Wer bei sommerlichen Temperaturen bereits an Skijacken, Schlitten oder Winterreifen denkt, kann unter Umständen deutlich weniger bezahlen als Kunden, die erst dann einkaufen, wenn die Saison unmittelbar bevorsteht. Eine vom rbb aufgegriffene Auswertung des Preisvergleichsportals Idealo zeigt, dass insbesondere bei bestimmten Winterartikeln erhebliche saisonale Preisunterschiede auftreten können.
Das Prinzip dahinter klingt einfach: Kaufen, wenn die Nachfrage niedrig ist. Doch ganz so vorhersehbar funktioniert der Handel nicht. Wettbewerb, Lagerbestände, Modellwechsel und Rabattaktionen können dazu führen, dass ein Produkt ausgerechnet während seiner Hauptsaison günstiger angeboten wird.
Für Verbraucher bedeutet das: Antizyklisches Einkaufen kann Geld sparen – blind auf den Kalender verlassen sollte man sich jedoch nicht.
Skijacken im August deutlich günstiger
Besonders auffällig ist die Preisentwicklung bei Skibekleidung.
Nach der vom rbb dargestellten Idealo-Stichprobe waren Skijacken im August durchschnittlich 20 Prozent günstiger als im November. In absoluten Zahlen entsprach das einer durchschnittlichen Ersparnis von rund 23 Euro.
Bei Schlitten zeigte sich ein ähnliches, wenn auch etwas schwächeres Bild. Im August lagen deren Preise rund 16 Prozent unter dem Niveau des Januars. Verbraucher konnten durchschnittlich etwa neun Euro sparen.
Auch bei Skiern und Snowboard-Helmen ergaben sich saisonale Unterschiede. Hier waren die Effekte allerdings geringer: Im August lagen die Preise laut der Auswertung etwa neun Prozent unter denen im Dezember. Die durchschnittliche Ersparnis betrug rund acht Euro.
Die Zahlen sprechen zunächst für eine klare Strategie: Winterausrüstung kaufen, während andere noch im Freibad sitzen.
Doch die Statistik hat Grenzen.
Durchschnittspreise können täuschen
Die Verbraucherzentrale bestätigt laut rbb zwar grundsätzlich die Tendenz, dass antizyklisches Einkaufen bei Winterprodukten Einsparungen ermöglichen kann. Gleichzeitig warnt sie davor, Durchschnittswerte überzubewerten.
Denn aus einer Preisstatistik lässt sich beispielsweise nicht erkennen, ob im günstigen Monat tatsächlich das gesamte Sortiment billiger war oder lediglich einzelne Farben, Modelle und Größen reduziert angeboten wurden.
Das ist für Verbraucher ein wichtiger Unterschied.
Eine Skijacke kann statistisch im August besonders günstig sein. Wer jedoch eine bestimmte Größe, Marke oder Farbe sucht, findet möglicherweise im November das bessere Angebot.
Die Prozentangabe allein garantiert also noch kein persönliches Schnäppchen.
Winterreifen sind ein interessanter Sonderfall
Auch Autofahrer können von saisonalen Preisbewegungen profitieren.
Nach Angaben des ADAC, die der rbb wiedergibt, bleiben die Preise von Sommerreifen über das Jahr vergleichsweise konstant. Winterreifen können dagegen im Frühjahr und Sommer günstiger sein.
Das erscheint zunächst logisch: Sobald Temperaturen fallen und Autofahrer über den Reifenwechsel nachdenken, steigt die Nachfrage nach Winterreifen.
Sommerreifen entwickeln sich dagegen zunehmend zu einem Produkt mit weniger ausgeprägter Saisonabhängigkeit. In Regionen mit vergleichsweise milden Wintern werden sie länger genutzt, was nach der vom rbb wiedergegebenen ADAC-Einschätzung zu einer gleichmäßigeren Nachfrage beitragen kann.
Wer ohnehin weiß, dass vor dem kommenden Winter ein neuer Reifensatz benötigt wird, kann deshalb bereits Monate vorher Preise beobachten.
Aber manchmal funktioniert es genau andersherum
Die Regel „außerhalb der Saison ist es billiger“ hat allerdings einen entscheidenden Haken: Auch innerhalb der Saison können Preise besonders niedrig sein.
Der Grund ist der Wettbewerb.
Wenn viele Händler gleichzeitig dasselbe Produkt anbieten, versuchen sie möglicherweise, sich gegenseitig mit Sonderangeboten zu unterbieten. Die hohe Nachfrage trifft dann auf ein besonders großes Angebot.
Genau deshalb können beispielsweise Gartenmöbel im Winter günstig werden, weil Händler ihre Lager räumen wollen. Sie können aber ebenso im Sommer attraktive Preise erreichen, wenn viele Händler intensiv um Kunden konkurrieren.
Antizyklisches Einkaufen ist deshalb keine mathematische Gesetzmäßigkeit.
Der bessere Trick: Preise über Monate beobachten
Gerade bei größeren Anschaffungen dürfte eine andere Strategie erfolgversprechender sein: nicht auf einen bestimmten Monat wetten, sondern den Preis langfristig beobachten.
Wer beispielsweise weiß, dass in einem halben Jahr neue Winterreifen, Gartenmöbel oder Skiausrüstung benötigt werden, kann bereits frühzeitig Preisvergleichsportale nutzen.
Dadurch entsteht ein persönliches Gefühl dafür, was das gewünschte Produkt normalerweise kostet.
Das ist inzwischen besonders wichtig, weil klassische Saisonverkäufe zunehmend durch eine nahezu permanente Rabattlandschaft ersetzt werden. Mid-Season-Sale, Aktionswochen, Black Friday, Gutscheincodes und individuelle App-Angebote sorgen dafür, dass Händler praktisch das ganze Jahr über mit Preisnachlässen werben. Auch der rbb empfiehlt bei größeren Anschaffungen deshalb eine längerfristige Preisbeobachtung.
