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MPF Allegro: Solide Rendite bei defensiver Ausrichtung – aber mit Strukturprodukt- und Zinsrisiken

geralt (CC0), Pixabay

1) Anlegerfokus: Was der Bericht in einem Satz sagt

Der Fonds hat im Geschäftsjahr 2024/25 eine klare positive Wertentwicklung erzielt (Geschäftsjahr: +8,91%), getragen von Marktgewinnen (realisiert und unrealisiert), bei vergleichsweise defensiver Aktienquote (6,46%), aber hohem Anteil an Zertifikaten (25,88%) und einem ausgebauten Rentenblock (51,94%) – damit verschiebt sich das Rendite-/Risikoprofil spürbar in Richtung Zins-, Emittenten- und Strukturproduktrisiko.

2) Performance & Ergebnisqualität

1 Jahr: +8,52%, Geschäftsjahr: +8,91% – für einen Fonds mit nur ~6,5% Aktien ist das ordentlich und deutet darauf hin, dass Renten + Zertifikate + Zielfonds den Hauptbeitrag geliefert haben.

Das Ergebnis des Geschäftsjahres beträgt 1.387.553 EUR. Auffällig ist die Zusammensetzung:

Realisiertes Ergebnis: 691.368 EUR

Nicht realisiertes Ergebnis: 696.186 EUR
→ Die Rendite stammt also ungefähr zur Hälfte aus Buchgewinnen. Das ist nicht „schlecht“, bedeutet aber: Ein Teil der Performance ist marktabhängig und kann sich bei Gegenwind wieder drehen.

Langfristig: Seit Auflage/Start der Wertentwicklung (19.12.2007) ~4,04% p.a. – das ist für ein gemischtes, eher defensiv wirkendes Konzept solide, aber nicht herausragend (ohne Benchmark ist der Vergleich allerdings erschwert).

3) Portfolio-Struktur: Defensiv in Aktien, offensiv in „Konstruktionen“

Zum 31.10.2025:

Aktien: 6,46%

Verzinsliche Wertpapiere: 26,06%

Zertifikate: 25,88%

Investmentanteile (Zielfonds/ETFs/Fonds): 36,16%

Bankguthaben: 5,00%

Interpretation aus Anlegersicht:

Das ist kein „klassischer Mischfonds“ (z.B. 40/60 oder 60/40), sondern eher ein Multi-Baustein-Portfolio, bei dem Zielfonds + Zertifikate eine sehr große Rolle spielen.

Die relativ hohe Cash-Quote (5%) erhöht Flexibilität und senkt kurzfristig Risiko, kostet aber in starken Märkten Rendite.

4) Aktien: Klein, aber qualitativ „Blue-Chip-lastig“

Aktienpositionen sind sehr selektiv und wirken defensiv/qualitativ (u.a. Nestlé, Novartis, Allianz, SAP, Siemens, Linde, RWE, Deutsche Post). Branchengewichtung innerhalb der Aktien:

stärkste Sektoren: Industriegüter & Dienstleistungen (22%), Gesundheit (20,36%), Technologie (16,2%), Versicherungen (15,99%).

Fremdwährungsanteil innerhalb der Aktien: 38,16% (gesunken ggü. Vorjahr).

Was das bedeutet: Aktien liefern eher Stabilität/Qualität als „Wachstumshebel“ – die Aktienquote ist schlicht zu niedrig, um die Gesamtperformance stark zu treiben.

5) Renten: Ausbau – mit interessantem Profil (und einem Warnsignal)

Rentenquote stieg deutlich auf 51,94% (plus 10,45 Prozentpunkte ggü. Vorjahr).

Innerhalb „Renten“ fällt auf:

Corporates: 46,79% des Rentenvermögens

Governments: 3,39% (stark reduziert)

Zertifikate: 49,83% (innerhalb der Rentenstruktur ausgewiesen; gleichzeitig insgesamt 25,88% am Fonds – das ist ein Hinweis, wie stark Strukturprodukte eingebunden sind)

Zinsrisiko (technisch):

Effective Duration Rentenbestand: 3,74 → moderates Zinsänderungsrisiko.

Gleichzeitig nennt der Bericht eine durchschnittliche Restlaufzeit des Rentenvermögens von 41,34 Jahren.
Das wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich, lässt sich aber erklären durch Floater/Callable/Hybrid-/Nachrang-Strukturen, bei denen die „rechtliche Endfälligkeit“ sehr lang ist, die Zinssensitivität (Duration) aber dennoch moderat sein kann.
Anlegerrelevanz: Auch wenn die Duration moderat ist, können solche Papiere komplex sein und in Stressphasen über Spreads, Call-Erwartungen und Liquidität reagieren.

Bonität:

Durchschnittliches Rating wird mit BBB+ angegeben (unverändert). Das ist Investment Grade, aber eher im mittleren Bereich – in Stressphasen sind Spreadbewegungen realistisch.

