Die deutschen Kinos erleben einen kräftigen Aufschwung. Nach schwierigen Jahren infolge der Corona-Pandemie und der wachsenden Konkurrenz durch Streamingdienste zieht es wieder deutlich mehr Menschen vor die große Leinwand. Im ersten Halbjahr 2026 stieg die Zahl der Kinobesucher um fast 17 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Insgesamt wurden rund 48 Millionen Eintrittskarten verkauft.
Die Branche spricht angesichts dieser Entwicklung von einem ausgesprochen starken Kinojahr. Sollte sich der positive Trend in der zweiten Jahreshälfte fortsetzen, könnten sich die Besucherzahlen wieder dem Niveau aus der Zeit vor der Corona-Pandemie annähern.
Kino soll wieder zum besonderen Erlebnis werden
Ein wichtiger Grund für die Erholung dürfte sein, dass sich viele Filmtheater inzwischen stärker als Erlebnisorte positionieren. Während Filme und Serien zu Hause jederzeit über Streamingdienste verfügbar sind, setzen Kinos auf Eigenschaften, die sich im Wohnzimmer nur schwer nachbilden lassen: große Leinwände, leistungsfähige Soundsysteme und das gemeinsame Filmerlebnis mit anderen Zuschauern.
Ein Beispiel dafür ist das IMAX-Kino in Leipzig. Es verfügt nach Angaben des MDR über eine rund 200 Quadratmeter große Leinwand, moderne Laserprojektion und ein raumgreifendes Soundsystem.
Das Konzept richtet sich dabei keineswegs nur an ein junges Publikum. Nach Angaben des Leipziger IMAX-Chefs Rainer Weber reicht die Kundschaft von Kindern bis zu Senioren. Für die Kinobetreiber liegt gerade im gemeinschaftlichen und technisch aufwendigen Filmerlebnis ein entscheidender Vorteil gegenüber dem heimischen Streaming.
14 Filme überschreiten die Millionenmarke
Auch das Filmangebot trägt zur positiven Entwicklung bei. 14 Filme erreichten im ersten Halbjahr jeweils mehr als eine Million Kinobesucher. Bemerkenswert ist dabei, dass nicht ausschließlich Fortsetzungen großer Filmreihen oder bereits etablierte Marken erfolgreich waren.
Nach Einschätzung des Hauptverbands Deutscher Filmtheater zeigt die Entwicklung, dass sich das Publikum auch für neue Geschichten und unterschiedliche Genres interessiert. Für die Branche ist das ein wichtiges Signal: Der derzeitige Aufschwung hängt damit nicht allein von einzelnen internationalen Blockbustern ab.
Deutsche Filme gewinnen Publikum zurück
Besonders erfreulich entwickelt sich der Markt für heimische Produktionen. Fünf deutsche Filme überschritten im ersten Halbjahr die Marke von einer Million Besuchern.
An der Spitze stand nach den vorliegenden Angaben die Komödie „Extrawurst“ mit knapp zwei Millionen verkauften Eintrittskarten. Der Film erzählt von einem Streit in einem Tennisclub über die Anschaffung eines zusätzlichen Grills für ein muslimisches Vereinsmitglied.
Der Erfolg mehrerer deutscher Produktionen verbreitert die Basis des aktuellen Kinoaufschwungs. Für Filmtheater ist eine Mischung aus internationalen Großproduktionen und erfolgreichen heimischen Filmen besonders wichtig, weil dadurch unterschiedliche Zielgruppen angesprochen werden können.
Streaming hat das Kino nicht verdrängt
Noch vor wenigen Jahren waren die Aussichten für die Branche wesentlich düsterer. Während der Corona-Pandemie mussten Filmtheater zeitweise schließen oder ihren Betrieb stark einschränken. Gleichzeitig gewannen Streamingangebote erheblich an Bedeutung.
Auch nach dem Ende der Einschränkungen kehrte das Publikum zunächst nur langsam zurück. Die aktuellen Zahlen sprechen nun dafür, dass Streaming und Kino zumindest für viele Zuschauer unterschiedliche Bedürfnisse erfüllen. Während Streaming vor allem Bequemlichkeit und eine große Auswahl bietet, versucht das Kino, aus einzelnen Filmen ein besonderes Freizeit- und Gemeinschaftserlebnis zu machen.
Die Modernisierung vieler Häuser spielt dabei eine wichtige Rolle. Premiumsäle, große Projektionsformate wie IMAX, moderne Tonanlagen und besondere Veranstaltungen sollen einen zusätzlichen Grund liefern, für einen Film das eigene Wohnzimmer zu verlassen.
Hoffnung auf Rückkehr zum Vor-Corona-Niveau
Mit 48 Millionen verkauften Tickets innerhalb von sechs Monaten und einem Besucherplus von fast 17 Prozent hat die deutsche Kinobranche einen wichtigen Schritt aus ihrer langjährigen Krise gemacht.
Ob daraus eine nachhaltige Renaissance wird, entscheidet sich allerdings erst in den kommenden Monaten. Entscheidend werden attraktive Filmstarts und die Frage sein, ob die derzeitige Dynamik auch im zweiten Halbjahr anhält.
Die Kinobetreiber sind jedenfalls zuversichtlich: Setzt sich die Entwicklung fort, könnten die Jahreszahlen wieder Größenordnungen erreichen, wie sie vor der Corona-Pandemie üblich waren.
Damit zeichnet sich ein bemerkenswerter Wandel ab. Ausgerechnet in einer Zeit, in der Filme praktisch jederzeit zu Hause abrufbar sind, entdecken viele Menschen das Kino neu – nicht nur als Ort zum Anschauen eines Films, sondern als gemeinsames Erlebnis.