Die Europäische Rundfunkunion (EBU) zieht Konsequenzen aus den anhaltenden politischen Kontroversen rund um den Eurovision Song Contest (ESC). Künftig dürfen Länder, die sich in einem bewaffneten Konflikt oder einer schwerwiegenden geopolitischen Krisensituation befinden, den Musikwettbewerb nicht mehr ausrichten – selbst dann nicht, wenn sie den ESC gewinnen.
Die neue Regel wurde am Mittwoch veröffentlicht und gilt bereits für kommende Austragungen. Danach verliert der siegreiche Sender automatisch das Recht, Gastgeber des Wettbewerbs zu werden, wenn ein bewaffneter Konflikt oder eine sicherheitsrelevante geopolitische Lage die Durchführung des ESC gefährden könnte. Zusätzlich kann die EBU eine unabhängige Sicherheitsbewertung veranlassen, bevor über den Austragungsort entschieden wird.
Reaktion auf Streit um Israel
Auslöser der Regeländerung dürfte vor allem die heftige Debatte um die Teilnahme Israels beim diesjährigen ESC in Wien gewesen sein. Mehrere Rundfunkanstalten und Künstler hatten angesichts des Krieges im Gazastreifen Kritik an einer Teilnahme Israels geäußert. Im Falle eines israelischen Sieges hätte das Land nach den bisherigen Regeln den ESC 2027 ausrichten dürfen – ein Szenario, das innerhalb der EBU für erhebliche Diskussionen sorgte.
Mit der Neuregelung schafft die EBU nun erstmals verbindliche Kriterien für den Austragungsort. Ziel sei es, die Sicherheit von Künstlern, Delegationen, Mitarbeitern und Besuchern zu gewährleisten sowie Planungssicherheit für den Wettbewerb zu schaffen.
Alternative Gastgeber vorgesehen
Kann das Siegerland den Wettbewerb wegen der Sicherheitslage nicht ausrichten, bestimmt die EBU einen anderen Mitgliedssender als Gastgeber. Anders als etwa 2023, als Großbritannien den ESC offiziell im Namen der Ukraine ausrichtete, soll der neue Gastgeber den Wettbewerb künftig eigenständig organisieren und nicht stellvertretend für das Siegerland.
Weitere Änderungen
Neben den neuen Sicherheitsregeln hat die EBU auch weitere Anpassungen beschlossen. So wird unter anderem das Mindestalter für Teilnehmer von 16 auf 18 Jahre angehoben. Die Änderungen sollen nach Angaben der Veranstalter den Wettbewerb transparenter machen und den Schutz der Künstler verbessern.