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AVBV 2020: Solider Mischfonds mit guter Jahresrendite, aber klaren Aktien- und Managementrisiken

geralt (CC0), Pixabay

Aus Anlegersicht zeigt der Jahresbericht 2025 für den AVBV 2020 ein insgesamt positives, aber nicht risikofreies Bild. Der Fonds hat im Geschäftsjahr bis zum 30.11.2025 eine Wertsteigerung von 8,54 % erzielt und das Fondsvermögen auf 26,95 Mio. EUR erhöht. Damit war 2025 ein gutes Jahr für den Fonds. Positiv ist vor allem, dass die Performance trotz eines anspruchsvollen Marktumfelds mit geopolitischen Unsicherheiten, Zinsrisiken und schwankungsanfälligen Aktienmärkten erreicht wurde.

Inhaltlich fällt auf, dass der Fonds seinem flexiblen Mischfonds-Ansatz tatsächlich gerecht wird. Die Allokation wurde im Jahresverlauf aktiv verändert: Der Aktienanteil wurde deutlich von 31,57 % auf 40,65 % erhöht, während der Rentenanteil von 51,50 % auf 43,26 % sank. Das spricht für ein aktives Management, das die Marktchancen stärker in Aktien gesehen hat. Rückblickend war diese Entscheidung erfolgreich, denn sie dürfte maßgeblich zur positiven Jahresrendite beigetragen haben.

Für Anleger ist die Struktur des Portfolios grundsätzlich attraktiv, weil sie auf Diversifikation setzt. Der Fonds investiert breit über Aktien, Anleihen und Investmentfonds. Die Aktienseite ist stark europäisch geprägt, enthält aber viele qualitativ gute und marktstarke Namen wie ASML, SAP, Siemens, Allianz, LVMH, Safran, Iberdrola oder Santander. Dazu kommen auf der Rentenseite überwiegend Anleihen solider Emittenten, Banken, gedeckte Schuldverschreibungen und staatsnahe Emissionen. Diese Mischung reduziert Klumpenrisiken gegenüber einem reinen Aktienfonds.

Ebenfalls positiv ist die Kostenstruktur. Mit einer Total Expense Ratio von 0,54 % ist der Fonds für einen aktiv gemanagten Mischfonds vergleichsweise günstig. Das ist aus Anlegersicht ein echter Pluspunkt, weil niedrige laufende Kosten langfristig die Nettorendite stützen. Auch die Transaktionskosten von rund 41 Tsd. EUR wirken im Verhältnis zum Gesamtvolumen nicht aus dem Ruder gelaufen, auch wenn das Handelsvolumen mit über 46,5 Mio. EUR relativ hoch war. Das deutet auf ein aktives Umschichten hin.

Ein weiterer positiver Punkt: Der Fonds hat in den letzten Jahren eine kontinuierliche Steigerung des Anteilwertes gezeigt. Der Anteilwert stieg von 63,98 EUR (2022) über 65,18 EUR (2023) und 70,62 EUR (2024) auf nun 74,57 EUR (2025). Das spricht zumindest auf Sicht mehrerer Jahre für eine stabile Aufwärtsentwicklung. Hinzu kommt eine Ausschüttung von 1,00 EUR je Anteil, was den Fonds auch für Anleger interessant machen kann, die laufende Erträge schätzen.

Trotzdem gibt es aus Investorensicht mehrere Punkte, die kritisch zu würdigen sind.

Erstens ist die gute Jahresperformance nicht primär aus realisierten Gewinnen entstanden, sondern stark durch nicht realisierte Wertzuwächse. Das realisierte Ergebnis des Geschäftsjahres lag nur bei 434.642 EUR, während das nicht realisierte Ergebnis 1,71 Mio. EUR betrug. Das bedeutet: Ein großer Teil des Jahreserfolgs beruht auf Bewertungsgewinnen im Bestand. Diese sind erfreulich, aber auch weniger belastbar, da sie sich bei Marktumkehr wieder abbauen können.

