Der Jahresabschluss 2025 der CEE Windpark Westerengel GmbH & Co. KG zeigt auf den ersten Blick eine vergleichsweise solide Eigenkapitalposition – zumindest im Vergleich zu Windparkgesellschaften, bei denen die Kapitalbasis bereits vollständig durch Verluste aufgezehrt wurde.
Zum 31. Dezember 2025 weist Westerengel ein Eigenkapital von 2.954.579,97 Euro aus.
Ende 2024 waren es noch exakt 3,30 Millionen Euro.
Die Ursache des Rückgangs ist in der Bilanz unmittelbar sichtbar:
Erstmals wird ein Bilanzverlust von 345.420,03 Euro ausgewiesen.
Eigenkapital sinkt um gut zehn Prozent
Das Eigenkapital verringerte sich damit innerhalb eines Jahres um rund 345.420 Euro beziehungsweise 10,5 Prozent.
Die Kapitalanteile der Kommanditisten blieben mit 1.000 Euro unverändert.
Auch die Rücklagen werden weiterhin mit 3.299.000 Euro ausgewiesen.
Dagegen steht nun der Bilanzverlust von 345.420 Euro.
Anders als bei bilanziell überschuldeten Projektgesellschaften ist damit bei Westerengel weiterhin ein deutlich positives Eigenkapital vorhanden.
Bei einer Bilanzsumme von rund 30,52 Millionen Euro ergibt sich rechnerisch eine Eigenkapitalquote von ungefähr 9,7 Prozent.
Im Vorjahr waren es bei 32,34 Millionen Euro Bilanzsumme rund 10,2 Prozent.
Die Eigenkapitalquote hat sich damit leicht verschlechtert.
Bilanzsumme schrumpft um 1,82 Millionen Euro
Die Bilanzsumme ging von:
32.337.761,66 Euro
auf:
30.522.427,24 Euro
zurück.
Das entspricht einem Rückgang um rund 1,82 Millionen Euro beziehungsweise 5,6 Prozent.
Ein wesentlicher Grund liegt im Anlagevermögen.
Dieses sank von rund 28,84 Millionen Euro auf 27,31 Millionen Euro.
Das entspricht einem Rückgang um rund 1,53 Millionen Euro.
Nahezu das gesamte Anlagevermögen besteht aus Sachanlagen.
Windenergieanlagen werden über 25 Jahre abgeschrieben
Die Sachanlagen werden Ende 2025 mit 27.287.520,26 Euro bilanziert.
Ein Jahr zuvor waren es noch rund 28,82 Millionen Euro.
Nach Angaben im Anhang wird das abnutzbare Sachanlagevermögen linear über eine Nutzungsdauer von 25 Jahren abgeschrieben.
Außerplanmäßige Abschreibungen wurden 2025 nicht vorgenommen.
Der Rückgang des Sachanlagevermögens ist damit nicht auf eine im Abschluss ausgewiesene Sonderabschreibung zurückzuführen.
Bei einer Windparkgesellschaft gehört die planmäßige Abschreibung der technisch aufwendigen Anlagen zur normalen Entwicklung der Bilanz.
Daneben hält die Gesellschaft Finanzanlagen im Wert von 20.000 Euro.
Bankschulden sinken um mehr als 2,1 Millionen Euro
Eine der auffälligsten positiven Entwicklungen findet sich auf der Finanzierungsseite.
Die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten lagen Ende 2025 bei:
16.016.929 Euro.
Ende 2024 waren es noch:
18.152.525 Euro.
Damit wurden die Bankverbindlichkeiten innerhalb eines Jahres um 2.135.596 Euro reduziert.
Das entspricht einem Rückgang von rund 11,8 Prozent.
Der Schuldenabbau bei den Banken fällt damit deutlich stärker aus als der Rückgang der Bilanzsumme.
Bankkredite vollständig besichert
Die Bankverbindlichkeiten sind allerdings vollständig besichert.
Nach Angaben des Unternehmens bestehen Sicherheiten durch die Sicherungsübereignung der getätigten Investitionen sowie durch die offene Abtretung der Einspeiseerlöse der finanzierten Windenergieanlage.
