Am historischen Stonewall National Monument in New York ist es erneut zu einem symbolträchtigen Protest gekommen: Aktivistinnen und Aktivisten sowie lokale Politiker hissten am 12. Februar die Regenbogenflagge, nachdem diese wenige Tage zuvor auf Anweisung der National Park Service (NPS) entfernt worden war. Die Maßnahme erfolgte im Zuge neuer bundesweiter Richtlinien der Trump-Regierung zur Beflaggung öffentlicher Einrichtungen.
Das Stonewall National Monument gilt als Geburtsort der modernen LGBTQ+-Bürgerrechtsbewegung. Es erinnert an die Stonewall-Aufstände von 1969, als sich Gäste der Bar „Stonewall Inn“ in Greenwich Village gegen wiederholte Polizeirazzien zur Wehr setzten. 2016 erklärte Präsident Barack Obama das Gelände offiziell zum Nationaldenkmal – als erstes seiner Art zur Würdigung des Kampfes um die Rechte sexueller Minderheiten.
Die Entfernung der Pride-Flagge sorgte in der Community für Empörung. Rund 1.000 Menschen versammelten sich im Christopher Park, um bei der erneuten Hissung der Flagge dabei zu sein. Während gewählte Vertreter der Stadt eine zusätzliche, kleinere Fahnenstange mitbrachten und die Regenbogenflagge unterhalb der US-Flagge befestigten, gingen einigen Aktivisten diese Schritte nicht weit genug. Aus Protest verbanden sie beide Fahnen mit Kabelbindern und positionierten die Pride-Flagge schließlich leicht oberhalb der amerikanischen Flagge – ein symbolischer Akt, der die Entschlossenheit der Bewegung unterstreichen sollte.
„Wir werden nicht ausgelöscht“, skandierten zahlreiche Teilnehmende. Für viele steht die Entfernung der Flagge sinnbildlich für eine breitere politische Entwicklung. Die Trump-Regierung hatte in den vergangenen Monaten mehrere Maßnahmen ergriffen, die insbesondere Transgender-Personen betreffen. Dazu zählen Einschränkungen bei geschlechtsangleichender Gesundheitsversorgung für Minderjährige, neue Vorgaben zur Anerkennung von Geschlechtsidentitäten auf Bundesebene sowie Beschränkungen im Militär und im Schulsport.
Die neuen Richtlinien des Innenministeriums regeln die Verwendung sogenannter „nichtbehördlicher Flaggen“ in Nationalparks. Ausnahmen gelten lediglich für Fahnen mit unmittelbarem historischem Bezug. Kritiker argumentieren jedoch, dass die Regenbogenflagge am Stonewall-Denkmal selbst längst historische Bedeutung habe. Seit 2021 wehte sie dort dauerhaft – mit offizieller Genehmigung der NPS während der Biden-Regierung.
Für viele Anwesende war die erneute Hissung daher mehr als nur eine symbolische Geste. „Dieses Denkmal erzählt unsere Geschichte“, sagte ein Teilnehmer. „Ohne die Pride-Flagge fehlt ein sichtbares Zeichen dieser Geschichte.“ Andere kündigten an, weiterhin Flaggen mitzubringen, falls die Behörden erneut einschreiten sollten.
Das Stonewall-Monument umfasst neben dem Park auch Teile des umliegenden Viertels sowie das privat geführte Stonewall Inn. Als Ort des Widerstands und der Selbstbehauptung besitzt es für die LGBTQ+-Community weltweit hohe emotionale Bedeutung. Die aktuellen Ereignisse zeigen, dass der Kampf um Sichtbarkeit und Anerkennung auch Jahrzehnte nach den Aufständen von 1969 nicht abgeschlossen ist.