Fußball kann manchmal herrlich ungerecht sein. Frag heute mal in Abidjan nach. Die Elfenbeinküste spielte über weite Strecken den reiferen, mutigeren und spielerisch besseren Fußball – und steht am Ende trotzdem mit leeren Händen da. Norwegen dagegen macht das, was große Turniermannschaften eben auszeichnet: Sie nutzen ihre Momente. Und wenn man dann auch noch Erling Haaland in den eigenen Reihen hat, reicht manchmal genau einer davon.
Die Ivorer legten los wie die Feuerwehr, kombinierten gefällig und machten ordentlich Druck. Eigentlich schien alles nach einem afrikanischen Führungstreffer zu riechen. Doch wie so oft bei Weltmeisterschaften gilt: Wer seine Chancen liegen lässt, wird irgendwann bestraft. Antonio Nusa dachte sich kurz vor der Pause offenbar: „Dann mache ich das eben selbst.“ Sein traumhafter Treffer zum 1:0 war ein echter Wirkungstreffer – nicht nur für die Elfenbeinküste, sondern auch für den gesamten Spielverlauf.
Nach dem Seitenwechsel blieb das Bild zunächst unverändert. Die Westafrikaner spielten weiter nach vorne, Norwegen verteidigte diszipliniert und hoffte auf Konter. Irgendwann musste sich die Elfenbeinküste einfach belohnen – und das tat sie. Der eingewechselte Diallo sorgte mit dem hochverdienten Ausgleich dafür, dass die Partie wieder völlig offen war. Jetzt schien alles auf eine Verlängerung hinauszulaufen.
Doch dann schlug die Stunde des Mannes, der für genau solche Momente geboren wurde.
Erling Haaland brauchte nicht viele Chancen. Eigentlich braucht er nie viele Chancen. Wenn andere Stürmer erst einmal warm werden müssen, hat Haaland den Ball meist schon im Netz untergebracht. Mit seinem Siegtreffer ließ er den norwegischen Anhang jubeln und die ivorischen Hoffnungen in sich zusammenfallen.
Und dann wäre da noch dieser Moment, über den vermutlich noch lange diskutiert werden dürfte. Beim Stand von 1:1 wurde Nicolas Pépé im Strafraum nach einem Tritt von Sander Berge gegen die Sohle zu Fall gebracht. Die Elfenbeinküste forderte Elfmeter – der Schiedsrichter jedoch nicht einmal einen zweiten Blick. VAR? Offenbar gerade Kaffeepause. Ob der Strafstoß gepfiffen werden musste, darüber werden Experten noch streiten. Dass sich die Ivorer benachteiligt fühlen, dürfte allerdings niemanden überraschen.
Am Ende bleibt ein bitteres Fazit für die Elfenbeinküste. Die bessere Mannschaft war nicht automatisch die erfolgreichere. Das ist brutal, aber genau deshalb lieben und hassen wir den Fußball zugleich. Norwegen dagegen fragt nach Schönheit heute garantiert niemand. Dort zählt nur eines: Das Ticket fürs Achtelfinale.
Und dort wartet mit Brasilien nun eine ganz andere Hausnummer. Spätestens gegen die Seleção wird es nicht reichen, sich nur auf die Effizienz von Haaland zu verlassen. Gegen Vinícius, Martinelli und Co. braucht Norwegen vermutlich sein bislang bestes Turnierspiel.
Aber wer einen Stürmer wie Erling Haaland vorne drin hat, der darf eben von allem träumen. Selbst vom ganz großen Wurf.