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Altersarmut in Thüringen nimmt deutlich zu – besonders Frauen betroffen

jorono (CC0), Pixabay

Nach Angaben des Thüringer Sozialministeriums erhielten 2020 noch rund 283.000 Menschen über 65 Jahren eine gesetzliche Rentenzahlung unterhalb der maßgeblichen Armutsgefährdungsgrenze. 2025 waren es bereits knapp 349.000. Grundlage sind Daten der Deutschen Rentenversicherung, die das Ministerium auf eine Anfrage der Linke-Fraktion mitgeteilt hat.

Frauen besonders stark betroffen

Die Zahlen zeigen einen erheblichen Unterschied zwischen den Geschlechtern. Von den knapp 349.000 Rentenbeziehern unterhalb der Schwelle waren rund 226.500 Frauen und 122.500 Männer. Damit stellen Frauen fast zwei Drittel der erfassten Gruppe.

Auch bei langen Versicherungszeiten bleibt das Problem sichtbar. Nach weiteren aktuellen Daten lagen in Thüringen selbst nach 40 Versicherungsjahren die gesetzlichen Renten von knapp zwei Dritteln der Frauen unter 1.446 Euro.

Armutsgefährdungsgrenze bei 1.446 Euro

Als armutsgefährdet gilt grundsätzlich, wer über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens verfügt. Für Alleinlebende lag die verwendete Schwelle 2025 bei 1.446 Euro monatlich. 2020 waren es noch 1.126 Euro.

Der Anstieg der Zahl der Renten unter dieser Schwelle muss deshalb differenziert betrachtet werden: Nicht nur die Renten haben sich verändert, sondern auch die Armutsgefährdungsgrenze ist deutlich gestiegen.

349.000 niedrige Renten bedeuten nicht 349.000 arme Rentner

Bei der Interpretation gibt es einen wichtigen Unterschied. Die Statistik berücksichtigt nach Angaben des Sozialministeriums nur Zahlungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Andere Einkünfte – beispielsweise Betriebsrenten oder Einnahmen aus vermieteten Immobilien – sind darin nicht enthalten.

Eine gesetzliche Rente unter 1.446 Euro bedeutet deshalb nicht automatisch, dass das gesamte Haushaltseinkommen eines Menschen unterhalb der Armutsgefährdungsgrenze liegt.

Dennoch ist die Entwicklung sozialpolitisch bedeutsam. Für viele ältere Menschen ist die gesetzliche Rente die zentrale oder einzige relevante Einkommensquelle. Zudem wirkt sich nach Einschätzung des Sozialministeriums das vergleichsweise niedrige Lohn- und Gehaltsniveau Thüringens langfristig auf die Rentenhöhe aus.

Auch neue Rentner bleiben häufig unter der Schwelle

Die aktuellen Zahlen zeigen zudem, dass das Thema nicht nur ältere Rentnergenerationen betrifft.

Rund 26.300 Thüringer gingen 2025 erstmals altersbedingt in Rente. Ihr durchschnittlicher Rentenzahlbetrag lag nach Angaben des Ministeriums bei etwa 1.260 Euro im Monat – und damit deutlich unter der genannten Armutsgefährdungsgrenze für Alleinlebende. Im Jahr zuvor hatte der durchschnittliche Zahlbetrag bei rund 1.220 Euro gelegen.

Damit wird Altersarmut in Thüringen zunehmend zu einer langfristigen sozialpolitischen Herausforderung. Entscheidend ist nicht allein die Höhe der gesetzlichen Rente, sondern auch, ob Betroffene über zusätzliche Einkommen, Vermögen oder eine finanzielle Absicherung innerhalb ihres Haushalts verfügen.

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