Allington (Großbritannien) – Ekstase im Zelt, Empörung im Vorgarten: Das kleine 900-Einwohner-Dorf Allington wurde am vergangenen Wochenende erneut zum Schauplatz des größten Swinger-Festivals Großbritanniens – und zum Zentrum einer lautstarken Debatte über Lärm, Lust und Lebensstil.
Zum fünften Mal fand der sogenannte „Swingathon“ statt, ein dreitägiges Festival für alternative sexuelle Lebensstile. Rund 1.000 Teilnehmer*innen kamen zusammen, um gemeinsam zu feiern, sich auszuleben und auszutauschen. Geboten wurden unter anderem Schaumpartys, Pole-Dancing, BDSM-Bereiche und erotische Spielzonen. Der Eintrittspreis: 210 Pfund für Singles, 250 Pfund für Paare.
Laute Lust statt ländliche Ruhe
Doch während auf dem Festivalgelände intensive Sinneserfahrungen gemacht wurden, erlebten viele Anwohner*innen schlaflose Nächte – im wortwörtlichen Sinne. Immer wieder hätten sich Anwohner laut Medienberichten über laute, stundenlange Stöhngeräusche beschwert. „Wir werden als Swinger-Hauptstadt Englands bezeichnet – das ist nicht der Ruf, den wir für unser Dorf wollen“, erklärte ein empörter Einwohner dem Southwest News Service.
Gerade Familien und ältere Menschen fühlen sich von dem Festival zunehmend gestört. Die Geräuschkulisse, so die Kritik, sei „schäbig“ und belaste das Zusammenleben im Ort.
Organisator verteidigt das Konzept
Festivalgründer und Organisator Matthew Cole weist die Vorwürfe zurück. In Interviews betonte er, dass der „Swingathon“ kein „Sex-Festival“ sei, sondern ein Ort für „einen alternativen, sexpositiven Lebensstil für Erwachsene“. Man unterstütze ausdrücklich die LGBTQ+-Community sowie die Kink- und Fetisch-Szene und kämpfe gegen gesellschaftliche Vorurteile.
„Wir sind kein Ort für lüsterne Klischees, sondern ein sicherer, sozialer und spielerischer Raum“, so Cole. Hygiene und Aufklärung seien Teil des Konzepts – ebenso wie der respektvolle Umgang miteinander.
Dorf im Zwiespalt – Lust trifft Lebensrealität
Ob der „Swingathon“ künftig wieder in Allington stattfinden darf, ist ungewiss. Während die Veranstalter auf Toleranz und Vielfalt pochen, fordern viele Dorfbewohner stärkere Lärmschutzmaßnahmen oder sogar ein Verbot.
Der Fall zeigt exemplarisch, wie alternative Lebensformen mit traditionellen Lebensrealitäten aufeinandertreffen – und wie wichtig gegenseitiger Respekt, aber auch klare Regeln sind, wenn Lust zur Belastungsprobe für die Nachbarschaft wird.