In mehreren Regionen Niederösterreichs breitet sich derzeit eine mutierte Form der Kaninchenpest (Myxomatose) rasant aus. Besonders betroffen: Feldhasen, die bislang kaum Kontakt mit dem Erreger hatten und nun massiv verenden. Laut aktuellen Angaben der Veterinärmedizinischen Universität Wien wurden bereits über 100 tote Tiere zur Untersuchung eingeschickt – Tendenz steigend.
Die Jägerschaft schlägt Alarm: Seit Ende März häufen sich die Funde infizierter Kadaver, vor allem in den Bezirken Hollabrunn, Korneuburg, Tulln und Wien, aber auch im Süden, etwa bei Gablitz (Bezirk St. Pölten). Der Jagdverband Niederösterreich bittet seine Mitglieder, verdächtige Tiere an das Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie (FIWI) zu senden, um die Immunabwehr der Tiere untersuchen zu lassen.
Mutiertes Virus aus Südamerika nun erstmals in Österreich
Die ursprünglich aus Südamerika stammende Krankheit befällt typischerweise Kaninchen. Doch die aktuelle Virusmutation, die 2018 erstmals auf der Iberischen Halbinsel entdeckt wurde, zeigt sich in Österreich erstmals auch bei Feldhasen hochaggressiv. Übertragen wird das Virus nicht nur durch direkten Kontakt, sondern vor allem durch blutsaugende Insekten wie Stechmücken, Zecken oder Flöhe. Das erschwert die Eindämmung erheblich.
Symptome und Folgen
Wenige Tage nach der Ansteckung entwickeln betroffene Tiere schmerzhafte Schwellungen an Kopf und Genitalien, oft begleitet von Augenentzündungen, Orientierungslosigkeit und Fressunlust. Die Krankheit verläuft meist tödlich – oft schon binnen weniger Tage.
Hoffnung auf baldiges Ende der „Gelsensaison“
„Der Feldhase ist dieser Krankheit immunologisch schutzlos ausgeliefert“, erklärt Anna Kübber-Heiss von der Vetmeduni Wien. Hoffnung setze man nun auf das baldige Ende der Insektensaison: „Wenn die Mücken verschwinden, bessert sich auch die Lage.“
Keine Gefahr für Menschen – aber Vorsicht im Umgang
Zwar ist Myxomatose für Menschen ungefährlich, doch empfehlen die Behörden beim Umgang mit toten Wildtieren Handschuhe und Mundschutz, da sich in immungeschwächten Tierpopulationen auch andere, potenziell für Menschen gefährliche Erreger leichter ausbreiten können.
Impfung für Haustiere empfohlen
Für Haus- und Zuchtkaninchen wird dringend zur Impfung gegen Myxomatose geraten. Laut Vetmeduni bietet sie auch gegen die neue Virusvariante einen verlässlichen Schutz.
Die Lage bleibt angespannt – und die Jägerschaft setzt auf Hilfe aus der Bevölkerung: Wer beim Spazierengehen kranke oder tote Hasen entdeckt, sollte sofort den örtlichen Jäger oder die Polizei verständigen.