, dass Pflegeeinrichtungen ohne digitale Vernetzung langfristig ins Hintertreffen geraten. Auch politisch könnte Druck entstehen: Sollte die Anbindungsquote nicht bald deutlich steigen, drohen Sanktionen oder strengere Vorgaben.
Die kommenden Monate gelten daher als entscheidend, um die digitale Kluft in der Pflege zu schließen – andernfalls droht ein Flickenteppich in der Gesundheitsversorgung.