Die weltberühmten Pyramiden von Gizeh gelten seit Jahrtausenden als Symbol für Beständigkeit und architektonische Meisterleistung. Doch neue wissenschaftliche Untersuchungen zeigen nun, dass die monumentalen Bauwerke stärker gefährdet sein könnten als bislang angenommen. Ursache sind Salzablagerungen im Inneren der Cheops-Pyramide, die das Gestein langsam angreifen.
Forscher aus Ägypten und von der Technische Universität München untersuchten die Wände der Königs- und Königinnenkammer genauer, um Herkunft und Zusammensetzung der Salzausblühungen zu analysieren.
Kochsalz greift das Gestein an
Die Wissenschaftler nutzten dabei moderne, nicht-invasive Röntgenfluoreszenztechnik, um das UNESCO-Weltkulturerbe möglichst schonend zu untersuchen. Das Ergebnis: Bei den Ablagerungen handelt es sich überwiegend um Natriumchlorid – also gewöhnliches Kochsalz.
Nach Einschätzung des Baustoffchemikers Michael Steiger von der Universität Hamburg könnte dies erhebliche Folgen für die jahrtausendealten Steinoberflächen haben. Er war selbst nicht an der Studie beteiligt, warnt jedoch vor langfristigen Schäden.
Demnach könnten die Originaloberflächen der Pyramiden innerhalb von Jahren bis Jahrzehnten zunehmend zerstört werden.
Luftfeuchtigkeit verstärkt das Problem
Besonders problematisch ist laut Experten die hygroskopische Eigenschaft vieler Salze. Das bedeutet: Sie reagieren empfindlich auf Veränderungen der Luftfeuchtigkeit.
Bei trockener Luft kristallisieren die Salze aus. Steigt die Feuchtigkeit, nehmen sie Wasser aus der Umgebung auf und lösen sich teilweise wieder auf. Dieser ständige Wechsel zwischen Kristallisation und Lösung setzt das Gestein unter Druck und kann langfristig zu Rissen, Abplatzungen und Materialverlust führen.
Gerade in historischen Bauwerken gilt dieser Prozess als ernsthafte Gefahr für empfindliche Oberflächen.
Tourismus und Klima als mögliche Einflussfaktoren
Fachleute diskutieren seit Jahren darüber, welchen Einfluss Besucherströme, Klimaveränderungen und veränderte Luftbedingungen auf antike Bauwerke haben könnten.
Die Cheops-Pyramide wird jedes Jahr von Millionen Touristen besucht. Schon geringe Veränderungen von Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Inneren könnten langfristig Auswirkungen auf das empfindliche Gleichgewicht der Baumaterialien haben.
Auch Umweltfaktoren wie steigende Temperaturen oder veränderte Feuchtigkeitswerte könnten die Prozesse zusätzlich beschleunigen.
Weltkulturerbe vor großen Herausforderungen
Die Pyramiden von Gizeh gehören zu den bedeutendsten Kulturdenkmälern der Menschheitsgeschichte und zählen zu den letzten erhaltenen antiken Weltwundern.
Die neuen Erkenntnisse zeigen jedoch, wie verletzlich selbst scheinbar unvergängliche Monumente sein können. Für Denkmalpfleger und Wissenschaftler dürfte die Studie deshalb große Bedeutung haben. Künftig könnten verstärkte Schutzmaßnahmen und eine noch genauere Überwachung des Raumklimas notwendig werden, um die jahrtausendealten Bauwerke langfristig zu erhalten.