Der Essener Stiftungsfonds hat das Geschäftsjahr 2025/26 mit einem insgesamt soliden Ergebnis abgeschlossen. Der Fonds verfolgt ausdrücklich das Ziel, unter Berücksichtigung stiftungsspezifischer Anforderungen einen langfristig angemessenen Wertzuwachs mit kontinuierlichen Ausschüttungen zu verbinden. Dazu steht grundsätzlich ein breites Anlageuniversum zur Verfügung, wobei die Aktienquote auf maximal 60 % begrenzt ist und das Fondsmanagement die Investitionsquoten aktiv steuern kann.
Positive Rendite in schwierigem Marktumfeld
Im Geschäftsjahr vom 1. Juni 2025 bis 31. Mai 2026 erzielte der Fonds eine Rendite von 3,72 %. Das ist vor dem Hintergrund eines von geopolitischen Spannungen, Inflationssorgen und wechselnden Zinserwartungen geprägten Marktumfelds ein respektables Ergebnis. Das Management verweist insbesondere auf die Eskalation im Nahen Osten, steigende Energiepreise und damit verbundene Inflationsrisiken. Gleichzeitig profitierten Teile der Kapitalmärkte weiterhin vom strukturellen Wachstum rund um künstliche Intelligenz und digitale Infrastruktur. Die Aktienquote wurde entsprechend der jeweiligen Markteinschätzung unterjährig mehrfach über ETFs und Derivate angepasst.
Für Anleger ist dabei positiv, dass das Jahresergebnis nicht überwiegend auf bloßen Buchgewinnen beruht. Der Fonds erwirtschaftete 665.716,76 Euro laufende Erträge, denen Aufwendungen von 186.926,78 Euro gegenüberstanden. Daraus resultierte ein ordentlicher Nettoertrag von 478.789,98 Euro. Zusätzlich wurden aus Veräußerungsgeschäften netto 129.029,62 Euro realisiert. Das gesamte Geschäftsjahresergebnis erreichte 647.782,61 Euro, von denen lediglich rund 39.963 Euro auf die Veränderung nicht realisierter Ergebnisse entfielen. Das Ergebnis ist damit überwiegend durch tatsächlich vereinnahmte Zinsen, Ausschüttungen und realisierte Gewinne unterlegt.
Sehr defensives Portfolio mit klarem Rentenschwerpunkt
Zum 31. Mai 2026 bestand das Fondsvermögen zu 74,59 % aus direkt gehaltenen Anleihen, während direkte Aktien lediglich 8,03 % ausmachten. Weitere 11,43 % entfielen auf Investmentfonds und ETFs, 4,60 % lagen als Bankguthaben vor. Das Fondsvermögen belief sich insgesamt auf 18,31 Mio. Euro.
Auch innerhalb der Zielfonds ist ein erheblicher Teil dem Rentenbereich zuzurechnen, darunter Unternehmens-, Hybrid- und High-Yield-Anleihefonds. Daneben werden mehrere aktienorientierte „Premium Income“-ETFs eingesetzt. Insgesamt zeigt sich damit eine deutlich defensivere tatsächliche Positionierung als es die zulässige maximale Aktienquote von 60 % vermuten lässt.
Für sicherheitsorientierte Anleger ist diese Struktur grundsätzlich attraktiv: Der hohe Rentenanteil sorgt für relativ gut planbare laufende Erträge, während die Aktienkomponente zusätzliche Wachstums- und Ausschüttungschancen eröffnet. Andererseits begrenzt die niedrige Aktienquote in ausgeprägten Aktienhaussephasen das Aufwärtspotenzial.
Kredit- und Zinsrisiken bleiben kontrolliert, aber vorhanden
Das durchschnittliche Rating des Rentenvermögens liegt bei BBB+. Damit bewegt sich das Portfolio im Durchschnitt noch im Investment-Grade-Bereich, allerdings relativ nahe an der Schwelle zum Hochzinssegment. Ergänzend hält der Fonds explizite High-Yield- und Hybridanleihefonds. Anleger sollten das Kreditrisiko deshalb trotz der breiten Streuung nicht unterschätzen.
Positiv ist die aktive Steuerung des Zinsrisikos. Die Duration lag am Geschäftsjahresende bei 4,07 Jahren ohne Futures und lediglich 2,80 Jahren einschließlich Futures. Das Fondsmanagement reduzierte somit über Derivate gezielt die Zinssensitivität. Auch das Fremdwährungsrisiko wurde weitgehend begrenzt: Die nicht abgesicherte Fremdwährungsquote betrug einschließlich Futures nur 3,69 %.
Die Derivate werden insgesamt nicht übermäßig aggressiv eingesetzt. Der durchschnittliche Leverage durch Derivate lag lediglich bei 1,05, während der durchschnittliche potenzielle Risikobetrag im verwendeten VaR-Modell 0,51 % erreichte. Das spricht dafür, dass Derivate überwiegend der effizienten Steuerung und Absicherung des Portfolios dienen und nicht zum Aufbau einer hohen spekulativen Hebelwirkung.
Ausschüttungen bleiben eine Stärke
Für stiftungsorientierte beziehungsweise einkommensorientierte Anleger ist insbesondere die Ausschüttungspolitik interessant. Für das Geschäftsjahr weist der Bericht eine Gesamtausschüttung von 535.938,40 Euro beziehungsweise 1,44 Euro je Anteil aus. Bezogen auf den Anteilwert von 49,14 Euro entspricht dies rechnerisch einer Ausschüttung von rund 2,9 % des Anteilwerts.