Wenn aus 30 Prozent Rabatt plötzlich kein Schnäppchen mehr wird
Besondere Vorsicht ist bei spektakulären Rabattangaben angebracht.
„30 Prozent reduziert“, „50 Prozent sparen“ oder ein durchgestrichener vermeintlicher Originalpreis wirken auf Verbraucher unmittelbar. Doch entscheidend ist nicht, wie groß die Prozentzahl auf dem Preisschild aussieht, sondern wie hoch der tatsächliche Marktpreis des Produkts zuvor war.
Der rbb weist in diesem Zusammenhang auf die gesetzlichen Vorgaben für Preisermäßigungen hin: Bei entsprechenden Rabattangaben muss grundsätzlich der niedrigste Preis angegeben werden, den der Händler innerhalb der vergangenen 30 Tage vor der Preisermäßigung verlangt hat.
Damit soll verhindert werden, dass Preise kurz vor einer Rabattaktion künstlich angehoben werden, um anschließend einen besonders spektakulären Nachlass präsentieren zu können.
Verbraucherschützer kritisieren „Preis-Schaukelei“
Trotz der gesetzlichen Regeln bleiben Rabattpraktiken ein Thema für Verbraucherschützer.
Kritisiert wird unter anderem eine sogenannte Preis-Schaukelei: Ein Preis wird verändert oder vorübergehend angehoben, anschließend erscheint ein Rabatt besonders attraktiv. Der tatsächliche wirtschaftliche Vorteil für den Käufer kann wesentlich kleiner sein, als die Werbung vermuten lässt.
Für Verbraucher ergibt sich daraus eine einfache Konsequenz: Der durchgestrichene Preis sollte niemals die einzige Vergleichsgröße sein.
Interessanter ist die Frage: Was kostet genau dieses Produkt heute bei anderen Händlern – und was hat es in den vergangenen Wochen gekostet?
20 Prozent Rabatt können weniger bedeuten als gedacht
Auch die absoluten Zahlen der Idealo-Auswertung zeigen, warum Prozentwerte allein wenig aussagen.
Bei Skijacken führte ein Preisunterschied von 20 Prozent zu einer durchschnittlichen Ersparnis von 23 Euro. Bei Skiern und Snowboard-Helmen waren es bei rund neun Prozent Preisunterschied im Durchschnitt etwa acht Euro.
Wer deshalb ein Produkt Monate früher kauft, sollte den finanziellen Vorteil gegen mögliche Nachteile abwägen.
Benötigt man den Artikel tatsächlich? Kann sich die gewünschte Größe noch ändern? Gibt es bis zur Saison möglicherweise ein neueres Modell? Und ist eine Ersparnis von acht oder neun Euro groß genug, um ein Produkt ein halbes Jahr früher zu kaufen und zu lagern?
Bei einer Skijacke für ein wachsendes Kind kann ein vermeintliches August-Schnäppchen beispielsweise wenig sinnvoll sein, wenn sie im Dezember nicht mehr passt.
Wann antizyklisches Einkaufen besonders sinnvoll ist
Am interessantesten ist die Strategie bei Produkten, deren Bedarf bereits sicher feststeht und die problemlos gelagert werden können.
Wer genau weiß, dass neue Winterreifen benötigt werden, kann bereits im Frühjahr oder Sommer Angebote vergleichen. Ähnliches gilt für langlebige Sportausrüstung oder saisonale Haushalts- und Gartenprodukte.
Weniger attraktiv ist die Strategie bei Produkten, bei denen sich Technik, persönliche Anforderungen oder Größen schnell verändern.
Hinzu kommt der Preis der eigenen Zeit: Wegen einer möglichen Ersparnis von acht Euro über Monate täglich Preise zu kontrollieren, wäre kaum wirtschaftlich.
Nicht der Sale entscheidet, sondern der Vergleich
Die wichtigste Erkenntnis aus den Preisbeispielen lautet deshalb nicht: Winterprodukte immer im Sommer kaufen.
Sie lautet vielmehr: Wer früh weiß, was er braucht, verschafft sich Zeit zum Vergleichen.
Und genau diese Zeit ist gegenüber spontanen Kaufentscheidungen ein erheblicher Vorteil.
Wer erst am ersten Schneetag feststellt, dass neue Winterreifen benötigt werden, besitzt kaum Verhandlungsspielraum. Wer bereits im Mai mit der Preisbeobachtung beginnt, kann ein attraktives Angebot abwarten.
Dasselbe Prinzip gilt weit über Saisonware hinaus.
Fazit: Der Kalender kann beim Sparen helfen – die Preishistorie ist wichtiger
Antizyklisches Einkaufen kann funktionieren. Die vom rbb dargestellten Zahlen zeigen bei mehreren Winterprodukten erkennbare Preisunterschiede zwischen den Monaten. Skijacken waren in der untersuchten Stichprobe im August beispielsweise 20 Prozent günstiger als im November, Schlitten 16 Prozent günstiger als im Januar.
Doch aus diesen Durchschnittswerten lässt sich keine Garantie für jedes Produkt ableiten.
Für Verbraucher ist deshalb eine Kombination am sinnvollsten: frühzeitig planen, Preise länger beobachten, mehrere Händler vergleichen und spektakuläre Rabattangaben kritisch hinterfragen.
Denn das beste Schnäppchen ist am Ende nicht zwangsläufig das Produkt mit dem größten roten Rabattaufkleber. Es ist das Produkt, das tatsächlich deutlich weniger kostet als sonst – und das man ohnehin gebraucht hätte.