Der Jahresbericht des BIT Defensive Growth für das Geschäftsjahr vom 1. Juni 2025 bis 31. Mai 2026 zeigt einen Fonds, der sein Wachstumsversprechen im Berichtszeitraum grundsätzlich erfüllt hat, dessen Bezeichnung „Defensive Growth“ aber nicht mit einem klassischen defensiven Aktienfonds verwechselt werden sollte. Der von HANSAINVEST verwaltete und von BIT Capital gemanagte Fonds setzt nahezu vollständig auf Aktien, kombiniert die offensive Wachstumspositionierung jedoch mit einem umfangreichen Einsatz von Derivaten zur Absicherung und taktischen Steuerung.
Wachstumsfonds mit deutlichem Technologie- und KI-Schwerpunkt
Das Anlagekonzept zielt ausdrücklich auf global ausgewählte Wachstumsunternehmen mit langfristigem Wertsteigerungspotenzial. Derivate dürfen sowohl für Investitions- als auch für Absicherungszwecke eingesetzt werden. Im Berichtsjahr konzentrierte sich das Management insbesondere auf Unternehmen entlang der KI-Wertschöpfungskette sowie auf große digitale Plattformunternehmen. Genannt werden unter anderem TSMC, Nvidia und Micron sowie Amazon, Alphabet, Meta und Microsoft.
Diese Positionierung war im betrachteten Geschäftsjahr erfolgreich. Die Anteilklasse S erzielte eine Netto-Jahresperformance von 15,50 %. Der Anteilwert stieg von 134,10 Euro auf 154,88 Euro. Auch die anderen länger bestehenden Klassen legten beim Anteilwert deutlich zu: I-I von 133,43 auf 153,33 Euro und R-II von 131,94 auf 150,18 Euro. Die jüngeren Klassen I-II und USD I-IV beendeten ihren ersten, verkürzten Berichtszeitraum bei 107,96 Euro beziehungsweise 123,20 US-Dollar je Anteil.
Aus Anlegersicht ist die Performance damit zunächst überzeugend. Zu beachten ist allerdings die noch sehr kurze Historie: Die älteren Anteilklassen wurden erst Ende Juni 2024 aufgelegt. Ein belastbarer Nachweis, dass die defensive Strategie auch über mehrere vollständige Börsenzyklen hinweg funktioniert, liegt damit noch nicht vor.
97 Prozent Aktienquote: „Defensiv“ bedeutet hier nicht risikoarm
Zum Bilanzstichtag bestand das Fondsvermögen zu 97,01 % aus Aktien. Lediglich 2,76 % lagen in Bankguthaben; der ausgewiesene Netto-Marktwert der Derivate betrug 0,39 %. Insgesamt belief sich das Fondsvermögen auf knapp 39,68 Mio. Euro.
Entscheidend ist jedoch, dass der geringe bilanzielle Marktwert der Derivate ihre wirtschaftliche Bedeutung deutlich unterschätzt. Das durch Derivate erzeugte zugrunde liegende Exposure belief sich auf 13,63 Mio. Euro. Unter anderem wurden Nasdaq-100-Futures sowie Put- und Call-Optionen eingesetzt. Damit versucht das Management, Marktrisiken taktisch abzufedern oder zusätzliche Positionen aufzubauen.
Für Anleger bedeutet dies: Der Fonds ist kein defensives Mischportfolio mit hohen Renten- oder Cashquoten. Er bleibt ein nahezu voll investierter Wachstumsaktienfonds. Seine Defensive beruht im Wesentlichen auf Derivaten und den taktischen Entscheidungen des Fondsmanagements. Damit entsteht zusätzlich zum Aktienmarktrisiko ein erhebliches Management- und Timing-Risiko.
Konzentrationsrisiken trotz globaler Streuung
Auch innerhalb des Aktienportfolios ist die tatsächliche Risikostreuung geringer, als die Bezeichnung „global diversifiziert“ zunächst vermuten lässt. Größte Einzelpositionen waren unter anderem Amazon mit 7,28 %, Alphabet mit 6,73 %, SK Hynix mit 5,02 %, Hinge Health mit 4,26 %, Nokia mit 4,09 %, Marvell Technology mit 4,08 %, Micron mit 4,03 % und AUTO1 mit 4,00 %.