6) Zertifikate: Renditebaustein – aber Emittenten- und Struktur-Risiko

Mit 25,88% Fondsanteil sind Zertifikate ein zentrales Element. Beispiele im Bestand:

Xetra-Gold (4,76% Fondsvermögen) – Rohstoff/Goldpreis-Risiko, aber auch Struktur/Emittent (je nach Ausgestaltung).

Discount-Zertifikate auf EuroStoxx 50 in mehreren Tranchen – typischerweise begrenztes Upside, etwas Puffer nach unten, abhängig von Niveau/Cap/Restlaufzeit.

Basket-/Express-Zertifikate (Leonteq, UniCredit) – oft mit Pfadabhängigkeit und stärkerem Struktur- und Emittentenprofil.

Anleger-Einordnung:

Diese Produkte können die Volatilität glätten und Seitwärtsmärkte gut nutzen, erhöhen aber:

Emittentenrisiko (Bonität der ausgebenden Bank)

Komplexitätsrisiko (Auszahlungsprofile, Barrieren, Call-Mechanik)

potenziell Liquiditäts-/Spreadrisiko bei Stress

7) Zielfonds/ETFs: Breite Markt-Exposure – aber „Kosten-in-Kosten“ möglich

Investmentanteile: 36,16% – darunter ETFs (MSCI World, STOXX Europe 600, DAX, Japan hedged, AC World, Asia ex Japan) und aktive Fonds (z.B. Platow, Nordea, Pictet Biotech sowie interne MPF-Fonds).

Positiv:

Sehr breite Diversifikation über Regionen/Märkte.

ETFs bringen Transparenz und meist niedrige laufende Kosten.

Zu beachten:

Bei aktiv gemanagten Zielfonds entstehen zusätzliche Fondskosten auf Zielfondebene. Die ausgewiesene TER des Fonds (0,72%) ist zwar moderat, bildet aber naturgemäß nicht alle indirekten Zielfondkosten vollständig als „All-in-Kosten“ ab (Stichwort: Kostenketten). Der Bericht listet die Verwaltungsvergütungssätze der Zielfonds, die teils deutlich höher sind (z.B. 1,00% / 0,75% / 0,80%).

8) Ausschüttung & Mittelbewegungen

Ausschüttung je Anteil: 3,20 EUR (insgesamt 282.720 EUR).

Gleichzeitig gab es Netto-Mittelabflüsse durch Rücknahmen: -931.880 EUR.
Interpretation: Anleger haben per Saldo Geld entnommen, obwohl die Performance gut war – das kann viele Gründe haben (Liquiditätsbedarf, Portfolioumschichtungen, Vertriebsstruktur). Für verbleibende Anleger ist relevant: Der Fonds blieb dennoch stabil in der Abwicklung (keine Hinweise auf Liquiditätsstress).

9) Risikoprofil & Risikomanagement: konservativ im Derivateinsatz, VaR moderat

Keine Derivate im Berichtszeitraum eingesetzt – reduziert Komplexität und Hebelrisiko.

VaR (99%, 10 Tage): Ø 4,29%, Spanne 2,92% bis 6,01% → für ein Misch-/Multi-Asset-Portfolio wirkt das moderat.

Leverage praktisch nicht genutzt: tatsächlicher Leverage 0,94% (Brutto & Commitment).

Wichtigste Risiken für Anleger (aus Struktur abgeleitet):

Spread-/Bonitätsrisiko (BBB+-Profil, Nachrang-/Hybridstrukturen möglich)

Strukturprodukt-/Emittentenrisiko (hoher Zertifikateanteil)

Zinsregimewechsel (trotz moderater Duration können Credit/Callable-Strukturen empfindlich reagieren)

Währungsrisiko (teilweise USD/CHF-Exponierung; keine explizite vollständige Absicherung erkennbar)

Zielfondsrisiko (mittelbare Risiken + mögliche Rücknahmeaussetzungen einzelner Zielfonds – laut Text als Risiko benannt)

10) Fazit: Für wen passt der Fonds – und wann wäre ich vorsichtig?

Passt tendenziell für Anleger, die…

eine defensivere Aktienquote wollen,

Wert auf breite Diversifikation über Zielfonds/ETFs legen,

und akzeptieren, dass ein großer Teil der Rendite aus Renten-/Credit- und Zertifikatebausteinen kommt.

Wäre vorsichtig, wenn…

Sie Zertifikate grundsätzlich meiden (Emittenten- und Strukturabhängigkeit),

Sie eine sehr transparente, „puristische“ Allokation (Aktien/Anleihen ohne Strukturen) suchen,

Sie in Stressphasen maximale Einfachheit/Liquidität bevorzugen (Zertifikate und nachrangige/komplexe Renten können dann unangenehm reagieren).

Unterm Strich: Das Geschäftsjahr 2024/25 zeigt gute Ergebnisse bei moderatem ausgewiesenem Marktrisiko und vertretbaren laufenden Kosten (TER 0,72%) – die „eigentliche Story“ des Fonds ist jedoch weniger die niedrige Aktienquote, sondern die starke Rolle von Zertifikaten und kreditgetriebenen Ertragsquellen.

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