Bemerkenswert ist zudem der hohe Ergebnisvortrag. Von insgesamt 2,54 Mio. Euro, die für Ausschüttungen verfügbar waren, wurden rund 2,01 Mio. Euro auf neue Rechnung vorgetragen. Damit besteht ein erheblicher Ausschüttungspuffer, der dem Fonds bei schwächeren zukünftigen Geschäftsjahren zusätzliche Flexibilität verschaffen kann. Eine Garantie zukünftiger Ausschüttungen ergibt sich daraus allerdings nicht.
Deutliche Mittelzuflüsse sprechen für Anlegervertrauen
Positiv fällt auch die Entwicklung des Fondsvolumens auf. Es erhöhte sich von 15,58 Mio. Euro auf 18,31 Mio. Euro, also um rund 17,5 %. Entscheidend waren dabei Nettomittelzuflüsse von 2,665 Mio. Euro. Anteilscheinverkäufen von rund 3,17 Mio. Euro standen lediglich Rücknahmen von rund 0,50 Mio. Euro gegenüber.
Die Entwicklung signalisiert, dass der Fonds im Berichtsjahr neues Kapital anziehen konnte. Gerade für einen mit rund 18 Mio. Euro weiterhin relativ kleinen Fonds ist das erfreulich, da eine steigende Vermögensbasis tendenziell zu einer besseren Verteilung fixer Kosten beitragen kann.
Kosten sind ein wesentlicher Kritikpunkt
Die Gesamtkostenquote (TER) beträgt 1,03 %. Hinzu kamen Transaktionskosten von 7.779,28 Euro, die nicht Bestandteil der TER sind. Das Transaktionsvolumen erreichte mit knapp 29,63 Mio. Euro einen vergleichsweise hohen Wert gegenüber dem durchschnittlichen Fondsvermögen und verdeutlicht die aktive Steuerung des Portfolios.
Eine TER von über 1 % erscheint für einen Fonds mit starkem Rentenschwerpunkt nicht günstig. Bei einer Jahresrendite von 3,72 % ist die Kostenbelastung für Anleger durchaus relevant. Das aktive Management muss daher dauerhaft einen ausreichenden Mehrwert durch Asset Allocation, Titelauswahl, Durationssteuerung und Risikomanagement schaffen, um den Kostennachteil gegenüber günstigeren ETF-basierten Mischportfolios zu rechtfertigen.
Langfristige Wertentwicklung zeigt Stabilität, aber keinen starken Kapitalzuwachs
Der Anteilwert lag zum Geschäftsjahresende bei 49,14 Euro, nach 49,07 Euro im Vorjahr, 48,64 Euro 2024 und 47,63 Euro 2023. Die reine Entwicklung des Anteilpreises wirkt damit zunächst wenig dynamisch. Allerdings wäre eine Betrachtung allein des Anteilwerts irreführend, weil der Fonds regelmäßig Erträge ausschüttet.
Für eine vollständige langfristige Leistungsbeurteilung wäre deshalb eine Total-Return-Betrachtung einschließlich sämtlicher Ausschüttungen erforderlich. Eine entsprechende mehrjährige Performance sowie ein direkter Performancevergleich mit einer Benchmark werden im vorliegenden Bericht nicht ausgewiesen. Somit lässt sich anhand des Jahresberichts nicht abschließend beurteilen, ob das aktive Management langfristig einen Mehrwert gegenüber einer vergleichbaren passiven 70/30- beziehungsweise defensiven Multi-Asset-Lösung erzielt hat.
Weitere Anlegeraspekte
Für nachhaltig orientierte Investoren ist zu beachten, dass Nachhaltigkeitsrisiken laut Bericht bei den Investitionsentscheidungen nicht berücksichtigt werden. Der Fonds wird nach Artikel 6 der EU-Offenlegungsverordnung klassifiziert und verfolgt somit keinen besonderen Nachhaltigkeitsansatz.
Positiv zu werten ist dagegen, dass der unabhängige Abschlussprüfer dem Jahresbericht ein uneingeschränktes Prüfungsurteil erteilt und bestätigt hat, dass der Bericht in allen wesentlichen Belangen den gesetzlichen Vorschriften entspricht und ein umfassendes Bild der tatsächlichen Verhältnisse des Sondervermögens ermöglicht.
Fazit aus Anlegersicht
Der Essener Stiftungsfonds präsentiert sich im Geschäftsjahr 2025/26 als defensiver, ertragsorientierter Mischfonds mit Schwerpunkt auf Anleihen und regelmäßigen Ausschüttungen. Die Rendite von 3,72 %, ein überwiegend aus laufenden und realisierten Erträgen bestehendes Jahresergebnis sowie erhebliche Nettomittelzuflüsse sind klare Pluspunkte. Besonders für Anleger, die laufende Ausschüttungen und eine vergleichsweise defensive Kapitalanlage höher gewichten als maximales Kurswachstum, besitzt das Konzept durchaus Attraktivität.
Zu den Schwachpunkten zählen die TER von 1,03 %, die im Verhältnis zur moderaten Rendite nicht unerheblich ist, sowie Kreditrisiken durch das durchschnittliche BBB+-Rating und zusätzliche High-Yield-Positionen. Zudem bleibt offen, ob das aktive Management nach Kosten langfristig einen Mehrwert gegenüber kostengünstigen passiven Alternativen erzielt.
Insgesamt fällt die Anlegerbewertung positiv bis neutral aus: Der Fonds erfüllt seinen Charakter als ausschüttungsorientierte, vergleichsweise defensive Anlage überzeugend und verfügt mit dem hohen Ergebnisvortrag über einen komfortablen Ausschüttungspuffer. Für wachstumsorientierte Anleger ist das Portfolio dagegen zu defensiv. Für konservative Investoren und insbesondere für Stiftungen stehen Stabilität, laufende Erträge und Risikokontrolle im Vordergrund – genau dort liegen die erkennbaren Stärken des Essener Stiftungsfonds.