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Entlastung mit Risiko: Union und SPD versprechen günstigen Strom – aber zu welchem Preis?

succo (CC0), Pixabay

Was nach einer echten Entlastung für Bürgerinnen, Bürger und Industrie klingt, könnte sich langfristig als milliardenschweres Wagnis entpuppen: Union und SPD wollen die Strompreise in Deutschland deutlich senken – doch der Koalitionsvertrag bleibt Antworten auf zentrale Finanzierungsfragen schuldig. Schon jetzt ist klar: Die geplanten Maßnahmen verursachen enorme Kosten, deren Deckung bislang unklar ist.

„Fünf Cent weniger pro Kilowattstunde“ – mit diesem Versprechen gehen Friedrich Merz und Lars Klingbeil in die neue Regierungszeit. Günstiger Strom für alle, dauerhaft niedrig und wettbewerbsfähig – so lautet das Ziel. Doch was auf den ersten Blick nach Entlastung klingt, wird auf den zweiten zur wirtschaftspolitischen Gratwanderung. Denn der Preis dafür ist hoch – und der Ausgleich fehlt.

Subventionen auf Pump?
Allein die Senkung der Stromsteuer soll 2025 rund 4,8 Milliarden Euro kosten, 2026 sogar 6,3 Milliarden. Dazu kommen weitere 5,4 Milliarden Euro durch geringere Einnahmen bei den Netzentgelten. Bis 2027 könnte sich der Einnahmeausfall auf rund 12 Milliarden Euro summieren. Der viel diskutierte Industriestrompreis – ein vergünstigter Stromtarif für energieintensive Unternehmen – schlägt je nach Ausgestaltung mit bis zu 24 Milliarden Euro jährlich zu Buche.

Und: Wer profitiert eigentlich? Während private Haushalte von Steuer- und Abgabenreduktionen direkt entlastet werden, genießen Tausende Großverbraucher – insbesondere aus der Industrie – ohnehin schon massive Vergünstigungen. Für diese Gruppe soll es dennoch weitere Subventionen geben, um internationale Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Was nach Wirtschaftsförderung klingt, könnte langfristig zur Schieflage im System führen.

Zweifel an der Strategie
Besonders umstritten ist der Plan, neue Gaskraftwerke nicht nur für Versorgungssicherheit, sondern auch zur Stabilisierung der Strompreise einzusetzen. Energieökonomin Claudia Kemfert warnt eindringlich vor den Folgen: „Erdgas ist teuer, und wenn wir es in Gaskraftwerken verstärkt einsetzen, treiben wir den Strompreis selbst nach oben – trotz aller Subventionen.“ Im europäischen Strommarkt bestimmt stets der teuerste Energieträger den Preis – und das ist häufig Gas.

Was passiert, wenn der Plan scheitert?
Die Gefahr: Das milliardenschwere Subventionspaket könnte langfristig ins Leere laufen – oder sogar zur Preissteigerung führen. Die gut gemeinte Entlastung würde dann nicht nur verpuffen, sondern sich ins Gegenteil verkehren.

Sparideen und Streitpunkte
Eine mögliche Lösung – die Einführung regionaler Strompreiszonen – wurde aus Rücksicht auf den Süden und die CSU verworfen. Stattdessen soll beim Netzausbau auf günstigere Freileitungen statt auf teure Erdverkabelung gesetzt werden. Das könnte laut Bundesnetzagentur 16,5 Milliarden Euro einsparen – ein Tropfen auf den heißen Stein, gemessen an den erwarteten Kosten für die Stromsubventionen.

Fazit:
Union und SPD gehen mit einem ambitionierten – vielleicht sogar populären – Strompreisversprechen in die Legislatur. Doch die Finanzierung ist brüchig, die Risiken hoch. Sollte sich die Strategie als zu optimistisch erweisen, droht aus der Entlastung eine Belastung zu werden – für Haushalte, Staatshaushalt und Zukunft der Energiewende gleichermaßen.

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