Zweitens zeigt der Bericht, dass das Ergebnis aus Veräußerungsgeschäften negativ war: -64.489 EUR. Zwar wurden hohe Gewinne realisiert, diesen standen aber noch höhere Verluste gegenüber. Das deutet darauf hin, dass das Management zwar Chancen genutzt, aber auch Fehleinschätzungen oder ungünstige Timing-Entscheidungen hatte. Für einen aktiven Fonds ist das nicht ungewöhnlich, aber Anleger sollten daraus ableiten, dass die Wertentwicklung stark von der Qualität des Managements abhängt.

Drittens ist die aktuelle Portfolioausrichtung deutlich offensiver geworden. Ein Aktienanteil von gut 40 % ist für einen Mischfonds nicht extrem hoch, aber spürbar genug, um die Schwankungen zu erhöhen. Dazu kommen Fondsbeteiligungen, von denen ein großer Teil wiederum aus hauseigenen Aramea-Fonds besteht. Das kann effizient sein, erhöht aber die Abhängigkeit von der Managementphilosophie derselben Gruppe. Kritisch betrachtet entsteht damit ein gewisser „Konzern-intern gesteuerter“ Bausteincharakter. Anleger sollten das nicht automatisch negativ sehen, aber es verringert die externe Diversifikation auf Manager-Ebene.

Viertens ist die Liquiditätsdarstellung auffällig. In der Übersicht erscheinen Bankguthaben negativ, was sich durch die gleichzeitig bestehende Kreditaufnahme von rund 194.000 EUR erklärt. Das ist gemessen am Fondsvolumen zwar klein, zeigt aber, dass der Fonds zeitweise mit Fremdmitteln arbeitet. Das ist kein Alarmsignal, aber für konservative Anleger erwähnenswert, weil Mischfonds häufig als eher vorsichtige Produkte wahrgenommen werden.

Auch beim Risiko ist der Fonds keineswegs defensiv im engeren Sinne. Der Bericht nennt ausdrücklich Marktpreis-, Zins-, Währungs-, Liquiditäts- und Adressenausfallrisiken. Hinzu kommen Derivate, die zwar nur in kleinem Umfang eingesetzt wurden, aber dennoch zur Steuerung und auch für Zusatzerträge verwendet werden können. Das ausgewiesene Value-at-Risk von 2,72 % für 10 Tage bei 99 % Konfidenz wirkt zwar kontrollierbar, ändert aber nichts daran, dass der Fonds spürbar von Marktbewegungen abhängig bleibt.

Ein weiterer Punkt ist die Nachhaltigkeitsperspektive. Der Fonds berücksichtigt laut Bericht keine Nachhaltigkeitsrisiken in den Investitionsentscheidungen und ist als Artikel-6-Produkt eingeordnet. Für rein renditeorientierte Anleger ist das nicht zwingend ein Nachteil. Für Investoren mit ESG-Fokus ist es jedoch klar ein Ausschlusskriterium.

Unterm Strich macht der AVBV 2020 aus Anlegersicht einen soliden Eindruck als aktiv gemanagter, flexibel gesteuerter Mischfonds mit guter Performance und niedrigen laufenden Kosten. Besonders überzeugt die breite Streuung und die Fähigkeit, die Aktienquote im richtigen Moment erhöht zu haben. Weniger überzeugend ist, dass die Wertentwicklung stark auf unrealisierte Gewinne gestützt ist und die aktive Steuerung naturgemäß Managementrisiken mit sich bringt. Dazu kommt, dass der Fonds keineswegs konservativ im klassischen Sinn ist, sondern ein chancenorientierter Mischfonds mit deutlicher Aktien- und Marktpreisabhängigkeit.

Fazit für Anleger:
Der Fonds eignet sich eher für Anleger, die eine aktiv gemanagte Vermögensverwaltung in Fondsform suchen und dafür bereit sind, mittlere Schwankungen zu akzeptieren. Für sehr sicherheitsorientierte Anleger ist er nur eingeschränkt passend. Für Anleger mit mittel- bis langfristigem Horizont, die eine Mischung aus Ertrag, Ausschüttung und Kapitalwachstum suchen, wirkt der Fonds dagegen insgesamt attraktiv, aber beobachtungsbedürftig — vor allem mit Blick darauf, ob das Management die gute Aktienpositionierung auch in einem schwierigeren Börsenumfeld halten kann.

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