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ÖKOBASIS One World Protect: Defensiver Nachhaltigkeits-Mischfonds mit konsequentem Risikomanagement – aber Kosten- und Modellrisiken im Seitwärtsmarkt
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ÖKOBASIS One World Protect: Defensiver Nachhaltigkeits-Mischfonds mit konsequentem Risikomanagement – aber Kosten- und Modellrisiken im Seitwärtsmarkt

geralt (CC0), Pixabay

1) Anlegerfazit in einem Satz

Der Fonds ÖKOBASIS One World Protect liefert ein nachvollziehbares „Protect“-Konzept (Aktienquote aktiv runter bei Stress, hoch bei Erholung) und bleibt nachhaltig ausgerichtet, hat im Berichtsjahr jedoch negativ performt und trägt spürbare laufende Kosten sowie typische Trendfolger-Risiken – für Anleger eher als Baustein für defensiv-nachhaltige Aktien-/Anleihenmischung, nicht als Renditeturbo.

2) Performance & Einordnung des Berichtsjahres (01.11.2024–31.10.2025)

Anteilwertentwicklung: -4,78% (R) und -4,21% (S) im Berichtszeitraum (BVI-Methode).

Der Fonds hat die Aktienquote im Jahresverlauf mehrfach deutlich reduziert (bis auf ~44% Anfang April 2025) und später wieder erhöht (~56% im Mai; ~55% zum Oktober-Reset).

Aus Anlegersicht signalisiert das: Risikoreduktion hat Drawdowns begrenzt, aber die dynamische Steuerung kann in Phasen schneller Trendwechsel auch Performance kosten.

Wichtig: Ohne im Bericht ausgewiesene Benchmark-Performance lässt sich nicht abschließend beurteilen, ob die Strategie „relativ“ gut oder schlecht war – die Benchmark-Zusammensetzung ist aber klar benannt (70% MSCI World Momentum + 30% Euro-Govt-Index, mit Indexwechsel im Dezember).

3) Strategiequalität: Was wirkt überzeugend – und wo liegen die Fallstricke?

Überzeugend (für Defensive-Anleger):

Klares Zielbild: Drawdowns in fallenden Märkten reduzieren und in Aufwärtsphasen partizipieren.

Systematisches Risikomanagement: Aktienquote wird über Signale (Vergleich Aktienentwicklung vs. deutsche Staatsanleihen) prozyklisch gesteuert.

Aktienauswahlprozess seit Nov 2023 breiter: Fundamentaldaten + Volatilitätsfilter + Momentum-Ranking (statt primär Momentum).

Fallstricke (für Rendite-/Planbarkeit-Anleger):

Trendfolger-/Prozyklik-Risiko: Im Seitwärtsmarkt drohen „Fehlsignale“ (häufiges Rein/Raus) – der Bericht benennt das selbst als wesentliches Risiko.

Währungs- und Regionensteuerung: Die starke Reduktion der USD-Quote (am Ende nur noch ~11% US-Anteil) kann bei USD-Erholung oder US-Outperformance Performance kosten – umgekehrt schützt sie bei USD-Schwäche.

4) Portfolio & Allokation am Stichtag (31.10.2025): defensiv geprägt

Vermögensübersicht (Stichtag):

Aktien/aktienähnlich: 57,89%

Verzinsliche Wertpapiere: 36,45% (Schwerpunkt kurzlaufender/defensiver Staats-/Agency-Anleihen)

Bankguthaben: 5,83%

Fondsvermögen gesamt: ~9,0 Mio. EUR

Was man daraus liest:

Das „Protect“-Profil ist am Stichtag sichtbar: deutliches Rentenpolster + Liquidität.

Rentenseitig auffällig hoch gewichtet: Bundesobligation 2022/2027 „Grün“ mit ~27,44% des Fondsvermögens (Einzelposition). Das reduziert Risiko, erhöht aber die Abhängigkeit von Zinsniveau/Euro-Staatskurve.

Aktiensektorbild (ESG-Reporting, Durchschnitt Quartalsenden):

Staaten 25,10%, Banken 12,89%, Telekom 10,68%, REITs 8,77%, Gesundheit 7,30%, Industriegüter 7,15%, Versicherungen 5,39%, Technologie nur 3,97%
→ Insgesamt wirkt das value-/defensivlastig, wenig „Big Tech“-Exposure – das kann in Tech-Rallyes hinterherhinken, in Stressphasen aber stabilisieren.

