Dark Mode Light Mode
Abweisungen mangels Masse: Unternehmensinsolvenzen vom 1. September 2026
ACCESSIO Flexibel VV: Gelungener Start mit 7,1 % Wertzuwachs – breite Diversifikation trifft auf anspruchsvolle Kostenstruktur
Sicherungsmaßnahmen bei Unternehmensinsolvenzen vom 1. September 2026

ACCESSIO Flexibel VV: Gelungener Start mit 7,1 % Wertzuwachs – breite Diversifikation trifft auf anspruchsvolle Kostenstruktur

geralt (CC0), Pixabay

Der ACCESSIO Flexibel VV hat sein erstes Rumpfgeschäftsjahr seit der Auflegung am 15. August 2025 insgesamt erfolgreich abgeschlossen. Der Fonds verfolgt das Ziel des realen Vermögenserhalts und strebt aktienähnliche Renditen bei gleichzeitig geringeren Schwankungen an. Um dies zu erreichen, investiert er überwiegend über aktiv und passiv gemanagte Zielfonds in verschiedene Kapitalmarktsegmente. Damit richtet sich das Produkt vor allem an Anleger mit mittel- bis langfristigem Anlagehorizont.

Positiver Start: Anteilwert steigt auf 107,07 Euro

Aus Anlegersicht fällt die erste Wertentwicklung erfreulich aus. Der Anteilwert stieg seit der Auflegung von 100,00 Euro auf 107,07 Euro, was einem Wertzuwachs von rund 7,1 % innerhalb von gut neun Monaten entspricht. Gleichzeitig wuchs das Fondsvermögen durch hohe Mittelzuflüsse auf 18,45 Mio. Euro. Netto flossen dem Fonds rund 17,71 Mio. Euro neues Kapital zu, während Rücknahmen mit lediglich rund 417.000 Euro vergleichsweise gering ausfielen. Dies kann als Hinweis auf eine bislang hohe Akzeptanz bei den Anlegern gewertet werden.
Allerdings sollte die Rendite noch nicht überbewertet werden. Aufgrund der kurzen Historie lässt sich bislang kaum beurteilen, ob das anspruchsvolle Ziel, aktienähnliche Erträge bei geringeren Schwankungen zu erwirtschaften, tatsächlich über unterschiedliche Marktphasen hinweg erreicht werden kann.

Stark diversifiziertes Multi-Asset-Konzept

Zum 31. Mai 2026 waren 90,47 % des Fondsvermögens in Investmentfonds, weitere 6,03 % in Zertifikaten und 3,62 % in Bankguthaben investiert. Bei dem Zertifikat handelt es sich vollständig um Xetra-Gold. Der Goldanteil stellt damit einen zusätzlichen Diversifikations- und möglicherweise Krisenschutzbaustein dar.
Die Zielfonds decken zahlreiche unterschiedliche Strategien und Regionen ab. Größere Einzelpositionen sind beispielsweise der Aquantum Active Range mit 8,88 %, ein JPMorgan-Aktien-ETF mit 8,07 %, Allianz Best Styles Global Equity mit 6,96 %, ein MSCI-World-ETF mit 6,93 % sowie der VanEck Developed Markets Dividend ETF mit 6,84 %. Hinzu kommen Anlagen in Emerging Markets, asiatisch-pazifische Aktien, US-Aktien, Unternehmens- und Hochzinsanleihen, Rohstoff- beziehungsweise Edelmetallstrategien sowie alternative und taktische Anlagekonzepte.

Das Portfolio weist damit auf den ersten Blick eine gute Streuung auf. Gleichzeitig entsteht jedoch eine gewisse Komplexität und Intransparenz, weil die tatsächlichen Aktien-, Anleihen-, Branchen-, Länder- und Währungsrisiken teilweise erst auf Ebene der einzelnen Zielfonds entstehen. Anleger erwerben somit nicht lediglich einen Fonds, sondern faktisch ein Portfolio aus zahlreichen Fondsstrategien.

Ergebnisqualität: Gewinne bislang überwiegend nicht realisiert

Das Rumpfgeschäftsjahr schloss mit einem Gesamtergebnis von 678.100 Euro ab. Auffällig ist jedoch dessen Zusammensetzung: Das realisierte Ergebnis lag bei minus 104.262 Euro, während aus nicht realisierten Kursveränderungen ein Gewinn von 782.363 Euro entstand. Der bisherige Erfolg beruht somit überwiegend auf Buchgewinnen der gehaltenen Anlagen und weniger auf bereits realisierten Erträgen.

Das ist bei einem neu aufgebauten Portfolio grundsätzlich nicht ungewöhnlich. Für Anleger bedeutet es jedoch, dass ein erheblicher Teil des bisherigen Erfolges von der weiteren Kapitalmarktentwicklung abhängt und bei fallenden Kursen zumindest teilweise wieder verloren gehen könnte.

Der ordentliche Nettoertrag war mit rund minus 92.300 Euro ebenfalls negativ. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass in den Aufwendungen ein hoher Aufwandsausgleich von rund 108.100 Euro enthalten ist, der im Zusammenhang mit den starken Mittelbewegungen im jungen Fonds steht. Die Ertrags- und Aufwandsrechnung sollte deshalb nicht isoliert als Maßstab für die laufende Profitabilität verwendet werden.

Kosten sind ein wichtiger Prüfpunkt

Die ausgewiesene Gesamtkostenquote (TER) beträgt 1,74 %. Gerade im Vergleich mit einfachen ETF-Lösungen ist das eine relevante Kostenbelastung, die der Fonds langfristig durch seine aktive Asset-Allokation und Risikosteuerung erst einmal verdienen muss. Positiv ist, dass die ausgewiesene Gesamtkostenquote laut Bericht auch die laufenden Kosten der am Geschäftsjahresende gehaltenen Zielfonds berücksichtigt.

