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Stülcken Capital Fonds: Solider Start mit Qualitätsaktien – hohe Liquidität und kurze Historie begrenzen jedoch die Aussagekraft

geralt (CC0), Pixabay

Der Stülcken Capital Fonds blickt auf sein erstes, knapp zwölfmonatiges Rumpfgeschäftsjahr seit der Auflegung am 2. Juni 2025 zurück. Ziel des Fonds ist ein langfristig angemessener Wertzuwachs durch eine fundamental orientierte Aktienauswahl. Im Fokus stehen Unternehmen mit hoher Profitabilität, guter Wettbewerbsposition, effizientem Kapitaleinsatz und langfristig tragfähigen Geschäftsmodellen. Neben Aktien wären grundsätzlich auch Anleihen, Fonds, Geldmarktanlagen und Edelmetalle möglich, tatsächlich bestand das Wertpapierportfolio zum Bilanzstichtag jedoch ausschließlich aus direkten Aktieninvestments.

Positiver, aber noch wenig aussagekräftiger Anlageerfolg

Für das Rumpfgeschäftsjahr weist der Fonds eine Wertentwicklung von +2,24 % aus. Der Anteilwert stieg damit von ursprünglich 100 Euro auf 102,24 Euro.
Für Anleger ist das zunächst positiv zu bewerten. Allerdings lässt sich aus diesem Ergebnis noch kaum ableiten, ob der Fonds langfristig einen Mehrwert gegenüber einem breit diversifizierten Aktienindex erzielen kann. Die Historie umfasst lediglich das erste Geschäftsjahr und fällt zudem in die Aufbauphase des Portfolios. Eine aussagekräftige Beurteilung des aktiven Managements wird daher erst nach mehreren vollständigen Marktzyklen möglich sein.

Das Geschäftsjahresergebnis betrug 133.036 Euro. Davon entfielen 72.885 Euro auf realisierte Ergebnisse und rund 60.151 Euro auf das nicht realisierte Ergebnis. Innerhalb der nicht realisierten Positionen standen hohen Gewinnen von rund 631.704 Euro gleichzeitig Verluste von etwa 571.554 Euro gegenüber. Dies zeigt, dass sich bereits im ersten Jahr erhebliche Kursbewegungen innerhalb des Portfolios ergeben haben.

Qualitätsorientiertes Portfolio mit nachvollziehbarer Titelauswahl

Zum 31. Mai 2026 waren 81 % des Fondsvermögens in Aktien investiert, während knapp 19 % als Bankguthaben gehalten wurden. Das Fondsvermögen belief sich auf rund 6,85 Mio. Euro.

Die einzelnen Beteiligungen lassen eine klare Qualitäts- und Markenorientierung erkennen. Zu den größten Positionen gehörten unter anderem:

Alphabet mit 5,95 %,
TotalEnergies mit 5,80 %,
Nestlé mit 5,10 %,
Thermo Fisher Scientific mit 5,01 %,
Icon mit 4,46 %,
Novo Nordisk mit 3,96 %,
Fortinet mit 3,69 %,
L’Oréal mit 3,67 % und
Microsoft mit 3,43 % des Fondsvermögens.

Damit setzt das Management überwiegend auf etablierte, hochprofitable Unternehmen aus Bereichen wie Gesundheitswesen, Konsum, Technologie, Energie und Finanzdienstleistungen. Diese Struktur passt grundsätzlich zur angekündigten Strategie, Unternehmen mit stabilen Geschäftsmodellen und guter langfristiger Wettbewerbsposition zu bevorzugen.

Positiv fällt außerdem auf, dass der Fonds keine Derivate und keine anderen Investmentfonds eingesetzt hat. Die Investments wurden unmittelbar über Aktien vorgenommen. Das Portfolio bleibt dadurch vergleichsweise transparent und für Anleger gut nachvollziehbar.

Hoher Cashbestand ist Chance und Belastung zugleich

Mit 18,98 % Bankguthaben hielt der Fonds am Geschäftsjahresende eine auffällig hohe Liquiditätsposition.

