1) Kurzfazit (was Sie als Anleger daraus mitnehmen)
Der Fonds hat im Geschäftsjahr 01.11.2024–31.10.2025 eine moderate positive Wertentwicklung erzielt (+1,81 % Anteilklasse I / +1,40 % Anteilklasse R) – getragen vor allem von laufenden Zinsen/Erträgen, während realisierte Kursverluste (insb. bei ausländischen Anleihen) die Performance spürbar gebremst haben. Das Portfolio wirkt insgesamt defensiv bis ausgewogen, mit klarer Dominanz von Renten (direkt und über Zielfonds/ETFs), einer Liquiditätsreserve von ~6,9 % und einem niedrigen ausgewiesenen Marktrisiko (VaR Ø 0,83 %).
2) Portfolioaufbau: Rentenlastig, breit gestreut, mit Liquiditätspuffer
Fondsvermögen per 31.10.2025: 33,02 Mio. EUR (nahezu unverändert ggü. 31.10.2024: 32,97 Mio. EUR).
Asset Allocation (31.10.2025):
Anleihen: 62,68 % (20,70 Mio. EUR)
Investmentanteile/ETFs: 29,86 % (9,86 Mio. EUR)
Bankguthaben: 6,88 % (2,27 Mio. EUR)
Rest: Zinsansprüche/sonstige Positionen
Interpretation:
Das ist ein klar renten- und einkommensorientierter Multi-Asset-Ansatz, allerdings ohne die typische „60/40-Aktienlastigkeit“. Aktienexposure kommt überwiegend indirekt über ETFs (z. B. Low-Vol, Value, Regionen/Branchen). Der Liquiditätspuffer ist für ein Sondervermögen dieser Art komfortabel und hilft, Stressphasen bzw. Opportunitäten zu managen.
3) Zins- und Laufzeitenprofil: Zinsrisiko vorhanden, aber nicht extrem
Bei den direkt gehaltenen Anleihen ist die Laufzeitenverteilung (bezogen auf Fondsvermögen) grob:
< 1 Jahr: 15,33 %
1–3 Jahre: 6,78 %
3–5 Jahre: 3,66 %
5–10 Jahre: 21,67 %
≥ 10 Jahre: 15,26 %
Interpretation:
Der Fonds trägt spürbares Duration-/Zinsänderungsrisiko (relevanter Anteil 5–10 und ≥10 Jahre). Das passt zu einem Income-Fonds, macht ihn aber empfindlicher, falls Renditen wieder deutlich steigen. Positiv: Der Anteil < 1 Jahr ist nicht klein – das stabilisiert.
4) Kredit- und Emittentenmix: Mischung aus Staat/Quasi-Staat und Corporates
In den größeren Einzelpositionen finden sich:
Staat/Quasi-Staat: z. B. Deutschland, EU-Bills/MTNs, Lettland, Litauen, Bulgarien, Malta
Corporates (Auswahl): Mercedes-Benz, Nestlé, Shell, TotalEnergies, Exxon, Ford Motor Credit, Philip Morris
Auffällig sind einige Titel mit deutlich niedrigeren Kursen (z. B. Anleihen um ~68 bzw. ~74), was typischerweise auf lange Laufzeiten, niedrige Kupons aus Niedrigzinsjahren und/oder Spread-/Zinsanstiegseffekte hindeutet. Das ist nicht automatisch „schlecht“, zeigt aber: Ein Teil der Anleihepositionen war/ist kursseitig unter Druck und muss die Rendite über Zeit „verdienen“.
5) Zielfonds/ETFs: Risikodiversifikation, aber auch Themen-/Faktorwetten
Die ETF-Seite ist breit: Euro Small Caps, Pfandbriefe, EM Bonds (auch lokal), Global Aggregate Bonds (EUR-hedged), Low Vol (S&P 500, Euro Stoxx), Value Europe, Healthcare World, Dividend Aristocrats, Developed World/Europe, Gold Miners/Gold Producers, Convertibles etc.
Interpretation:
Positiv: Diversifikationsbreite (Regionen, Faktoren, Bonds, Convertibles, Gold/Goldminen).
Einschränkung: Goldminen & Faktor-ETFs sind nicht rein defensiv; sie können in Stressphasen stark schwanken. Dafür können sie in bestimmten Regimen (Inflations-/Rohstoffphasen) stabilisieren.