Die finanzierenden Banken haben damit Zugriffsmöglichkeiten auf wesentliche Vermögenswerte beziehungsweise Einnahmeströme des Windparkprojekts.
Eine solche Besicherung ist bei langfristigen Projektfinanzierungen von Windparks grundsätzlich nicht ungewöhnlich.
Sie zeigt aber, wie eng Anlagen, Stromerlöse und Finanzierung miteinander verbunden sind.
Gesamtverbindlichkeiten sinken um 1,6 Millionen Euro
Nicht nur die Bankschulden gingen zurück.
Die gesamten Verbindlichkeiten reduzierten sich von:
27.809.337,39 Euro
auf:
26.204.359,11 Euro.
Das entspricht einem Rückgang um rund 1,60 Millionen Euro beziehungsweise 5,8 Prozent.
Damit wurden die Gesamtverbindlichkeiten ungefähr im gleichen Verhältnis reduziert, in dem auch die Bilanzsumme schrumpfte.
Die Verbindlichkeiten entsprechen Ende 2025 rechnerisch rund 85,9 Prozent der Bilanzsumme.
Das unterstreicht die weiterhin hohe Fremdfinanzierung der Projektgesellschaft.
Knapp zwei Millionen Euro liquide Mittel
Die Liquiditätsposition hat sich gegenüber dem Vorjahr leicht abgeschwächt.
Die Guthaben bei Kreditinstituten beziehungsweise sonstigen liquiden Mittel gingen von:
2.180.790,05 Euro
auf:
1.977.476,11 Euro
zurück.
Das entspricht einem Minus von rund 203.314 Euro beziehungsweise 9,3 Prozent.
Damit verfügte die Gesellschaft zum Bilanzstichtag allerdings weiterhin über knapp zwei Millionen Euro an liquiden Mitteln.
Allein aus diesem Rückgang lässt sich keine Aussage über eine mögliche Liquiditätsbelastung ableiten.
Dafür wären insbesondere Angaben über laufende Stromerlöse, operative Zahlungsströme, Tilgungspläne und kurzfristig fällige Verpflichtungen erforderlich.
Umlaufvermögen geht um rund 253.000 Euro zurück
Das gesamte Umlaufvermögen sank von rund 2,97 Millionen Euro auf 2,72 Millionen Euro.
Das entspricht einem Rückgang um etwa 252.744 Euro beziehungsweise 8,5 Prozent.
Neben den liquiden Mitteln gingen auch die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände zurück.
Sie reduzierten sich von 791.235,97 Euro auf 741.806,35 Euro.
Einzelwertberichtigungen auf Forderungen wurden nach Angaben des Unternehmens nicht gebildet.
Bilanzverlust wirft Fragen nach dem operativen Ergebnis auf
Besonders interessant ist der neu ausgewiesene Bilanzverlust von 345.420 Euro.
Die Bilanz zeigt damit eindeutig eine Verschlechterung der Eigenkapitalposition.
Sie liefert jedoch keine vollständige Erklärung dafür, wodurch der Verlust entstanden ist.
Die Gesellschaft macht bei der Offenlegung von den größenabhängigen Erleichterungsvorschriften für kleine Gesellschaften Gebrauch.
Damit fehlen in den vorliegenden veröffentlichten Angaben wesentliche Informationen für eine umfassende Ertragsanalyse.
Insbesondere lässt sich nicht erkennen, wie hoch die Stromerlöse 2025 waren, welche laufenden Betriebskosten entstanden, wie hoch der Zinsaufwand war und welches operative Ergebnis der Windpark erwirtschaftete.
Der Bilanzverlust ist deshalb sichtbar – seine wirtschaftlichen Ursachen bleiben anhand der veröffentlichten Daten weitgehend offen.
Schuldenabbau trotz Bilanzverlust
Genau hier zeigt sich eine wichtige Besonderheit bei der Interpretation des Abschlusses.
Ein Bilanzverlust bedeutet nicht automatisch, dass im selben Umfang liquide Mittel abgeflossen sind.
Bei Windparkgesellschaften spielen beispielsweise planmäßige Abschreibungen eine erhebliche Rolle.
