1) Anlegerfokus: Was der Bericht in einem Satz sagt
Der Fonds hat im Geschäftsjahr 2024/25 eine klare positive Wertentwicklung erzielt (Geschäftsjahr: +8,91%), getragen von Marktgewinnen (realisiert und unrealisiert), bei vergleichsweise defensiver Aktienquote (6,46%), aber hohem Anteil an Zertifikaten (25,88%) und einem ausgebauten Rentenblock (51,94%) – damit verschiebt sich das Rendite-/Risikoprofil spürbar in Richtung Zins-, Emittenten- und Strukturproduktrisiko.
2) Performance & Ergebnisqualität
1 Jahr: +8,52%, Geschäftsjahr: +8,91% – für einen Fonds mit nur ~6,5% Aktien ist das ordentlich und deutet darauf hin, dass Renten + Zertifikate + Zielfonds den Hauptbeitrag geliefert haben.
Das Ergebnis des Geschäftsjahres beträgt 1.387.553 EUR. Auffällig ist die Zusammensetzung:
Realisiertes Ergebnis: 691.368 EUR
Nicht realisiertes Ergebnis: 696.186 EUR
→ Die Rendite stammt also ungefähr zur Hälfte aus Buchgewinnen. Das ist nicht „schlecht“, bedeutet aber: Ein Teil der Performance ist marktabhängig und kann sich bei Gegenwind wieder drehen.
Langfristig: Seit Auflage/Start der Wertentwicklung (19.12.2007) ~4,04% p.a. – das ist für ein gemischtes, eher defensiv wirkendes Konzept solide, aber nicht herausragend (ohne Benchmark ist der Vergleich allerdings erschwert).
3) Portfolio-Struktur: Defensiv in Aktien, offensiv in „Konstruktionen“
Zum 31.10.2025:
Aktien: 6,46%
Verzinsliche Wertpapiere: 26,06%
Zertifikate: 25,88%
Investmentanteile (Zielfonds/ETFs/Fonds): 36,16%
Bankguthaben: 5,00%
Interpretation aus Anlegersicht:
Das ist kein „klassischer Mischfonds“ (z.B. 40/60 oder 60/40), sondern eher ein Multi-Baustein-Portfolio, bei dem Zielfonds + Zertifikate eine sehr große Rolle spielen.
Die relativ hohe Cash-Quote (5%) erhöht Flexibilität und senkt kurzfristig Risiko, kostet aber in starken Märkten Rendite.
4) Aktien: Klein, aber qualitativ „Blue-Chip-lastig“
Aktienpositionen sind sehr selektiv und wirken defensiv/qualitativ (u.a. Nestlé, Novartis, Allianz, SAP, Siemens, Linde, RWE, Deutsche Post). Branchengewichtung innerhalb der Aktien:
stärkste Sektoren: Industriegüter & Dienstleistungen (22%), Gesundheit (20,36%), Technologie (16,2%), Versicherungen (15,99%).
Fremdwährungsanteil innerhalb der Aktien: 38,16% (gesunken ggü. Vorjahr).
Was das bedeutet: Aktien liefern eher Stabilität/Qualität als „Wachstumshebel“ – die Aktienquote ist schlicht zu niedrig, um die Gesamtperformance stark zu treiben.
5) Renten: Ausbau – mit interessantem Profil (und einem Warnsignal)
Rentenquote stieg deutlich auf 51,94% (plus 10,45 Prozentpunkte ggü. Vorjahr).
Innerhalb „Renten“ fällt auf:
Corporates: 46,79% des Rentenvermögens
Governments: 3,39% (stark reduziert)
Zertifikate: 49,83% (innerhalb der Rentenstruktur ausgewiesen; gleichzeitig insgesamt 25,88% am Fonds – das ist ein Hinweis, wie stark Strukturprodukte eingebunden sind)
Zinsrisiko (technisch):
Effective Duration Rentenbestand: 3,74 → moderates Zinsänderungsrisiko.
Gleichzeitig nennt der Bericht eine durchschnittliche Restlaufzeit des Rentenvermögens von 41,34 Jahren.
Das wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich, lässt sich aber erklären durch Floater/Callable/Hybrid-/Nachrang-Strukturen, bei denen die „rechtliche Endfälligkeit“ sehr lang ist, die Zinssensitivität (Duration) aber dennoch moderat sein kann.
Anlegerrelevanz: Auch wenn die Duration moderat ist, können solche Papiere komplex sein und in Stressphasen über Spreads, Call-Erwartungen und Liquidität reagieren.
Bonität:
Durchschnittliches Rating wird mit BBB+ angegeben (unverändert). Das ist Investment Grade, aber eher im mittleren Bereich – in Stressphasen sind Spreadbewegungen realistisch.
6) Zertifikate: Renditebaustein – aber Emittenten- und Struktur-Risiko
Mit 25,88% Fondsanteil sind Zertifikate ein zentrales Element. Beispiele im Bestand:
Xetra-Gold (4,76% Fondsvermögen) – Rohstoff/Goldpreis-Risiko, aber auch Struktur/Emittent (je nach Ausgestaltung).