Angesichts der Tatsache, dass sich der Fonds noch in seiner Aufbauphase befand, ist dies nachvollziehbar. Die Liquiditätsreserve bietet dem Management zudem Spielraum, bei Kursrückgängen attraktive Aktien zuzukaufen und reduziert kurzfristig das Verlustrisiko bei fallenden Märkten.

In starken Aktienmärkten kann eine derart hohe Cashquote jedoch die Performance erheblich bremsen. Für Anleger wird deshalb interessant sein, ob die Liquidität künftig bewusst als taktisches Instrument eingesetzt wird oder hauptsächlich auf den noch nicht abgeschlossenen Portfolioaufbau zurückzuführen war.

Immerhin generierten die Liquiditätsanlagen im Berichtszeitraum Zinserträge von knapp 29.000 Euro, sodass der hohe Kassenbestand nicht völlig unverzinst blieb.

Internationale Streuung – aber relevantes Währungsrisiko

Der Fonds investierte hauptsächlich in Europa und den USA. Zum Geschäftsjahresende entfielen rund 42 % der Vermögenswerte auf Euro- und 35 % auf US-Dollar-Anlagen. Die größten Branchenschwerpunkte waren Gesundheitswesen, Konsumgüter und Technologie.

Neben dem US-Dollar bestanden Positionen unter anderem in Schweizer Franken, dänischen Kronen, kanadischen Dollar und britischen Pfund.

Diese internationale Diversifikation ist grundsätzlich positiv, führt für Euro-Anleger aber zu zusätzlichen Währungschancen und -risiken. Eine systematische Absicherung dieser Risiken ist aus dem Bericht nicht ersichtlich. Wechselkursbewegungen können die Fondsperformance daher sowohl verstärken als auch abschwächen.

Fondsgröße noch sehr gering

Mit einem Fondsvolumen von lediglich 6,85 Mio. Euro ist der Stülcken Capital Fonds derzeit ein sehr kleiner Publikumsfonds. Positiv sind allerdings die starken Nettozuflüsse: Im ersten Geschäftsjahr flossen netto rund 6,72 Mio. Euro zu; Anteilscheinverkäufen von 6,77 Mio. Euro standen lediglich rund 49.854 Euro Rücknahmen gegenüber.

Die geringe Größe ist aus Anlegersicht dennoch zu beobachten. Bei kleinen Fonds verteilen sich fixe Kosten auf ein geringeres Vermögen, wodurch die Kostenbelastung relativ höher ausfallen kann. Zudem ist langfristig entscheidend, ob der Fonds genügend Anlegergelder anziehen kann, um wirtschaftlich dauerhaft attraktiv betrieben zu werden.

Kosten im vertretbaren, aber nicht günstigen Bereich

Die ausgewiesene Gesamtkostenquote (TER) beträgt 1,33 %. Hinzu kamen Transaktionskosten von rund 9.715 Euro.

Für einen aktiv gemanagten Aktienfonds ist eine TER von 1,33 % nicht außergewöhnlich hoch. Gegenüber kostengünstigen ETFs entsteht jedoch eine deutliche strukturelle Kostenbelastung. Damit der Fonds für Anleger langfristig attraktiv ist, muss das aktive Management einen entsprechenden Mehrwert nach Kosten erzielen.

Gerade vor diesem Hintergrund reicht eine Performance von +2,24 % über ein einzelnes Rumpfgeschäftsjahr noch nicht aus, um die Qualität der Strategie endgültig zu beurteilen.

Auffällig hoher Anteil von Transaktionen mit verbundenen Unternehmen

Ein Punkt verdient besondere Aufmerksamkeit: Vom gesamten Transaktionsvolumen von rund 5,92 Mio. Euro wurden etwa 5,51 Mio. Euro beziehungsweise 93,10 % mit verbundenen Unternehmen abgewickelt.

