Der Jahresabschluss 2025 der Windpark Havelland Projekt I GmbH & Co. KG zeigt eine deutlich angespanntere Entwicklung als im Vorjahr. Zwar konnte die Gesellschaft ihre Bankverbindlichkeiten um mehr als eine halbe Million Euro reduzieren. Gleichzeitig fiel jedoch ein Jahresverlust von knapp 477.000 Euro an, das Eigenkapital sank kräftig und die frei verfügbaren liquiden Mittel gingen massiv zurück. Für Anleger ergibt sich damit ein gemischtes Bild aus fortschreitender Entschuldung und wachsendem Ergebnisdruck.
Die Bilanzsumme der Münchner Windparkgesellschaft sank zum 31. Dezember 2025 von rund 7,14 Millionen Euro auf 6,12 Millionen Euro. Der Rückgang ist vor allem auf die planmäßigen Abschreibungen der beiden Windkraftanlagen sowie auf den Abbau von Fremdkapital zurückzuführen.
Das Sachanlagevermögen verringerte sich binnen eines Jahres von 6,33 Millionen Euro auf 5,55 Millionen Euro. Nach Angaben im Anhang werden die Anlagen linear über eine Nutzungsdauer von 16 Jahren abgeschrieben.
Jahresverlust von fast 477.000 Euro
Besonders auffällig ist das Jahresergebnis. Die Gesellschaft weist für 2025 einen Jahresfehlbetrag von 476.669,81 Euro aus. Dieser wurde vollständig den Kapitalkonten der Kommanditisten belastet.
Entsprechend sank das Eigenkapital von rund 1,56 Millionen Euro auf 1,09 Millionen Euro. Das entspricht einem Rückgang um gut 30 Prozent innerhalb eines Jahres.
Für Anleger ist das ein zentrales Signal: Zwar verfügt die Gesellschaft weiterhin über positives Eigenkapital, doch der Verlust zehrt einen erheblichen Teil der vorhandenen Kapitalbasis auf.
Bankguthaben fällt auf nur noch 42.800 Euro
Noch deutlicher ist die Entwicklung bei der Liquidität. Die unmittelbar ausgewiesenen Bankguthaben gingen von 245.148 Euro auf nur noch 42.802 Euro zurück.
Dieser Einbruch sollte allerdings nicht isoliert betrachtet werden. In den sonstigen Vermögensgegenständen befinden sich zusätzlich 370.000 Euro auf verpfändeten Bankkonten, die als Liquiditätsreserven dienen. Diese Mittel stehen der Gesellschaft damit nicht uneingeschränkt zur freien Verfügung.
Aus Anlegersicht ist gerade diese Unterscheidung wichtig: Die Bilanz weist zwar insgesamt Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände von rund 456.600 Euro aus, ein wesentlicher Teil davon ist jedoch gebunden.
Schulden sinken deutlich
Positiv entwickelt hat sich dagegen die Fremdfinanzierung. Die gesamten Verbindlichkeiten reduzierten sich von rund 5,44 Millionen Euro auf 4,88 Millionen Euro.
Die Bankverbindlichkeiten sanken dabei von etwa 5,41 Millionen Euro auf 4,86 Millionen Euro. Rund 555.000 Euro davon sind innerhalb eines Jahres fällig. Weitere 2,22 Millionen Euro haben eine Laufzeit zwischen einem und fünf Jahren, rund 2,08 Millionen Euro länger als fünf Jahre.
Damit schreitet die Tilgung sichtbar voran.
Banken besitzen weitreichende Sicherheiten
Die Fremdfinanzierung ist allerdings umfangreich besichert. Die Kreditinstitute verfügen unter anderem über Sicherungsrechte an den beiden Windkraftanlagen und der Infrastruktur.
Zusätzlich wurden Ansprüche aus Versicherungen, Stromeinspeisung, Nutzungsverträgen und Lieferantenverträgen abgetreten. Auch das Rücklagenkonto ist zugunsten der Bank verpfändet.
Das ist bei projektfinanzierten Windparks nicht ungewöhnlich, zeigt aber, dass ein erheblicher Teil der Vermögenswerte und Einnahmeströme unmittelbar der Finanzierungssicherung dient.
Weitere Verpflichtungen von fast 2,74 Millionen Euro
Neben den bilanzierten Verbindlichkeiten bestehen beträchtliche weitere finanzielle Verpflichtungen.
Für Mieten und Pachten werden rund 1,24 Millionen Euro genannt. Hinzu kommen Verpflichtungen aus technischen Wartungs- und Betriebsverträgen von etwa 1,44 Millionen Euro sowie rund 59.000 Euro aus Organisationsverträgen.
Insgesamt summieren sich diese sonstigen Verpflichtungen damit auf rund 2,74 Millionen Euro.
Diese Beträge stehen nicht als klassische Schulden auf der Passivseite, müssen bei einer wirtschaftlichen Betrachtung jedoch berücksichtigt werden.
Rückbaukosten belasten ebenfalls
Die Gesellschaft bildet außerdem Rückstellungen für den späteren Rückbau der Windenergieanlagen. Dabei werden erwartete Kostensteigerungen berücksichtigt und die Verpflichtungen auf ihren heutigen Barwert abgezinst.
Die gesamten Rückstellungen erhöhten sich von rund 133.800 Euro auf 157.800 Euro. Der verwendete Rechnungszins für die Rückbauverpflichtungen stieg von 1,98 Prozent auf 2,22 Prozent.
Keine eigenen Mitarbeiter
Wie bei vielen Projektgesellschaften beschäftigt auch die Windpark Havelland Projekt I GmbH & Co. KG keine eigenen Arbeitnehmer.
Die Geschäftsführung liegt bei der TOR Infrastrukturverwaltungs GmbH aus Berlin. Als Geschäftsführer werden Konstantin Freiherr von Falkenhausen, Paolo Alemanni und Dr. Barbara Weber genannt.
Was bedeutet das für Anleger?
Aus Anlegersicht sind vor allem drei Entwicklungen relevant: der hohe Jahresverlust, der deutliche Rückgang des Eigenkapitals und die stark gesunkene unmittelbar verfügbare Liquidität.
Dagegen steht der planmäßige Schuldenabbau, der die Finanzierung langfristig entlasten kann. Die Bankverbindlichkeiten wurden innerhalb eines Jahres um rund 555.000 Euro reduziert.
Ob der Jahresverlust lediglich eine vorübergehende Schwäche oder Ausdruck eines strukturellen Ertragsproblems ist, lässt sich aus dem veröffentlichten Abschluss allerdings nicht abschließend beantworten. Dafür fehlen vor allem Angaben zu Stromproduktion, Stromerlösen, Einspeisevergütung, Windaufkommen und laufenden Betriebskosten.
Gerade diese Informationen wären für Anleger entscheidend. Denn bei einem Windpark zählt letztlich nicht allein der Buchwert der Anlagen, sondern vor allem die Frage, ob die laufenden Stromerlöse ausreichen, um Zinsen, Tilgung, Wartung, Pacht und Rückbauverpflichtungen zu finanzieren.
Der Jahresabschluss 2025 liefert deshalb ein klares Warnsignal, aber noch kein Krisenurteil: Die Gesellschaft ist weiterhin deutlich positiv kapitalisiert und reduziert ihre Bankschulden – gleichzeitig hat der Verlust 2025 die Kapitalbasis spürbar geschwächt. Der weitere Verlauf hängt nun entscheidend davon ab, ob sich die operative Ertragslage stabilisieren kann.