Discount-Zertifikate auf EuroStoxx 50 in mehreren Tranchen – typischerweise begrenztes Upside, etwas Puffer nach unten, abhängig von Niveau/Cap/Restlaufzeit.
Basket-/Express-Zertifikate (Leonteq, UniCredit) – oft mit Pfadabhängigkeit und stärkerem Struktur- und Emittentenprofil.
Anleger-Einordnung:
Diese Produkte können die Volatilität glätten und Seitwärtsmärkte gut nutzen, erhöhen aber:
Emittentenrisiko (Bonität der ausgebenden Bank)
Komplexitätsrisiko (Auszahlungsprofile, Barrieren, Call-Mechanik)
potenziell Liquiditäts-/Spreadrisiko bei Stress
7) Zielfonds/ETFs: Breite Markt-Exposure – aber „Kosten-in-Kosten“ möglich
Investmentanteile: 36,16% – darunter ETFs (MSCI World, STOXX Europe 600, DAX, Japan hedged, AC World, Asia ex Japan) und aktive Fonds (z.B. Platow, Nordea, Pictet Biotech sowie interne MPF-Fonds).
Positiv:
Sehr breite Diversifikation über Regionen/Märkte.
ETFs bringen Transparenz und meist niedrige laufende Kosten.
Zu beachten:
Bei aktiv gemanagten Zielfonds entstehen zusätzliche Fondskosten auf Zielfondebene. Die ausgewiesene TER des Fonds (0,72%) ist zwar moderat, bildet aber naturgemäß nicht alle indirekten Zielfondkosten vollständig als „All-in-Kosten“ ab (Stichwort: Kostenketten). Der Bericht listet die Verwaltungsvergütungssätze der Zielfonds, die teils deutlich höher sind (z.B. 1,00% / 0,75% / 0,80%).
8) Ausschüttung & Mittelbewegungen
Ausschüttung je Anteil: 3,20 EUR (insgesamt 282.720 EUR).
Gleichzeitig gab es Netto-Mittelabflüsse durch Rücknahmen: -931.880 EUR.
Interpretation: Anleger haben per Saldo Geld entnommen, obwohl die Performance gut war – das kann viele Gründe haben (Liquiditätsbedarf, Portfolioumschichtungen, Vertriebsstruktur). Für verbleibende Anleger ist relevant: Der Fonds blieb dennoch stabil in der Abwicklung (keine Hinweise auf Liquiditätsstress).
9) Risikoprofil & Risikomanagement: konservativ im Derivateinsatz, VaR moderat
Keine Derivate im Berichtszeitraum eingesetzt – reduziert Komplexität und Hebelrisiko.
VaR (99%, 10 Tage): Ø 4,29%, Spanne 2,92% bis 6,01% → für ein Misch-/Multi-Asset-Portfolio wirkt das moderat.
Leverage praktisch nicht genutzt: tatsächlicher Leverage 0,94% (Brutto & Commitment).
Wichtigste Risiken für Anleger (aus Struktur abgeleitet):
Spread-/Bonitätsrisiko (BBB+-Profil, Nachrang-/Hybridstrukturen möglich)
Strukturprodukt-/Emittentenrisiko (hoher Zertifikateanteil)
Zinsregimewechsel (trotz moderater Duration können Credit/Callable-Strukturen empfindlich reagieren)
Währungsrisiko (teilweise USD/CHF-Exponierung; keine explizite vollständige Absicherung erkennbar)
Zielfondsrisiko (mittelbare Risiken + mögliche Rücknahmeaussetzungen einzelner Zielfonds – laut Text als Risiko benannt)
10) Fazit: Für wen passt der Fonds – und wann wäre ich vorsichtig?
Passt tendenziell für Anleger, die…
eine defensivere Aktienquote wollen,
Wert auf breite Diversifikation über Zielfonds/ETFs legen,
und akzeptieren, dass ein großer Teil der Rendite aus Renten-/Credit- und Zertifikatebausteinen kommt.
Wäre vorsichtig, wenn…
Sie Zertifikate grundsätzlich meiden (Emittenten- und Strukturabhängigkeit),
Sie eine sehr transparente, „puristische“ Allokation (Aktien/Anleihen ohne Strukturen) suchen,
Sie in Stressphasen maximale Einfachheit/Liquidität bevorzugen (Zertifikate und nachrangige/komplexe Renten können dann unangenehm reagieren).
Unterm Strich: Das Geschäftsjahr 2024/25 zeigt gute Ergebnisse bei moderatem ausgewiesenem Marktrisiko und vertretbaren laufenden Kosten (TER 0,72%) – die „eigentliche Story“ des Fonds ist jedoch weniger die niedrige Aktienquote, sondern die starke Rolle von Zertifikaten und kreditgetriebenen Ertragsquellen.