Der Jahresbericht liefert an dieser Stelle keine Informationen, aus denen sich ein Nachteil für den Fonds ableiten ließe. Dennoch ist die hohe Quote aus Governance-Sicht bemerkenswert. Anleger sollten in zukünftigen Berichten beobachten, ob dieser Anteil dauerhaft so hoch bleibt und wie die Kapitalverwaltungsgesellschaft den bestmöglichen Ausführungspreis und mögliche Interessenkonflikte sicherstellt.

Risikoprofil bleibt klar aktienorientiert

Trotz des aktuell hohen Cashanteils handelt es sich im Kern um einen Aktienfonds. Dementsprechend unterliegt das Portfolio erheblichen Marktpreisrisiken. Das Management weist ausdrücklich auf geopolitische Konflikte, mögliche wirtschaftliche Folgen von Sanktionen, Rohstoffpreisentwicklungen, geldpolitische Entscheidungen sowie die US-Zollpolitik und mögliche Gegenmaßnahmen anderer Staaten hin.

Positiv ist, dass das Portfolio überwiegend aus Aktien größerer, international gehandelter Unternehmen besteht. Nach Einschätzung der Fondsgesellschaft bestehen daher keine wesentlichen Liquiditätsprobleme bei der Veräußerung der Positionen. Auch der Anteil schwer liquidierbarer Vermögensgegenstände wird mit 0,00 % angegeben.

Die Einführung zusätzlicher Liquiditätsmanagementinstrumente wie Rücknahmebeschränkungen, Sachauskehr und Swing Pricing zum 16. April 2026 erweitert darüber hinaus die Handlungsmöglichkeiten des Managements bei außergewöhnlichen Mittelabflüssen.

Nachhaltigkeit spielt keine zentrale Rolle

Anleger mit ausgeprägten ESG-Anforderungen sollten beachten, dass Nachhaltigkeitsrisiken bei den Investitionsentscheidungen ausdrücklich nicht berücksichtigt wurden. Der Fonds berücksichtigt zudem nicht die EU-Kriterien für ökologisch nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten und wird als Artikel-6-Fonds nach der EU-Offenlegungsverordnung eingestuft.

Der Fokus liegt damit eindeutig auf fundamentalen Anlagekriterien und nicht auf einem Nachhaltigkeitsmandat.

Fazit aus Anlegersicht

Der Stülcken Capital Fonds hat sein erstes Geschäftsjahr mit +2,24 % positiv abgeschlossen und präsentiert ein grundsätzlich überzeugendes, transparentes Portfolio aus etablierten internationalen Qualitätsunternehmen. Der Verzicht auf Derivate und komplexe Fondsstrukturen, die breite Streuung über verschiedene Branchen und Länder sowie die hohe Liquidität sprechen für einen eher kontrollierten Einstieg in die Investmentstrategie.

Für ein abschließendes Urteil ist der Fonds jedoch noch zu jung. Besonders die fehlende langfristige Performancehistorie, das mit rund 6,85 Mio. Euro noch geringe Fondsvolumen, die TER von 1,33 %, das relevante Fremdwährungsrisiko und die auffällig hohe Quote von 93,1 % des Transaktionsvolumens mit verbundenen Unternehmen sollten Anleger weiter beobachten.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob der Start gelungen ist – das ist er grundsätzlich –, sondern ob das Management seine fundamental ausgerichtete Qualitätsstrategie künftig in eine dauerhafte Überrendite nach Kosten übersetzen kann. Erst mehrere Jahre mit unterschiedlichen Marktphasen werden zeigen, ob die gezielte Einzeltitelauswahl tatsächlich einen Mehrwert gegenüber günstigeren, breit diversifizierten Aktien-ETFs erzeugt.

Anlegerurteil: Interessanter, fundamental ausgerichteter Qualitätsaktienfonds mit nachvollziehbarem Portfolio und vorsichtigem Start. Für Anleger, die aktives Management und konzentrierte Einzeltitelauswahl suchen, grundsätzlich beobachtenswert; wegen der sehr kurzen Historie derzeit jedoch eher ein Fonds mit Bewährungsbedarf als ein bereits nachgewiesener langfristiger Outperformer.

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