Besonders deutlich ist die thematische Konzentration auf Halbleiter, Rechenzentren, KI-Infrastruktur und technologiegetriebene Geschäftsmodelle. Das kann in einer anhaltenden KI-Investitionswelle überdurchschnittliche Renditen ermöglichen, erhöht jedoch gleichzeitig die Abhängigkeit von den Bewertungen und Gewinnperspektiven dieses Marktsegments.
Die im Bericht selbst genannten Marktpreis-, Aktien- und Währungsrisiken sind deshalb ernst zu nehmen. Geopolitische Konflikte, Zinsänderungen, US-Zollpolitik oder eine Abschwächung der Investitionen in KI-Infrastruktur könnten den Fonds wesentlich stärker treffen als ein breit über Branchen und Anlagestile gestreutes Weltportfolio.
Gewinne beruhen überwiegend auf noch nicht realisierten Kurssteigerungen
Ein besonders wichtiger Punkt für Anleger findet sich in der Ergebnisrechnung der größten Anteilklasse S. Obwohl für das Geschäftsjahr ein positives Ergebnis von 4,19 Mio. Euro ausgewiesen wurde, war das realisierte Ergebnis mit -2,06 Mio. Euro negativ. Das positive Gesamtergebnis entstand durch nicht realisierte Gewinne von netto rund 6,25 Mio. Euro.
Das ist nicht grundsätzlich problematisch – bei einem Wachstumsaktienfonds sind hohe Buchgewinne normal. Es zeigt aber, dass ein wesentlicher Teil des Jahreserfolgs zum Stichtag noch von den aktuellen Marktpreisen abhängig war. Drehen insbesondere die hoch bewerteten Technologie- und Halbleitertitel nach unten, können solche Buchgewinne entsprechend schnell wieder verschwinden.
Hinzu kommt, dass die realisierten Verluste nicht ausschließlich aus Aktiengeschäften entstanden. Der Bericht nennt auch den Optionshandel als wesentliche Verlustquelle. Damit wird deutlich, dass die eingesetzten Derivate zwar zur Defensive beitragen sollen, ihre Umsetzung aber selbst Ergebnisrisiken erzeugt.
Sehr hohe Handelsaktivität
Ein weiterer auffälliger Punkt ist die außerordentlich hohe Umschlagshäufigkeit des Portfolios. Das gesamte Transaktionsvolumen betrug im Geschäftsjahr 587,1 Mio. Euro und damit ein Vielfaches des Fondsvermögens von rund 39,7 Mio. Euro. Die Transaktionskosten beliefen sich auf 162.531 Euro. Bemerkenswert ist außerdem, dass mit 397,6 Mio. Euro beziehungsweise 67,72 % des Transaktionsvolumens ein großer Anteil auf Geschäfte mit verbundenen Unternehmen entfiel.
Dies unterstreicht den sehr aktiven Investmentansatz. Für Anleger kann ein aktives Management einen Mehrwert liefern, wenn Umschichtungen und Absicherungen tatsächlich zusätzliche Rendite oder geringere Verluste erzeugen. Gleichzeitig erhöhen eine hohe Handelsfrequenz und komplexe Derivatestrategien die Kosten und machen das Ergebnis wesentlich stärker von der Qualität des Fondsmanagements abhängig.
Der hohe Anteil von Transaktionen mit verbundenen Unternehmen ist nicht automatisch negativ zu beurteilen; für Anleger ist er jedoch ein Punkt, bei dem Best-Execution-Regeln und der Umgang mit Interessenkonflikten von besonderer Bedeutung sind.
Kosten unterscheiden sich erheblich zwischen den Anteilklassen
Bei der Auswahl der Anteilklasse spielen die laufenden Kosten eine erhebliche Rolle. Die ausgewiesenen Gesamtkostenquoten betragen:
I-I: 1,52 %, R-II: 1,74 %, S: 0,94 %, I-II: 0,80 % und USD I-IV: 0,37 %. Bei R-II kamen im Berichtsjahr eine performanceabhängige Vergütung von 0,41 %, bei I-II von 0,16 % und bei USD I-IV von sogar 2,09 % hinzu.
Gerade die Werte der neueren Klassen müssen vorsichtig interpretiert werden, da I-II erst am 30. Juli 2025 und USD I-IV sogar erst am 16. März 2026 aufgelegt wurden. Die besonders hohe performanceabhängige Vergütung der USD-Klasse basiert somit nur auf einem kurzen Zeitraum und ist mit einem vollständigen Geschäftsjahr nicht direkt vergleichbar.