5) Ergebnisquellen: Warum das Jahr negativ war

Ordentlicher Nettoertrag ist positiv (R: +16,2 Tsd. EUR, S: +22,6 Tsd. EUR), getragen von Dividenden und Zinsen.

Das Veräußerungsergebnis ist deutlich negativ (R: -118,8 Tsd. EUR, S: -48,5 Tsd. EUR).

Zusätzlich belasteten nicht realisierte Wertänderungen (R: -225,0 Tsd. EUR, S: -94,6 Tsd. EUR).

Interpretation: Das Jahr war nicht „Ertragsproblem“, sondern Bewertungs-/Markt- und Timingproblem (Umschichtungen/Marktbewegungen).

6) Kosten & Anteilklassen: entscheidend für die Nettorendite

TER: 2,16% (R) vs. 1,57% (S)

Verwaltungsvergütung „derzeit“: 1,75% (R) vs. 1,15% (S)

Ausgabeaufschlag „derzeit“: 3,00% (beide)

Anlegersicht:

Die Kosten sind für einen regelbasierten Mischfonds nicht niedrig, besonders in der R-Tranche.

Die S-Tranche ist strukturell günstiger, aber mit Mindestanlage 250.000 EUR (laut Übersicht) primär institutionell/vermögend.

In Jahren mit moderaten Marktbewegungen können Kosten + Trendfolgesignale die Nettorendite merklich drücken.

7) Mittelbewegungen & Fondsgröße: potenzieller Nebeneffekt für Stabilität

Beide Anteilklassen zeigen Netto-Mittelabflüsse (R: ca. -1,56 Mio. EUR, S: ca. -1,41 Mio. EUR), Fondsvermögen sank (z. B. R von ~8,30 Mio. auf ~6,38 Mio.; S von ~4,22 Mio. auf ~2,62 Mio.).
Das ist nicht automatisch negativ, kann aber:

Druck auf Handelsflexibilität erhöhen (bei kleineren Volumina),

Kostenquoten relativ schwerer wirken lassen,

die „Story“ im Vertrieb/Investorensentiment widerspiegeln.

8) Nachhaltigkeit (Artikel 9 SFDR): solide Methodik – aber Indikatoren gemischt

Positiv:

Klassifizierung als Art. 9 SFDR; Positivliste basiert auf ISS ESG (Ausschlüsse + Best-in-Class + SDG-Score/Impact).

Durchschnittliche nachhaltige Investitionen: ~91,92% (Quartalsdurchschnitt, Bruttofondsvermögen).

Fossil-Exposure als PAI: 1,90% (Vorjahr 5,74%) – deutliche Verbesserung.

Gemischt/zu beobachten:

SDG Solution Score fiel im Durchschnitt von 3,12 auf 2,16 – das kann auf verändertes Universum, Methodik oder Portfolio-Mix hindeuten.

CO₂-Fußabdruck (Scope 1+2+3 je investierter Mio. EUR) stieg 182,88 → 282,52 (tendenziell schlechter), obwohl absolute Emissionen sanken – hier spielt die Berechnung pro investiertem EUR und Portfoliozusammensetzung eine große Rolle.

Taxonomie: 0% EU-taxonomiekonforme nachhaltige Investitionen ausgewiesen (u. a. mangels Methodik/Daten, speziell bei Staatsanleihen). Das ist nicht ungewöhnlich, aber wichtig für Anleger, die explizit Taxonomie-Alignment suchen.

9) Für wen passt der Fonds – und worauf sollte man achten?

Passend für Anleger, die…

eine defensiv gesteuerte globale Aktien-/Rentenmischung wollen,

Nachhaltigkeit als Artikel-9-Ansatz priorisieren,

bereit sind, systematische Umschichtungen (Trendfolge) zu akzeptieren.

Kritische Prüfpunkte vor Investment/Nachkauf:

Kosten vs. Nutzen: Schafft die Strategie langfristig Mehrwert nach TER, besonders in der R-Tranche?

Seitwärtsmarkt-Risiko: Wie hat sich der Fonds in Phasen mit vielen Fehlsignalen historisch geschlagen?

Benchmark-Fit: Die Benchmark enthält „World Momentum“ – der Fonds ist aber am Ende stark defensiv/Value-lastig. Erwartungsmanagement ist wichtig.

Währungssteuerung: USD-Reduktion kann schützen, aber auch Renditechancen kosten.

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