1. Performance: Stabilität mit Opportunitätskosten
Die Aktienklasse R des Flossbach von Storch SICAV – Multiple Opportunities erzielte im Geschäftsjahr 2024/25 einen Wertzuwachs von 1,1 % (inkl. Ausschüttung von 4,85 EUR je Aktie).
Im Vergleich dazu entwickelten sich die Märkte deutlich stärker:
MSCI World (EUR): +11,4 %
Bloomberg Global Aggregate (EUR, hedged): +1,0 %
Gold (EUR): +38,9 %
Einordnung aus Anlegersicht:
Der Fonds blieb deutlich hinter dem globalen Aktienmarkt zurück.
Gegenüber Anleiheindizes war die Performance solide.
Die starke Goldentwicklung konnte nur teilweise genutzt werden (Goldquote ca. 11 %).
Das Portfolio war also defensiver positioniert – was sich in einem Jahr mit ausgeprägter Aktienrally als Renditenachteil erwies.
2. Asset Allocation: Bewusst defensiv mit Absicherung
Zum 30.09.2025 betrug das Fondsvolumen 23,78 Mrd. EUR.
Struktur:
Aktien brutto: 77,8 %
Aktien netto (nach Futures-Absicherung): 68,4 %
Anleihen: 3,5 %
Gold: 11,3 %
Liquidität: 7,4 %
Zusätzlich bestanden Short-Futures auf:
S&P 500 (~7,2 %)
Euro Stoxx 50 (~2,2 %)
Bewertung:
Das Management setzte klar auf:
Sachwerte (Aktien + Gold)
Reduzierte Duration (kaum Anleihen)
Taktische Index-Absicherung
Das spricht für ein Risikomanagement mit Kapitalerhalt-Fokus, jedoch mit der Konsequenz, dass starke Marktphasen nur gedämpft mitgenommen werden.
3. Portfoliostruktur: Qualitätsfokus mit Europa-Schwerpunkt
Geografische Verteilung:
USA: 32,4 %
Deutschland: 19,2 %
UK: 7,8 %
Schweiz: 5,3 %
Branchen:
Nicht-Basiskonsum: 17,9 %
Basiskonsum: 13,2 %
Gesundheit: 12,1 %
IT: 12,1 %
Finanzen: 11,5 %
Top-Positionen u. a.:
Reckitt Benckiser
Adidas
Mercedes-Benz
Unilever
Deutsche Börse
Analyse:
Das Portfolio ist stark geprägt von:
europäischen Qualitätsunternehmen
defensiven Konsumwerten
etablierten US-Blue-Chips
Die Tech-Gewinner der US-Rally sind vertreten (Microsoft, Alphabet, Amazon), aber nicht dominant gewichtet. Das erklärt einen Teil der Underperformance gegenüber dem MSCI World.
4. Mittelabflüsse: Kritisches Signal
Im Berichtszeitraum kam es zu erheblichen Netto-Mittelabflüssen:
Mittelzuflüsse: 1,48 Mrd. EUR
Mittelabflüsse: –2,84 Mrd. EUR
→ Nettoabfluss ca. –1,36 Mrd. EUR
Das Nettofondsvermögen sank von 25,2 Mrd. EUR auf 23,78 Mrd. EUR .
Interpretation:
Anleger reagieren offenbar auf relative Underperformance.
Kapitalabflüsse können zukünftigen Handlungsdruck erzeugen.
Die Fondsgesellschaft muss Vertrauen stabilisieren.
5. Kostenstruktur: Relevanter Renditefaktor
Gesamte Aufwendungen im Geschäftsjahr:
Verwaltungsvergütung: –338,5 Mio. EUR
Performance Fee: –31,5 Mio. EUR
Gesamtkosten: –407,3 Mio. EUR
Bei moderater Rendite wirkt die Kostenbelastung spürbar.
Gerade bei der R-Klasse (1,465 % Verwaltungsvergütung p.a.) ist der Gebührenhebel für langfristige Investoren nicht zu unterschätzen.
6. Ergebnisqualität: Realisierte Gewinne vs. Marktwertverluste
Im Berichtszeitraum:
Realisierte Gewinne: 2,19 Mrd. EUR
Realisierte Verluste: –734 Mio. EUR
Nicht realisierte Verluste: –1,48 Mrd. EUR
Das zeigt:
Aktives Umschichten
Bewertungsrückgänge bei bestehenden Positionen
Teilweise Mitnahme von Gewinnen
7. Stärken des Fonds
✔ Sehr breite Diversifikation
✔ Klare Sachwert-Orientierung
✔ Gold als systemischer Stabilisator
✔ Diszipliniertes Risikomanagement
✔ Hohe Liquidität für Opportunitäten
8. Schwächen / Risiken
⚠ Deutliche Underperformance gegenüber globalen Aktien
⚠ Hohe Gebührenbelastung
⚠ Anhaltende Mittelabflüsse
⚠ Absicherung reduziert Renditechancen in Bullenmärkten
⚠ Goldanteil erzeugt hohe Abhängigkeit vom Edelmetallzyklus
9. Gesamturteil aus Anlegersicht
Der Fonds bleibt ein qualitätsorientiertes, defensiv ausgerichtetes Multi-Asset-Produkt mit Substanzwert-Charakter.
Er eignet sich besonders für Anleger, die:
starke Marktschwankungen reduzieren möchten
systemische Risiken absichern wollen
Gold als strategischen Baustein schätzen
keine reine Benchmark-Maximierung anstreben
Weniger geeignet ist er für:
renditeorientierte Anleger mit Fokus auf globale Aktien-Benchmarks
Investoren, die maximale Partizipation an Tech-Rallys suchen
Fazit
Der Jahresbericht 2024/25 zeigt keinen Managementfehler, sondern eine bewusst konservative Positionierung in einem stark steigenden Aktienmarkt.
Die Kernfrage für Anleger lautet daher:
Will ich Stabilität mit Sachwertschutz – oder maximale Marktbeteiligung?
Langfristig wird die Attraktivität des Fonds davon abhängen, ob sich das aktuelle makroökonomische Umfeld stärker in Richtung Unsicherheit und Volatilität entwickelt – wovon das Portfolio strukturell profitieren würde.