Dark Mode Light Mode

Hamburg als Energiestadt: Solarstrom könnte erheblichen Teil des Strombedarfs decken

StephanieAlbert (CC0), Pixabay

Wie viel Strom kann eine Großstadt wie Hamburg künftig selbst erzeugen? Nach Einschätzung des Energieexperten Prof. Hans Schäfer von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW) ist das Potenzial erheblich. Solarenergie könnte demnach perspektivisch bis zu zwei Drittel des jährlichen Hamburger Strombedarfs abdecken. Noch ist die Hansestadt von diesem Szenario allerdings deutlich entfernt.

Großstädte gelten als enorme Energieverbraucher. Gleichzeitig stehen ihnen mit den Dächern von Wohnhäusern, Gewerbeimmobilien, öffentlichen Gebäuden und anderen geeigneten Flächen erhebliche Möglichkeiten zur dezentralen Stromerzeugung zur Verfügung.

Wie groß dieses Potenzial in Hamburg sein könnte, zeigt eine Einschätzung des HAW-Energieexperten Prof. Hans Schäfer, über die das NDR Hamburg Journal berichtet.

Danach könnte Solarenergie künftig bis zu zwei Drittel des Hamburger Jahresstrombedarfs decken. Das wäre ein erheblicher Anteil – insbesondere vor dem Hintergrund, dass Hamburg derzeit nur einen vergleichsweise kleinen Teil seines Strombedarfs selbst aus erneuerbaren Energiequellen erzeugt.

Viele Dächer könnten zu kleinen Kraftwerken werden

Photovoltaik ist für dicht besiedelte Städte besonders interessant, weil zur Stromproduktion nicht zwangsläufig zusätzliche große Freiflächen benötigt werden. Solarmodule lassen sich auf bereits vorhandenen Gebäuden und anderen geeigneten Flächen installieren.

Das theoretische Potenzial allein sagt allerdings noch nicht aus, wie viel Solarstrom tatsächlich erzeugt werden kann. Entscheidend sind unter anderem die Eignung und Ausrichtung der Flächen, Verschattung, Statik, Netzanschlüsse sowie die Wirtschaftlichkeit einzelner Projekte.

Hinzu kommt ein grundsätzliches Problem erneuerbarer Stromerzeugung: Produktion und Verbrauch fallen zeitlich nicht immer zusammen. An sonnigen Tagen kann viel Solarstrom zur Verfügung stehen, während nachts keine Photovoltaikproduktion erfolgt.

Damit ein hoher Solarstromanteil zuverlässig in das Energiesystem integriert werden kann, spielen deshalb auch Stromnetze, Speicher, flexible Verbraucher und weitere Energiequellen eine wichtige Rolle.

Was bedeutet der Solarausbau für Verbraucher?

Für Hauseigentümer kann die Entwicklung interessant sein, weil eine eigene Photovoltaikanlage den Bezug von Strom aus dem öffentlichen Netz reduzieren kann. Ob sich eine Anlage wirtschaftlich lohnt, hängt jedoch stark vom jeweiligen Gebäude, den Investitionskosten, dem Eigenverbrauch und weiteren individuellen Faktoren ab.

Auch Mieter können vom Ausbau profitieren, etwa über gemeinschaftliche Gebäudelösungen oder sogenannte Balkonkraftwerke. Gerade bei solchen Angeboten sollten Verbraucher allerdings genau auf Anschaffungskosten, technische Voraussetzungen und die tatsächlich zu erwartende Stromproduktion achten.

Große Prozentangaben zum theoretischen Solarpotenzial einer Stadt dürfen zudem nicht mit einer garantierten zukünftigen Stromversorgung verwechselt werden. Die Aussage, Solarenergie könne bis zu zwei Drittel des Hamburger Jahresstrombedarfs decken, beschreibt ein mögliches Potenzial. Ob und in welchem Zeitraum dieses ausgeschöpft werden kann, hängt vom tatsächlichen Ausbau und den energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab.

Von der möglichen zur tatsächlich erzeugten Energie

Für Hamburg besteht damit eine erhebliche Herausforderung: Geeignete Flächen müssen identifiziert und tatsächlich mit Photovoltaik ausgestattet werden. Gleichzeitig muss die notwendige Infrastruktur mit dem Ausbau Schritt halten.

Sollte ein großer Teil des vorhandenen Potenzials erschlossen werden, könnte sich die Rolle der Stadt im Energiesystem deutlich verändern. Dächer und andere bislang energetisch ungenutzte Flächen würden dann zu einem wichtigen Bestandteil der lokalen Stromproduktion.

Wie schnell diese Entwicklung vorankommt, dürfte letztlich davon abhängen, ob technische Möglichkeiten, Investitionsbereitschaft und geeignete Rahmenbedingungen zusammenkommen.

View Comments (1) View Comments (1)
  1. Herr Professor Schäfer empfiehlt Hallendächer mit Solarfolien zu belegen.
    Solarfolien kosten mehr als doppelt so viel wie herkömmliche Solarmodule und die Degrationswerte sind doppelt so hoch.
    Wer erzeugt den teuren Solarstrom ?
    Die letzten beiden EEG Ausschreibung en für große Dachanlagen lagen bei 9,5 Cent je kWh.
    Folien Solarstrom dürfte bei weit über 14 Cent je kWh liegen .

    Wir brauchen eine bezahlbare Energie Wende . Sonst schwindet die Aktzepanz.

    Freiflächen Solar Projekte erzeugen den Strom für 4,5 Cent je kWh und bruchen somit keine Förderung mehr .

    Wir setzen die Energie Wende nicht um mit Phantasie Projekten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

Hamburg aktuell: Schulpreis für Wilhelmsburg, mehr Naturschutz und neue Entwicklungen zum Monatsbeginn

Next Post

Wiesbaden aktuell: Abkochgebot bleibt bestehen – Trinkwasser wird weiter intensiv untersucht