Hand aufs Herz: Wer hätte vor dem Turnier gedacht, dass die Schweiz im Viertelfinale einer Weltmeisterschaft steht? Und dann auch noch nach einem Elfmeterschießen, das wirklich nichts für schwache Nerven war. Gegen Kolumbien lieferten sich die Eidgenossen über 120 Minuten einen echten Fußball-Krimi – mit allem, was dazugehört: Chancen, Spannung, Dramatik und am Ende den ganz großen Jubel.
Schon während der regulären Spielzeit war klar, dass sich hier zwei Mannschaften auf Augenhöhe gegenüberstanden. Keiner wollte den entscheidenden Fehler machen, beide suchten aber immer wieder den Weg nach vorne. Es war eines dieser Spiele, bei denen man als Zuschauer kaum dazu kam, einmal tief durchzuatmen.
In der Verlängerung hatte ich ehrlich gesagt das Gefühl, dass Kolumbien dem Sieg etwas näher war. Erst köpfte Lucumí den Ball an die Latte, kurz darauf bekam Campaz nach einem Patzer von Granit Xhaka die Riesenchance zum goldenen Tor. Doch genau in solchen Momenten zeigt sich, warum Fußball manchmal einfach verrückt ist: Wenn man seine Chancen nicht nutzt, wird man am Ende oft bestraft.
Dann kam das Elfmeterschießen – die größte Nervenprobe im Fußball. Der erste Schock für Kolumbien ließ nicht lange auf sich warten. Sánchez traf nur die Unterkante der Latte. Zentimeter entschieden darüber, ob der Ball ins Tor oder wieder heraus springt. Bitterer geht es kaum.
Kurz keimte noch einmal Hoffnung auf, als Manuel Akanji seinen Elfmeter vergab. Plötzlich war Kolumbien wieder zurück im Rennen. Doch dann war da Gregor Kobel. Der Schweizer Torhüter zeigte einmal mehr, warum er zu den besten seines Fach gehört, und parierte den Versuch von Cucho Hernández. In diesem Moment hatte ich das Gefühl: Jetzt lassen sich die Schweizer das nicht mehr nehmen.
Und dann kam Rubén Vargas. Fünfter Schütze. Maximale Verantwortung. Maximale Anspannung. Doch Vargas blieb eiskalt und verwandelte sicher zum entscheidenden Treffer. Danach gab es kein Halten mehr. Spieler, Trainer und Fans feierten ausgelassen den größten WM-Erfolg der Schweiz seit Jahrzehnten.
Was mich an dieser Mannschaft besonders beeindruckt, ist ihre Ruhe. Die Schweizer spielen vielleicht nicht immer den spektakulärsten Fußball, aber sie geben niemals auf. Sie verteidigen diszipliniert, kämpfen bis zum Schluss und glauben immer an ihre Chance. Genau das macht sie in diesem Turnier so gefährlich.
Und jetzt wartet Argentinien. Ja, genau die Mannschaft, die sich wenige Stunden zuvor nach einem unglaublichen Comeback gegen Ägypten noch ins Viertelfinale gerettet hat. Auf dem Papier ist Messi mit seinem Team natürlich Favorit. Aber nach diesem Turnier weiß jeder: Favoritenrollen gewinnen keine Spiele.
Mein Tipp? Die Schweiz fährt mit einer riesigen Portion Selbstvertrauen ins Viertelfinale. Wer einen solchen Krimi übersteht, wächst als Mannschaft zusammen. Argentinien sollte die Eidgenossen auf keinen Fall unterschätzen – sonst könnte die nächste große Überraschung bereits vor der Tür stehen.