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Wettlauf um Girokonto-Kunden: Banken zahlen für den Kontowechsel bis zu 250 Euro

Engin_Akyurt (CC0), Pixabay

Der Wettbewerb um Bankkunden wird schärfer. Nachdem Geldhäuser bereits seit einiger Zeit mit attraktiven Tages- und Festgeldzinsen um neues Kapital werben, rückt nun das Girokonto verstärkt in den Mittelpunkt. Einige Banken zahlen Neukunden derzeit Prämien von bis zu 250 Euro, wenn sie ihr Konto wechseln und bestimmte Bedingungen erfüllen.

Nach Angaben der FMH-Finanzberatung bieten aktuell 28 Banken Wechsel- oder Neukundenprämien zwischen 25 und 250 Euro an. Das Geld gibt es allerdings meist nicht allein für die Kontoeröffnung. Häufig verlangen die Institute regelmäßige Geldeingänge, die aktive Nutzung des Kontos oder die Verwendung ihres digitalen Kontowechselservices.

Warum Banken für neue Girokonten so viel Geld bezahlen

Auf den ersten Blick erscheint es erstaunlich, dass Banken mehrere Hundert Euro ausgeben, nur um einen neuen Girokonto-Kunden zu gewinnen. Wirtschaftlich kann sich das für die Institute jedoch rechnen.

Nach Bundesbank-Zahlen liegen insgesamt rund 2,5 Billionen Euro auf deutschen Girokonten. Diese Einlagen sind für Banken wertvoll. Geld, das sie beispielsweise bei der Europäischen Zentralbank anlegen können, wird verzinst.

Hinzu kommen mögliche Kontoführungs- und Transaktionsgebühren. Noch wichtiger ist für die Institute jedoch die langfristige Kundenbeziehung. Wer sein Gehaltskonto bei einer Bank führt, kommt später möglicherweise auch für andere Produkte infrage – beispielsweise Tages- und Festgeld, Wertpapieranlagen, Ratenkredite oder eine Baufinanzierung.

Selbst ein überzogenes Girokonto kann für die Bank ein Geschäft sein: Der durchschnittliche Dispozins liegt nach Angaben der FMH derzeit bei rund 10,8 Prozent.

Das Girokonto ist deshalb weit mehr als ein alltägliches Zahlungsinstrument. Für Banken ist es häufig der wichtigste Zugang zum Kunden.

Openbank bietet derzeit mit 250 Euro die höchste genannte Prämie

Besonders hoch fällt die im Vergleich genannte Prämie bei der Openbank aus. Dort sind 250 Euro möglich. Voraussetzung ist nach den vorliegenden Angaben, dass das Girokonto bis zum 31. August 2026 eröffnet und der Kontowechselservice der Bank genutzt wird.

Der Kontowechselservice spielt bei den Angeboten generell eine zunehmende Rolle. Damit können beispielsweise bestehende Zahlungspartner und regelmäßige Buchungen ermittelt und auf das neue Konto übertragen werden. Einige Institute machen die Nutzung inzwischen ausdrücklich zur Voraussetzung für den Bonus.

Berliner Volksbank zahlt 200 Euro

Bei der Berliner Volksbank können Neukunden 200 Euro erhalten. Das Geld wird allerdings erst im achten Monat nach dem Wechsel ausgezahlt.

Ab dem zweiten Monat nach der Kontoeröffnung muss für mindestens fünf Monate ein monatlicher Geldeingang von jeweils wenigstens 700 Euro vorhanden sein. Zusätzlich müssen Kunden einwilligen, von der Bank telefonisch oder per E-Mail zu Marketingzwecken angesprochen werden zu dürfen.

ING lockt ebenfalls mit 200 Euro

Auch die ING bietet nach den vorliegenden Angaben eine Prämie von 200 Euro. Das Konto muss dafür bis zum 30. September 2026 eröffnet werden.

Weitere Voraussetzungen sind mindestens ein Login in die ING-App und zwei aufeinanderfolgende monatliche Geldeingänge. Für Kunden über 28 Jahre müssen jeweils mindestens 1.000 Euro eingehen. Bei jüngeren Neukunden beträgt die erforderliche Summe 700 Euro.

Darüber hinaus ist die Prämie daran gekoppelt, dass sich Kunden „Tipps für Sie persönlich“ erteilen lassen.

1822direkt bietet 170 Euro

Bei der 1822direkt sind 170 Euro möglich. Das Girokonto muss nach den genannten Aktionsbedingungen bis zum 30. August 2026 beantragt und der Kontowechsel bis zum 14. September 2026 durchgeführt werden.

Bis zum Jahresende müssen außerdem mindestens zwei aufeinanderfolgende Geldeingänge von jeweils 700 Euro oder mehr nachgewiesen werden.

Prämien sind selten wirklich geschenktes Geld

Wer ohnehin seine Bank wechseln möchte, kann von den derzeitigen Angeboten durchaus profitieren. Entscheidend ist jedoch, nicht allein auf die Höhe des Wechselbonus zu schauen.

Eine einmalige Prämie von beispielsweise 200 oder 250 Euro kann schnell an Bedeutung verlieren, wenn das neue Konto dauerhaft hohe Gebühren verursacht. Auch Kosten für Giro- oder Kreditkarten, Bargeldabhebungen und Überweisungen sowie die Höhe des Dispozinses sollten vor einem Wechsel berücksichtigt werden.

Ebenso wichtig ist das Kleingedruckte. Bei vielen Angeboten muss das Konto über mehrere Monate tatsächlich als Haupt- oder Gehaltskonto genutzt werden. Teilweise ist außerdem eine Einwilligung in Werbung Voraussetzung für die Auszahlung.

Banken hoffen auf langfristige Geschäfte

Hinter den großzügigen Prämien steckt deshalb keine reine Großzügigkeit. Die Institute investieren zunächst Geld, weil sie darauf setzen, mit einem neuen Kunden über viele Jahre wesentlich mehr zu verdienen.

Dieser Trend zeigt sich inzwischen auch beim Tagesgeld. Besonders attraktive Neukundenzinsen werden teilweise mit der gleichzeitigen Eröffnung eines Girokontos verbunden. Als Beispiele werden Norisbank, ING, BBVA, Sparda-Bank Nürnberg und DKB genannt.

Für Verbraucher kann der derzeitige Wettbewerb trotzdem interessant sein. Wer ohnehin über einen Kontowechsel nachdenkt, die Bedingungen vollständig erfüllt und auch die langfristigen Kosten des neuen Kontos prüft, kann derzeit zusätzlich eine Prämie von bis zu 250 Euro mitnehmen.

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