Das Sachanlagevermögen verringerte sich 2025 um rund 1,53 Millionen Euro.
Abschreibungen belasten das handelsrechtliche Ergebnis, verursachen im Zeitpunkt ihrer Verbuchung aber keinen entsprechenden Zahlungsmittelabfluss.
Gleichzeitig zeigt die Bilanz, dass Westerengel die Bankverbindlichkeiten um mehr als 2,1 Millionen Euro reduzieren konnte.
Das spricht dafür, Ergebnisentwicklung und Zahlungsströme nicht gleichzusetzen.
Für eine belastbare Aussage über die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit wäre deshalb der operative Cashflow besonders wichtig.
Dieser wird in den vorliegenden Unterlagen jedoch nicht ausgewiesen.
Passive latente Steuern steigen um 150.000 Euro
Auffällig ist außerdem die Entwicklung der passiven latenten Steuern.
Sie erhöhten sich von:
1.189.138,92 Euro
auf:
1.339.328,59 Euro.
Das entspricht einem Anstieg um rund 150.190 Euro beziehungsweise 12,6 Prozent.
Nach Angaben der Gesellschaft entstehen diese latenten Steuern aus unterschiedlichen Wertansätzen in Handels- und Steuerbilanz.
Als Ursache nennt das Unternehmen insbesondere unterschiedliche Nutzungsdauern bei der Bewertung der technischen Anlagen.
Dem stehen aktive latente Steuerwirkungen aus einem abweichenden Ansatz aktiver Rechnungsabgrenzungsposten gegenüber.
Ausgewiesen wird der verrechnete Saldo.
Die 1,34 Millionen Euro passiven latenten Steuern dürfen deshalb nicht so verstanden werden, als müsse die Gesellschaft diesen Betrag kurzfristig an das Finanzamt überweisen.
Rückstellungen gehen deutlich zurück
Die Rückstellungen reduzierten sich ebenfalls.
Ende 2024 wurden noch 39.285,35 Euro ausgewiesen.
Ende 2025 waren es 24.159,57 Euro.
Das entspricht einem Rückgang um rund 38,5 Prozent.
Nach Angaben der Gesellschaft haben die Rückstellungen jeweils eine voraussichtliche Restlaufzeit von weniger als einem Jahr.
Gemessen an der Bilanzsumme spielen sie allerdings nur eine untergeordnete Rolle.
Zusätzlich 836.900 Euro jährliche Verpflichtungen
Neben den bilanzierten Verbindlichkeiten bestehen weitere vertragliche Verpflichtungen.
Diese summieren sich laut Jahresabschluss derzeit auf:
836.900 Euro jährlich.
Der mit Abstand größte Posten ist die Wartung der Windenergieanlagen.
Dafür werden 549.200 Euro pro Jahr genannt.
Hinzu kommen 232.400 Euro für Miet- und Pachtverhältnisse sowie 55.300 Euro für die kaufmännische Betriebsführung.
Damit entfallen rund 65,6 Prozent der genannten jährlichen Verpflichtungen allein auf die Wartung.
Miete und Pacht machen weitere rund 27,8 Prozent aus.
Zusammen stehen diese beiden Positionen für mehr als 93 Prozent der angegebenen jährlichen Verpflichtungen.
Pachtverträge laufen bis 2041
Auch die Laufzeiten sind relevant.
Die Miet- und Pachtverhältnisse laufen nach den Angaben des Unternehmens bis 2041.
Der Wartungsvertrag läuft bis 2036.
Die Verpflichtung aus der kaufmännischen Betriebsführung ist bis 2026 angegeben.
Die genannten 836.900 Euro sind allerdings keine zum 31. Dezember 2025 zusätzlich sofort fälligen Schulden.
Es handelt sich um jährlich anfallende finanzielle Verpflichtungen aus bestehenden Vertragsverhältnissen.
Gerade für die langfristige Wirtschaftlichkeit des Windparks sind solche Fixkosten dennoch von Bedeutung.
Beteiligung an Infrastrukturgesellschaft
Westerengel besitzt außerdem 50 Prozent der Anteile an der Infrastruktur Engel GmbH & Co. KG in Husum.
