Dark Mode Light Mode

MIDAS Global Growth 2025: Solide Substanz, aber Rendite noch kein Beweis für Überlegenheit

geralt (CC0), Pixabay

Aus Anlegersicht zeigt der Jahresbericht des MIDAS Global Growth R ein gemischtes Bild: Der Fonds ist 2025 zwar gewachsen und hat ein positives Ergebnis erzielt, doch die Wertentwicklung von nur +3,41 % wirkt für einen Fonds mit klarem Wachstumsanspruch eher verhalten. Positiv ist, dass das Management in einem schwierigen Marktumfeld vorsichtig agiert und das Vermögen breit gestreut hat. Kritisch ist jedoch, dass die Kosten relativ hoch sind, die Strategie stellenweise uneinheitlich wirkt und das Chance-Risiko-Profil nicht in allen Teilen zu einem klassischen „Global-Growth“-Produkt passt.

Der Fonds verfolgt offiziell ein langfristiges Wachstumsziel durch globale Diversifikation, Wachstumsunternehmen, Sektor-ETFs und Beimischungen von Edelmetallzertifikaten. Tatsächlich besteht das Portfolio zum Stichtag aber vor allem aus Aktien (rund 70 %), ergänzt um Anleihen (15,1 %), Zertifikate auf Gold (3,2 %), Investmentfonds (4,8 %) und Liquidität (6,7 %). Das ist grundsätzlich robust, aber nicht rein wachstumsorientiert, sondern eher ein Mischansatz aus Growth, Value, Rohstoffen, Spezialanleihen und taktischer Absicherung. Für Anleger ist das wichtig: Wer einen klar fokussierten globalen Wachstumsfonds sucht, bekommt hier eher ein aktiv gemanagtes Multi-Asset-Aktienprodukt mit opportunistischen Beimischungen.

Die Bestandsstruktur zeigt diese Mischlogik deutlich. Auf der Aktienseite finden sich große internationale Wachstumswerte wie Alphabet, Microsoft, NVIDIA, Broadcom, CrowdStrike, Dell, Tempus AI oder Alibaba, aber daneben auch eher defensivere oder zyklische Titel wie Allianz, Deutsche Börse, British American Tobacco, BP, OMV, Equinor oder Fresenius Medical Care. Das kann stabilisieren, verwässert aber auch das Profil. Positiv ist, dass keine Einzelposition dominant groß ist; die größten Positionen liegen grob zwischen 2 und 3,2 % des Fondsvermögens. Das reduziert Klumpenrisiken. Gleichzeitig fehlt dadurch aber auch die Hebelwirkung, falls zentrale Wachstumstitel sehr stark laufen.

Aus Renditesicht war das Jahr ordentlich, aber nicht überzeugend. Der Fonds erzielte einen Jahresüberschuss von 188.520 Euro, davon kam ein großer Teil aus realisierten Gewinnen von 504.440 Euro, während die nicht realisierten Ergebnisse mit -343.528 Euro klar belasteten. Das bedeutet: Das Management hat Gewinne tatsächlich mitgenommen, aber viele noch gehaltene Positionen standen bilanziell unter Druck oder haben bis zum Stichtag nicht genügend Wert aufgebaut. Für Anleger ist das ein Warnsignal insofern, als die ausgewiesene Jahresrendite nicht auf breiter, durchgehend starker Portfolioperformance beruht, sondern stark durch Verkäufe gestützt wurde.

Positiv fällt auf, dass der Fonds in den letzten Jahren deutlich an Volumen gewonnen hat. Das Fondsvermögen stieg von 3,49 Mio. Euro auf 5,42 Mio. Euro, also stark an. Dieser Zuwachs resultierte jedoch hauptsächlich aus Netto-Mittelzuflüssen von rund 1,80 Mio. Euro und nicht nur aus Wertsteigerung. Das zeigt einerseits Vertrauen der Anleger. Andererseits ist damit noch nicht bewiesen, dass das Produkt seine Attraktivität primär durch Performance verdient. Für bestehende Investoren ist daher entscheidend, ob das höhere Volumen künftig zu besserer Stabilität und professionellerem Portfoliobau führt.

