Indonesien treibt ein ehrgeiziges Verteidigungsprojekt voran: Künftig sollen Autobahnabschnitte im ganzen Land als Notlandebahnen für Militärflugzeuge dienen. Damit will der südostasiatische Inselstaat seine Verteidigungsfähigkeit stärken – und das auf vergleichsweise kostengünstige Weise. Angesichts von mehr als 6.000 bewohnten Inseln und einer Ost-West-Ausdehnung von rund 5.000 Kilometern steht Indonesien vor enormen logistischen Herausforderungen.
Bei einer Demonstration in der Provinz Lampung auf Sumatra landeten und starteten eine F-16 der indonesischen Luftwaffe sowie ein Turboprop-Kampfflugzeug vom Typ EMB-314 Super Tucano erfolgreich auf einem Abschnitt der Terpeka Simpang Pematang-Mautstraße. Laut Luftwaffenchef Marschall Tonny Harjono ist langfristig geplant, in jeder der 38 Provinzen mindestens einen geeigneten Autobahnabschnitt als alternative Start- und Landebahn bereitzustellen. Einen konkreten Zeitplan nannte er jedoch nicht.
Vizeverteidigungsminister Donny Ermawan Taufanto sprach von einem wichtigen Meilenstein zur Stärkung des nationalen Verteidigungssystems. Die Nutzung von Autobahnen als Notlandebahnen sei eine flexible Lösung, um im Krisenfall die Einsatzbereitschaft der Luftwaffe zu sichern, ohne die zivile Infrastruktur dauerhaft einzuschränken. Die Hauptfunktion der Mautstraßen als Verkehrsadern bleibe dabei erhalten.
Das Konzept ist international nicht neu. Auch Länder wie die USA, Finnland oder Schweden haben bereits erfolgreich Militärflugzeuge auf Straßen landen lassen. Ziel solcher Strategien ist es, Luftstreitkräfte im Ernstfall dezentral aufzustellen und weniger anfällig für gezielte Angriffe auf feste Militärbasen zu machen. Gerade in geopolitisch sensiblen Regionen gewinnt diese Taktik an Bedeutung.
Obwohl Indonesien in der Vergangenheit Spannungen mit China im Südchinesischen Meer erlebt hat, betonen Offizielle, dass das Autobahn-Projekt nicht gegen ein bestimmtes Land gerichtet sei. Vielmehr gehe es darum, auf unterschiedliche Bedrohungsszenarien vorbereitet zu sein.
Sicherheitsexperten sehen in dem Vorhaben vor allem wirtschaftliche Vorteile. Ein Flugzeugträger kostet mehrere Milliarden Dollar in Anschaffung und Unterhalt – eine Investition, die für Indonesien schwer zu stemmen wäre. Zudem würde ein einzelner Flugzeugträger im Ernstfall ein attraktives Angriffsziel darstellen. Ein Netzwerk aus vielen dezentralen Notlandebahnen hingegen verteilt das Risiko: Fällt ein Standort aus, bleiben zahlreiche Alternativen.
Die geplanten Straßenabschnitte sollen rund 3.000 Meter lang sein. Mit einer Breite von etwa 24 Metern sind sie deutlich schmaler als herkömmliche Start- und Landebahnen, die meist zwischen 45 und 60 Meter messen. Die erfolgreiche Demonstration unterstreicht daher auch das hohe Ausbildungsniveau der indonesischen Piloten.
Mit dem Ausbau der Autobahnen zu militärisch nutzbaren Pisten verfolgt Indonesien einen pragmatischen Ansatz: maximale Flexibilität bei überschaubaren Kosten – und eine Verteidigungsstrategie, die so weit verzweigt ist wie das Land selbst.