Hinzu kamen Transaktionskosten von rund 5.673 Euro. Interessant ist außerdem, dass das gesamte angegebene Transaktionsvolumen von 18,78 Mio. Euro beziehungsweise 100 % mit verbundenen Unternehmen abgewickelt wurde. Dies stellt nicht automatisch einen Nachteil oder Interessenkonflikt dar, ist aus Anlegerperspektive aber ein Punkt, dessen Entwicklung hinsichtlich Kosten und marktgerechter Ausführung beobachtet werden sollte.

Darüber hinaus weist der Bericht darauf hin, dass für die Anteilklasse Vermittlungsfolgeprovisionen in wesentlichem Umfang aus der Verwaltungsvergütung an Vermittler gezahlt werden. Anleger sollten daher prüfen, ob die Kostenstruktur im Verhältnis zum erzielten Mehrwert der Vermögensverwaltung angemessen ist.

Risikoprofil: Diversifikation reduziert, beseitigt aber keine Verlustrisiken

Die breite Streuung über verschiedene Zielfonds verringert einzelne Emittenten- und Strategierisiken. Dennoch bestehen wesentliche Marktpreis-, Kredit-, Liquiditäts- und Währungsrisiken. Besonders relevant ist, dass ein Großteil des Vermögens über Zielfonds gehalten wird. Sollten einzelne Zielfonds Rücknahmen aussetzen, könnte dies auch die Liquidität des ACCESSIO Flexibel beeinträchtigen. Außerdem können Fremdwährungspositionen direkt oder indirekt zu zusätzlichen Schwankungen führen.

Der Fonds selbst weist zum Geschäftsjahresende kein Derivate-Exposure aus. Als Vergleichsportfolio für die Risikomessung wird eine Mischung aus 70 % MSCI World und 30 % Euro-Unternehmensanleihen verwendet. Der durchschnittlich ausgewiesene potenzielle Risikobetrag lag bei 0,96 %, der Höchstwert bei 1,49 %.

Das Management weist zugleich ausdrücklich darauf hin, dass geopolitische Konflikte, Rohstoffpreise, geldpolitische Entscheidungen und die US-Zollpolitik für weiterhin erhöhte Unsicherheit an den Kapitalmärkten sorgen können. Auch ein breit diversifizierter Fonds bleibt daher deutlich von der allgemeinen Kapitalmarktentwicklung abhängig.

Nachhaltigkeit spielt keine zentrale Rolle

Für Anleger mit ausgeprägtem ESG-Fokus ist zu beachten, dass Nachhaltigkeitsrisiken bei den Investitionsentscheidungen laut Bericht nicht berücksichtigt wurden. Der ACCESSIO Flexibel wird als Artikel-6-Fonds gemäß EU-Offenlegungsverordnung eingestuft und berücksichtigt auch nicht ausdrücklich die EU-Kriterien für ökologisch nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten.

Positiv: Uneingeschränktes Prüfungsurteil

Der Jahresbericht wurde von der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft geprüft. Der Abschlussprüfer kommt zu dem Ergebnis, dass der Jahresbericht in allen wesentlichen Belangen den Vorschriften des Kapitalanlagegesetzbuchs entspricht und ein umfassendes Bild der tatsächlichen Verhältnisse und Entwicklungen des Sondervermögens ermöglicht. Aus Transparenz- und Governance-Sicht ist dies positiv zu bewerten.

Fazit aus Anlegersicht

Der ACCESSIO Flexibel VV hat einen überzeugenden Start hingelegt. Ein Wertzuwachs von rund 7,1 % seit August 2025, hohe Nettomittelzuflüsse und eine breit über Anlageklassen, Regionen und Strategien diversifizierte Fondsstruktur sprechen zunächst für das Konzept. Die Kombination aus globalen Aktienanlagen, Rentenstrategien, Gold und alternativen Ansätzen kann insbesondere für Anleger interessant sein, die die laufende Asset-Allokation nicht selbst übernehmen möchten.

Dem stehen jedoch mehrere Punkte gegenüber. Der Fonds besitzt erst eine sehr kurze Historie, sodass noch nicht nachgewiesen ist, dass er sein Kernversprechen – aktienähnliche Renditen bei geringeren Schwankungen – auch in schwierigen Marktphasen erfüllen kann. Zudem ist die TER von 1,74 % deutlich höher als bei einfachen passiven Portfolios. Der bisherige Jahreserfolg stammt außerdem überwiegend aus noch nicht realisierten Kursgewinnen.

Gesamturteil: Der ACCESSIO Flexibel VV präsentiert sich nach seinem ersten Rumpfgeschäftsjahr als interessanter, breit diversifizierter vermögensverwaltender Fonds mit gelungenem Start, aber noch fehlendem langfristigen Leistungsnachweis. Für bestehende Anleger liefert der Bericht derzeit keinen offensichtlichen Grund zur Sorge. Für einen Neueinstieg sollten jedoch insbesondere die weitere Performance nach Kosten, das Verhalten des Fonds in schwächeren Aktienmarktphasen und die langfristige Volatilität beobachtet werden. Erst nach mehreren vollständigen Geschäftsjahren wird sich belastbar beurteilen lassen, ob die vergleichsweise hohe Kostenquote durch eine überdurchschnittliche risikoadjustierte Rendite gerechtfertigt wird.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

Abweisungen mangels Masse: Unternehmensinsolvenzen vom 1. September 2026

Next Post

Sicherungsmaßnahmen bei Unternehmensinsolvenzen vom 1. September 2026