Für Privatanleger erscheint die R-II-Klasse kostenmäßig vergleichsweise anspruchsvoll. Die Kombination aus 1,74 % TER und zusätzlicher Performancevergütung schafft eine relativ hohe Hürde gegenüber kostengünstigen passiven Technologie- oder Weltaktienfonds.
Anlegerbewegungen liefern ein gemischtes Signal
Interessant ist auch die Entwicklung des Fondsvolumens. In der mit Abstand größten Anteilklasse S kam es zu Nettomittelabflüssen von 10,74 Mio. Euro. Anteilscheinverkäufen von 13,83 Mio. Euro standen Rücknahmen von 24,57 Mio. Euro gegenüber. Das Vermögen dieser Klasse sank trotz des positiven Anlageergebnisses von 40,36 auf 32,80 Mio. Euro.
Demgegenüber verzeichneten insbesondere R-II sowie die kleineren beziehungsweise neu aufgelegten Klassen Zuflüsse. Bei R-II betrug der Nettomittelzufluss rund 2,56 Mio. Euro; das Klassenvermögen stieg auf 4,57 Mio. Euro.
Die hohen Rückgaben in der S-Klasse stellen kein unmittelbares Liquiditätsproblem dar. Der Fonds investiert überwiegend in liquide börsennotierte Aktien. Dennoch sollte die Entwicklung weiter beobachtet werden, weil dauerhaft hohe Mittelabflüsse das Fondsmanagement insbesondere bei einem sehr aktiven Portfolio erschweren können.
Nachhaltigkeit und Prüfung
Der BIT Defensive Growth wird als Artikel-8-Fonds gemäß EU-Offenlegungsverordnung geführt und bewirbt damit ökologische oder soziale Merkmale. Er ist jedoch nicht als reiner Nachhaltigkeitsfonds zu verstehen; die Nachhaltigkeitsinformationen sind zudem ausdrücklich nicht Bestandteil des Prüfungsurteils des Abschlussprüfers.
Positiv ist dagegen das Prüfungsurteil zum eigentlichen Jahresbericht: Der unabhängige Abschlussprüfer kommt zu dem Ergebnis, dass der Jahresbericht in allen wesentlichen Belangen den Vorschriften des KAGB entspricht und ein umfassendes Bild der tatsächlichen Verhältnisse und Entwicklungen des Sondervermögens ermöglicht.
Fazit aus Anlegersicht
Der BIT Defensive Growth hat im Geschäftsjahr 2025/2026 mit einer Performance von 15,50 % in der S-Klasse ein überzeugendes Ergebnis erzielt. Das Management profitierte insbesondere von seiner starken Ausrichtung auf Halbleiter, KI-Infrastruktur und große Technologieplattformen. Gleichzeitig besitzt der Fonds interessante Instrumente zur taktischen Absicherung und kann dadurch flexibler auf schwierige Marktphasen reagieren als ein reiner Long-only-Aktienfonds.
Die Kehrseite ist jedoch erheblich: 97 % Aktienquote, ausgeprägte Technologie- und Wachstumsorientierung, hohe Einzelpositionen, umfangreicher Derivateeinsatz und ein sehr hohes Handelsvolumen machen das Produkt wesentlich offensiver und komplexer, als der Namensbestandteil „Defensive“ vermuten lassen könnte. Hinzu kommen – je nach Anteilklasse – vergleichsweise hohe laufende und teilweise performanceabhängige Kosten.
Besonders relevant ist zudem die Qualität des Jahresgewinns: In der größten Anteilklasse stand einem realisierten Verlust von mehr als 2 Mio. Euro ein wesentlich größerer nicht realisierter Kursgewinn gegenüber. Die ausgezeichnete Jahresperformance war daher stark vom Bewertungsanstieg der gehaltenen Aktien abhängig.
Aus Anlegersicht ist der BIT Defensive Growth damit vor allem für risikobereite, langfristig orientierte Investoren interessant, die bewusst eine aktive Wette auf strukturelles Technologie- und KI-Wachstum eingehen und dem Derivate- und Timing-Ansatz von BIT Capital vertrauen. Für konservative Anleger, die unter „defensiv“ eine geringe Aktienquote und begrenzte Schwankungen verstehen, ist der Fonds dagegen nur eingeschränkt geeignet. Entscheidend für eine längerfristig positive Beurteilung wird sein, ob das Management seine bislang starke Performance auch in einer ausgeprägten Technologie-Baisse oder einem länger anhaltenden Risk-off-Umfeld unter Beweis stellen kann.