6) Ergebnisquellen: Ordentlicher Ertrag solide, realisierte Verluste drücken
Für Anteilklasse I (je Anteil):
Summe Erträge: 2,70
Summe Aufwendungen: -0,69
Ordentlicher Nettoertrag: 2,01
Realisierte Gewinne/Verluste (netto): -1,36
Nicht realisiertes Ergebnis: +1,20
Ergebnis Geschäftsjahr: +1,85
Interpretation:
Das ist typisch für ein „Income“-Portfolio im Übergangsregime:
Carry/Income funktioniert (ordentlicher Nettoertrag deutlich positiv).
Realisierte Verkäufe waren im Jahr ein Renditekiller (Fonds nennt explizit: realisierte Verluste aus ausländischen Anleihen).
Bewertungseffekte haben gegen Ende wieder etwas geholfen.
7) Ausschüttung: attraktiv, aber teilweise „aus Substanz“ möglich
Ausgewiesen für Anteilklasse I:
Endausschüttung: 2,01 je Anteil (insgesamt 628.326 EUR)
Wichtig ist der Hinweis:
„Zuführung aus dem Sondervermögen“ (bei I: 524.906,73 EUR; bei R analog) resultiert aus realisierten Verlusten und Annahme einer maximalen Ausschüttung.
Interpretation aus Anlegersicht:
Die Ausschüttung wirkt zwar stabil/attraktiv, kann aber (teilweise) aus Substanz kommen, wenn realisierte Verluste über „Ausschüttungslogik“ geglättet werden. Das ist nicht automatisch problematisch – aber als Income-Anleger sollten Sie prüfen, ob die Ausschüttung langfristig aus laufendem Ertrag tragfähig bleibt oder ob regelmäßig Kapital mit ausgeschüttet wird (was sich dann in der langfristigen NAV-Entwicklung zeigen kann).
8) Kosten, Effizienz und Klassenwahl
TER/Gesamtkostenquote:
Anteilklasse I: 0,68 %
Anteilklasse R: 1,08 %
Transaktionskosten: 3.287 EUR (im Verhältnis zum Fondsvolumen sehr gering)
Ausgabeaufschlag: 0 %
Interpretation:
Die Kosten sind für einen Multi-Asset-Fonds in I fair und in R spürbar höher. Das erklärt auch einen Teil der Renditedifferenz (I +1,81 % vs. R +1,40 %). Wenn Sie die Mindestanlage (25.000 EUR) erfüllen können, ist I strukturell im Vorteil.
9) Risikoprofil: niedriges ausgewiesenes Marktrisiko, Derivate kaum relevant
Derivate-Exposure: 0,00 % zum Stichtag
VaR (99 %, 1 Tag, historisch): min 0,62 %, max 1,00 %, Ø 0,83 %
Durchschnittliche Hebelwirkung: 0,91 (unter 1)
Interpretation:
Der Fonds wird risikokontrolliert gefahren; Derivate dienen hier nicht der Hebel-Story. Das passt zu einem Anleger, der eher Kapitalerhalt + laufende Erträge sucht, nicht maximale Upside.
10) Was gut wirkt – und was Sie kritisch beobachten sollten
Pluspunkte
Breite Diversifikation (Renten + ETF-Bausteine + Liquiditätspuffer)
Solider ordentlicher Nettoertrag (Zinsumfeld wird genutzt)
Niedriges ausgewiesenes Marktrisiko (VaR) und geringe Transaktionskosten
Kostenstruktur in Anteilklasse I attraktiv
Beobachtungspunkte / potenzielle Schwachstellen
Realisierte Verluste im Berichtsjahr: zeigt, dass aktives Umschichten in Renten auch schmerzen kann.
Zins-/Duration-Risiko bleibt relevant (hoher Anteil 5–10 Jahre und ≥10 Jahre).
Ausschüttung teils aus dem Sondervermögen möglich: langfristige NAV-Stabilität im Blick behalten.
„Kryptoassets möglich“ steht in der Strategie, ist aber im Bericht nicht als Bestand sichtbar – gut zu wissen, aber aktuell offenbar kein Performance-Treiber.
11) Für wen passt der Fonds?
Passend für Anleger, die moderate Schwankungen, laufende Ausschüttungen und globale Multi-Asset-Diversifikation suchen.
Weniger passend für Anleger, die eine hohe Aktienquote oder starkes Wachstumsprofil erwarten – die Jahresrendite zeigt eher „stabilisieren“ als „skalieren“.
12) Governance/Prüfung (Vertrauensanker)
Der Jahresbericht wurde von Deloitte GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft geprüft; das Prüfungsurteil ist uneingeschränkt (keine inhaltlichen Beanstandungen am Bericht nach KAGB/Regelwerk). Verwahrstelle/Bankguthaben u. a. bei BNP Paribas S.A. Niederlassung Deutschland; Kapitalverwaltungsgesellschaft ist Universal-Investment-Gesellschaft mbH.