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Oppositionspolitiker Juan Pablo Guanipa nach Haftentlassung in Venezuela offenbar entführt

Nach Angaben von Familienangehörigen und politischen Weggefährten ist der venezolanische Oppositionspolitiker Juan Pablo Guanipa nur wenige Stunden nach seiner Freilassung aus dem Gefängnis von bewaffneten Männern entführt worden. Der Vorfall ereignete sich am Sonntagabend im Stadtteil Los Chorros in Caracas und sorgt national wie international für Entsetzen.

Guanipa, ein führendes Mitglied der konservativen Oppositionspartei Primero Justicia, war zuvor mehr als acht Monate in Haft gewesen. Seine Freilassung galt als Teil eines Zugeständnisses der venezolanischen Regierung, die zuletzt unter starkem internationalen Druck – insbesondere aus den USA – stand, politische Gefangene freizulassen. Menschenrechtsorganisationen bestätigten, dass am Sonntag mindestens 30 Oppositionelle aus der Haft entlassen wurden.

Kurz nach seiner Entlassung hatte Guanipa noch ein Video in sozialen Netzwerken veröffentlicht. Darin erklärte er, nun beginne eine Phase intensiver Diskussionen über die Gegenwart und Zukunft Venezuelas, „immer mit der Wahrheit im Mittelpunkt“. Wenige Stunden später soll er jedoch von etwa zehn schwer bewaffneten Männern ohne erkennbare Hoheitszeichen abgefangen worden sein. Laut Aussagen seines Sohnes Ramón handelte es sich um eine gezielte Aktion mit mehreren Fahrzeugen.

Die prominente Oppositionsführerin María Corina Machado, die sich derzeit im Ausland aufhält, sprach von einer Entführung durch bewaffnete Männer in Zivil und machte das Regime in Caracas direkt verantwortlich. Auch die Partei Primero Justicia beschuldigte führende Regierungsvertreter, darunter Innenminister Diosdado Cabello, für das Verschwinden Guanipas verantwortlich zu sein und forderte Garantien für sein Leben.

Guanipa war im Mai 2025 festgenommen worden. Damals hatte Innenminister Cabello ihm ohne Vorlage von Beweisen vorgeworfen, in einen angeblichen Terrorplan gegen Regional- und Parlamentswahlen verwickelt zu sein. Guanipa wies diese Anschuldigungen stets zurück. Menschenrechtsgruppen sehen in seiner Inhaftierung – wie in vielen anderen Fällen – ein Beispiel für die systematische Unterdrückung politischer Opposition in dem südamerikanischen Land.

Während die Regierung bestreitet, politische Gefangene zu halten, sprechen Organisationen wie Foro Penal von hunderten Menschen, die weiterhin aus politischen Gründen in Haft sitzen. Zwar kündigte Parlamentspräsident Jorge Rodríguez an, alle politischen Gefangenen bis Mitte Februar freizulassen, doch Angehörige und Aktivisten kritisieren das langsame Tempo und die fehlende Transparenz des Prozesses.

Der mutmaßliche Kidnapping-Fall Guanipa wirft nun einen dunklen Schatten auf die jüngsten Amnestie-Versprechen der Regierung und nährt Zweifel an deren Ernsthaftigkeit. Internationale Beobachter fordern eine sofortige Aufklärung des Vorfalls sowie Garantien für die Sicherheit freigelassener Oppositioneller.

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