Die Beteiligungsgesellschaft verfügte zum 31. Dezember 2024 nach Angaben im Jahresabschluss über ein positives Eigenkapital von lediglich 576,89 Euro.
Für 2024 wird dort ein Jahresfehlbetrag von 676,69 Euro genannt.
Ein Jahresabschluss für 2025 lag bei Erstellung des Westerengel-Abschlusses noch nicht vor.
Angesichts der geringen absoluten Beträge lässt sich daraus zunächst kein wesentlicher Einfluss auf die Bilanz der Windparkgesellschaft ableiten.
Die Beteiligung selbst wird innerhalb der Finanzanlagen von Westerengel mit insgesamt 20.000 Euro eingeordnet, wobei aus den veröffentlichten Angaben nicht weiter aufgeschlüsselt wird, ob dieser Betrag ausschließlich auf diese Beteiligung entfällt.
Keine eigenen Beschäftigten
Auch die CEE Windpark Westerengel GmbH & Co. KG beschäftigte im Geschäftsjahr 2025 keine eigenen Arbeitnehmerinnen oder Arbeitnehmer.
Der Betrieb wird damit über externe beziehungsweise konzern- oder dienstleistungsbezogene Strukturen organisiert.
Allein Wartung und kaufmännische Betriebsführung führen laut Anhang zu jährlichen Verpflichtungen von mehr als 600.000 Euro.
Kein Hinweis auf bilanzielle Überschuldung
Ein wichtiger Unterschied zu anderen Projektgesellschaften sollte ausdrücklich hervorgehoben werden.
Westerengel weist keinen nicht durch Vermögenseinlagen gedeckten Verlustanteil aus.
Das Eigenkapital bleibt trotz des Bilanzverlusts mit rund 2,95 Millionen Euro positiv.
Von einer bilanziellen Überschuldung kann auf Grundlage der vorgelegten Bilanz daher nicht gesprochen werden.
Der Bilanzverlust von 345.420 Euro hat vielmehr einen Teil des vorhandenen Eigenkapitalpolsters aufgezehrt.
Sollten in den kommenden Jahren weitere Verluste entstehen, wäre die weitere Entwicklung dieses Puffers relevant.
Für 2025 besteht aber noch ein deutlicher Abstand zu einer vollständigen Aufzehrung des Eigenkapitals.
Interessant ist die Kombination aus Verlust und Tilgung
Der Jahresabschluss enthält damit zwei scheinbar gegenläufige Signale.
Einerseits steht ein Bilanzverlust von rund 345.000 Euro.
Andererseits wurden allein die Bankverbindlichkeiten um mehr als 2,13 Millionen Euro reduziert.
Auch die Gesamtverbindlichkeiten gingen um rund 1,60 Millionen Euro zurück.
Das zeigt erneut, warum bei einer Windparkgesellschaft handelsrechtliches Ergebnis und Liquiditätsentwicklung getrennt betrachtet werden müssen.
Die entscheidende Frage lautet deshalb:
Wie viel Zahlungsmittelüberschuss erwirtschaftet der Windpark tatsächlich aus dem laufenden Betrieb?
Diese Information wäre besonders wertvoll, weil daraus ersichtlich würde, wie komfortabel Zins, Tilgung, Wartung, Pacht und weitere Verpflichtungen aus dem laufenden Geschäft finanziert werden können.
Die wichtigsten Ertragszahlen fehlen
Für eine vollständige wirtschaftliche Beurteilung fehlen deshalb mehrere zentrale Kennzahlen.
Der veröffentlichte Abschluss beantwortet nicht, wie hoch die Stromproduktion 2025 war, welche Stromerlöse erzielt wurden, wie hoch das operative Ergebnis ausfiel oder welcher Zinsaufwand entstanden ist.
Auch ein Cashflow-Statement ist nicht enthalten.
Damit lässt sich anhand der veröffentlichten Zahlen zwar die Bilanzstruktur detailliert analysieren, nicht aber die tatsächliche Ertragskraft vollständig beurteilen.
Gerade vor dem Hintergrund des neuen Bilanzverlusts wäre diese Information besonders interessant.