Ein kritischer Punkt sind die Kosten. Die TER von 2,06 % ist für einen Publikumsfonds hoch, insbesondere wenn die Jahresrendite nur 3,41 % beträgt. Dazu kommt eine performanceabhängige Vergütung von 0,15 %. In einem Jahr mit eher mäßiger absoluter Wertentwicklung ist eine solche Kostenbasis für Anleger schwer attraktiv. Hohe laufende Kosten erhöhen die Hürde, um langfristig gegenüber günstigen globalen ETFs oder aktiven Vergleichsprodukten einen Mehrwert zu schaffen. Der Fonds muss also künftig nicht nur positiv abschneiden, sondern deutlich besser, um seine Gebühren zu rechtfertigen.

Auch die Anleiheseite verdient Aufmerksamkeit. Dort finden sich teils hochverzinsliche und risikoreichere Titel wie etwa Tullow Oil, Air Baltic, Deutsche Rohstoff oder strukturierte Papiere wie Opus-Charter. Solche Papiere können den Ertrag steigern, erhöhen aber Kredit- und Liquiditätsrisiken. Das passt nur bedingt zu einem Produkt, das sich an Anleger richtet, die über globale Wachstumstrends investieren wollen. Dass zusätzlich eine USD-Kreditaufnahme von rund 293.244 Euro besteht, verschärft die Komplexität noch. Zwar ist das in Relation zum Fondsvermögen nicht extrem, aber es zeigt: Der Fonds arbeitet nicht völlig konservativ, sondern nutzt taktische Mittel, die Anleger verstehen sollten.

Beim Thema Risiko ist der Bericht insgesamt transparent. Genannt werden Marktpreis-, Ziel-fonds-, Zins-, Adressenausfall-, Währungs-, Liquiditäts- und operationelle Risiken. Besonders relevant aus Investorensicht sind hier drei Punkte: Erstens die hohe Aktienquote, die den Fonds anfällig für Rückschläge an den globalen Börsen macht. Zweitens die Währungsrisiken, da viele Titel in USD, CAD, JPY, HKD, NOK oder GBP notieren. Drittens die geopolitische und makroökonomische Unsicherheit, die im Bericht selbst betont wird. Das Management verweist ausdrücklich auf hohe Staatsverschuldung, Inflationstendenzen, geopolitische Krisen und handelspolitische Risiken. Die vorsichtige Haltung des Managements ist daher nachvollziehbar, gleichzeitig erklärt sie aber auch einen Teil der nur begrenzten Rendite.

Ein weiteres Manko aus heutiger Investorensicht ist die fehlende Nachhaltigkeitsintegration. Der Fonds ist ausdrücklich als Artikel-6-Produkt klassifiziert; Nachhaltigkeitsrisiken wurden bei den Investitionsentscheidungen nicht berücksichtigt. Das ist nicht automatisch schlecht für die Rendite, kann aber für viele Anleger den Investorenkreis einschränken und macht den Fonds weniger zukunftsorientiert im Vertrieb.

Auf der positiven Seite stehen die breite Streuung, die erkennbare aktive Steuerung und die Tatsache, dass der Fonds seit 2022 beim Anteilwert von 91,41 Euro auf 152,63 Euro gestiegen ist. Das ist über mehrere Jahre betrachtet beachtlich. Allerdings war die Ausgangsbasis niedrig, und der aktuelle Bericht zeigt eben auch, dass die Entwicklung nicht linear verläuft. Wer investiert, sollte also keine gleichmäßige Wachstumsstory erwarten, sondern ein aktiv geführtes, teils opportunistisches Portfolio mit Schwankungen.

Fazit aus Anlegersicht:
Der MIDAS Global Growth R ist kein schlechter Fonds, aber auch kein klarer Selbstläufer. Er bietet eine interessante, aktiv gemanagte Mischung aus globalen Aktien, Gold, Spezialanleihen und ausgewählten Fonds. Das kann in unsicheren Marktphasen stabilisierend wirken. Gleichzeitig ist die Rendite 2025 für einen Wachstumsfonds eher dürftig, die Kostenquote hoch und die Strategie stilistisch etwas unscharf. Für Anleger mit Vertrauen in aktives Management und Bereitschaft, ein komplexeres Mischprofil zu akzeptieren, kann der Fonds eine Beimischung sein. Für kostenbewusste Investoren oder für Anleger, die eine klar definierte globale Growth-Strategie suchen, wirkt das Produkt derzeit nur eingeschränkt überzeugend.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

Mehr als 1,2 Millionen Dollar eingesammelt: Crowdfunding treibt Technologie-Start-up voran

Next Post

Insolvenzantrag der Küchenkommission Berlin Holding GmbH mangels Masse abgewiesen