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Trotz massiver Kirchenaustritte: Kirchensteuer-Einnahmen steigen überraschend weiter

Paul_Henri (CC0), Pixabay

Auf den ersten Blick wirkt es wie ein Widerspruch: Jahr für Jahr treten Hunderttausende Menschen aus der Kirche aus, dennoch steigen die Einnahmen aus der Kirchensteuer weiter. Die aktuellen Zahlen für das Jahr 2025 bestätigen diesen Trend erneut. Die katholische Kirche in Deutschland nahm 6,75 Milliarden Euro an Kirchensteuern ein. Das sind rund 123 Millionen Euro beziehungsweise 1,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) verzeichnete steigende Einnahmen und kam auf rund 6,09 Milliarden Euro. Damit flossen den beiden großen Kirchen zusammen mehr als 12,8 Milliarden Euro aus der Kirchensteuer zu.

Die Entwicklung überrascht, denn gleichzeitig verlieren beide Kirchen weiterhin viele Mitglieder. Jedes Jahr verlassen mehrere Hunderttausend Menschen die katholische oder evangelische Kirche – sei es durch einen Kirchenaustritt oder aufgrund der demografischen Entwicklung. Die Zahl der Kirchenmitglieder sinkt damit kontinuierlich. Dennoch reicht dieser Rückgang bislang nicht aus, um die Einnahmen aus der Kirchensteuer spürbar einbrechen zu lassen.

Der wichtigste Grund dafür liegt in der wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands. Die Kirchensteuer wird nicht als fester Betrag erhoben, sondern ist direkt an die Lohn- und Einkommensteuer gekoppelt. Wer mehr verdient, zahlt automatisch auch mehr Kirchensteuer. In den vergangenen Jahren sorgten steigende Tariflöhne, höhere Gehälter, eine vergleichsweise stabile Beschäftigungslage sowie zusätzliche Einnahmen aus Kapitalerträgen und Börsengewinnen dafür, dass das Steueraufkommen insgesamt zunahm. Davon profitierten auch die Kirchen.

Experten weisen allerdings darauf hin, dass die steigenden Einnahmen nicht automatisch eine bessere finanzielle Lage bedeuten. Die allgemeine Inflation hat in den vergangenen Jahren auch die Kirchen getroffen. Höhere Energiekosten, steigende Baupreise, höhere Personalkosten sowie teurere Dienstleistungen belasten die Haushalte der Bistümer und Landeskirchen erheblich. Inflationsbereinigt verfügen die Kirchen deshalb bereits heute über weniger finanzielle Mittel als noch vor einigen Jahren.

Die Kirchensteuer ist nach wie vor die wichtigste Einnahmequelle der beiden großen Kirchen in Deutschland. Mit ihr finanzieren sie einen Großteil ihrer gesellschaftlichen und sozialen Aufgaben. Dazu gehören Gottesdienste und Seelsorge ebenso wie der Betrieb von Kindergärten, Schulen, Krankenhäusern, Beratungsstellen, Pflegeeinrichtungen und zahlreichen sozialen Hilfsangeboten. Auch die Ausbildung von Geistlichen, der Erhalt historischer Kirchengebäude sowie kulturelle Projekte werden in erheblichem Umfang aus Kirchensteuern finanziert.

Erhoben wird die Kirchensteuer durch die staatlichen Finanzämter. Die Länder ziehen die Steuer gemeinsam mit der Einkommensteuer ein und leiten sie anschließend an die Kirchen weiter. Für diese Dienstleistung erhalten die Bundesländer eine Verwaltungsgebühr von rund drei Prozent des Steueraufkommens. In Bayern und Baden-Württemberg beträgt die Kirchensteuer acht Prozent der Einkommensteuer, in den übrigen Bundesländern liegt sie bei neun Prozent.

Trotz der derzeit stabilen Einnahmen rechnen Finanzexperten und Kirchenvertreter in den kommenden Jahren mit einem deutlichen Rückgang. Ein wesentlicher Grund ist der Eintritt der geburtenstarken Babyboomer-Generation in den Ruhestand. Mit dem Ende des Berufslebens sinken häufig die steuerpflichtigen Einkommen und damit auch die Einnahmen aus der Kirchensteuer. Gleichzeitig setzt sich der Mitgliederschwund voraussichtlich fort. Immer weniger junge Menschen treten in die Kirchen ein, während weiterhin viele Mitglieder ihren Austritt erklären.

Die Kirchen haben sich auf diese Entwicklung bereits eingestellt. In vielen Bistümern und Landeskirchen laufen umfangreiche Sparprogramme. Verwaltungsstrukturen werden zusammengelegt, Pfarreien fusionieren, Gebäude werden verkauft oder anderweitig genutzt und Investitionen sorgfältiger geplant. Ziel ist es, die kirchliche Arbeit trotz sinkender Einnahmen langfristig finanzieren zu können.

Dennoch betonen Vertreter beider Kirchen, dass die Kirchensteuer auch künftig eine tragende Rolle spielen werde. Sie ermögliche nicht nur die religiöse Arbeit, sondern finanziere auch zahlreiche soziale Angebote, von denen viele Menschen unabhängig von ihrer Konfession profitieren. Gleichzeitig wächst jedoch der Druck, die vorhandenen Mittel effizient einzusetzen und die kirchlichen Strukturen an die veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen anzupassen.

Die aktuellen Zahlen zeigen deshalb ein vielschichtiges Bild: Während die Kirchen kurzfristig noch von einer stabilen Wirtschaftslage profitieren, deuten die langfristigen Entwicklungen auf sinkende Einnahmen hin. Der anhaltende Mitgliederschwund, der demografische Wandel und steigende Kosten werden die Kirchen in den kommenden Jahren vor große finanzielle Herausforderungen stellen. Das Einnahmeplus des Jahres 2025 dürfte daher eher eine Momentaufnahme sein als ein dauerhaft anhaltender Trend.

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  1. Der Satz „Inflationsbereinigt verfügen die Kirchen deshalb bereits heute über weniger finanzielle Mittel als noch vor einigen Jahren.“ stellt nur den einen Aspekt dar, denn inflationsbereinigt sind auch die heutigen Kosten geringer als noch vor einigen Jahren. Wer die Einnahmen inflationsbereinigt, muss dies bei den Ausgaben auch tun. Außerdem prophezeihen wir auf unserer Website unsere-kirche-2030.de seit Jahren, dass die Kirchensteuer tendenziell NICHT sinkt und dass dies auch NICHT an der Demografie und den Babyboomern liegt. Siehe diese etwas detailliertere These „Die Kirchensteuer bricht gar nicht ein“ hier: https://unsere-kirche-2030.de/ab-wann-bricht-die-kirchensteuer-ein . Es liegt allein an den Mitgliederzahlen der Kirchen: wenn sie diese nahezu halten können, wird die Kirchensteuer tendenziell weiter steigen.

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