Eine stark gebrauchte Handtasche mit Kratzern, Flecken und Tragespuren hat bei einer Auktion einen Rekordpreis erzielt: Jane Birkins erste, namensgebende Hermès-Birkin-Tasche wurde am Donnerstag bei Sotheby’s für rund 10 Millionen US-Dollar (8,6 Millionen Euro) versteigert – inklusive Gebühren. Der Hammer fiel bei einem Gebot von 8,2 Millionen Dollar.
Es handelt sich dabei um die erste Birkin-Tasche überhaupt, die der französische Luxuskonzern Hermès 1984 für die britisch-französische Schauspielerin und Sängerin Jane Birkin anfertigte. Sie nutzte sie fast täglich von 1985 bis 1994 – lange bevor die Birkin-Tasche zum ultimativen Statussymbol avancierte. Die Versteigerung fand online im Rahmen einer Auktion ikonischer Luxusmode statt, die auch Stücke von Alexander McQueen und Christian Dior enthielt.
Eine Tasche mit Geschichte – und mit Gebrauchsspuren
Der neue Besitzer: ein privater Sammler aus Japan, wie Sotheby’s mitteilte. Die Auktion war von Beginn an außergewöhnlich: Schon im Vorfeld lagen die Gebote bei über einer Million Euro, und während des Livestreams waren hörbare Reaktionen zu vernehmen, als der Preis in immer neue Höhen stieg. Neun Bieter kämpften rund zehn Minuten lang um das begehrte Stück.
„Der Verkauf der Original-Birkin ist ein bedeutender Meilenstein in der Geschichte von Mode und Luxus“, erklärte Morgane Halimi, Leiterin der Handtaschenabteilung bei Sotheby’s. „Er zeigt, welche Kraft eine Legende entfalten kann – besonders, wenn sie mit einer so einzigartigen Persönlichkeit wie Jane Birkin verbunden ist.“
Gebrauch statt Vitrine – Jane Birkin und ihre Tasche
Während viele heutige Sammler ihre Birkin-Taschen wie Kunstwerke behandeln, war Birkins Tasche ein Alltagsbegleiter. Auf dem schwarzen Leder finden sich Klebereste von UNICEF- und Ärzte-ohne-Grenzen-Stickern, Birkin trug kleine Nagelknipser an einem Band, weil sie ihre Nägel stets in Form halten wollte. Ihre Initialen „J.B.“ sind auf der Vorderklappe eingraviert.
Seit Birkin die Tasche 1994 für den guten Zweck – zugunsten der Aids-Forschung – versteigerte, wechselte das Stück mehrfach den Besitzer. Es war unter anderem im MoMA in New York und im Victoria & Albert Museum in London ausgestellt. Die Verkäuferin, von Sotheby’s nur als „Catherine B.“ identifiziert, hatte die Tasche selbst vor 25 Jahren ersteigert.
„Man wird sich nur an die Tasche erinnern“
Jane Birkin, die 2023 im Alter von 76 Jahren verstarb, nahm den Kult um die Tasche mit Humor. Im Gespräch mit CNN-Moderatorin Christiane Amanpour sagte sie einst lachend: „Wenn ich tot bin, werden die Leute sich wahrscheinlich nur noch an die Tasche erinnern.“
Die Original-Birkin ist in mehreren Punkten einzigartig: Größe, Schulterriemen, Metallteile – vieles davon wurde bei späteren Modellen nicht mehr übernommen. Dass gerade ein so getragenes Stück nun den bisherigen Rekord für Handtaschen bei Weitem schlägt – dieser lag bei rund 513.000 Dollar für eine diamantbesetzte Kelly-Bag – zeigt, wie stark die emotionale Bindung und historische Bedeutung auf den Sammlermarkt wirken.
Entwurf auf der Spucktüte
Die Entstehungsgeschichte ist mittlerweile legendär: 1984 traf Birkin auf einem Flug von Paris nach London zufällig auf Hermès-Chef Jean-Louis Dumas. Ihre Weidenkorb-Handtasche kippte aus und verschüttete ihren Inhalt – Anlass für eine Diskussion über praktische Taschen für Frauen mit Kindern. Birkin kritzelte ihren Wunsch auf eine Spucktüte, Dumas ließ daraufhin das Modell anfertigen, das heute als Synonym für Luxus gilt.
Birkin selbst erhielt über die Jahre fünf Exemplare von Hermès – und spendete sämtliche Einnahmen aus der Lizenzvergabe an wohltätige Organisationen.