Russische Ermittlungsbehörden machen die Ukraine für einen mutmaßlichen Anschlag auf einen der ranghöchsten Geheimdienstoffiziere des Landes verantwortlich. Wie das russische Ermittlungskomitee mitteilte, soll der ukrainische Geheimdienst hinter dem Attentatsversuch auf Generalleutnant Wladimir Alexejew stecken, der am Freitagmorgen in Moskau niedergeschossen wurde. Der General überlebte den Angriff schwer verletzt und befindet sich nach einer Operation außer Lebensgefahr.
Der Vorfall ereignete sich in einem Wohngebäude an der Wolokolamskoje-Chaussee im Nordwesten der russischen Hauptstadt. Ein Angreifer feuerte mehrere Schüsse auf Alexejew ab und flüchtete anschließend. Am Tatort fanden Ermittler eine Makarow-Pistole mit Schalldämpfer. Laut russischen Behörden handelt es sich bei dem mutmaßlichen Täter um einen Mann Mitte 60 aus der westukrainischen Region Ternopil. Dieser sei bereits im Dezember nach Russland eingereist – angeblich auf Anweisung der Geheimdienste in Kyjiw.
Nach Angaben des Inlandsgeheimdienstes FSB verließ der Verdächtige unmittelbar nach der Tat Russland und flog nach Dubai. Dort wurde er festgenommen und später an Russland ausgeliefert. Ein weiterer mutmaßlicher Komplize wurde ebenfalls festgenommen, während eine dritte beteiligte Person laut Ermittlern in die Ukraine entkommen sein soll. Der Kreml bestätigte, dass Präsident Wladimir Putin dem Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate, Mohammed bin Zayed Al Nahyan, für die Unterstützung bei der Festnahme gedankt habe.
Die ukrainische Regierung weist die Vorwürfe entschieden zurück. Außenminister Andrij Sybiha erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, Kyjiw habe keinerlei Verbindung zu dem Anschlag. Unabhängige Bestätigungen der russischen Darstellung liegen bislang nicht vor.
Alexejew, 64 Jahre alt, ist erster stellvertretender Leiter des russischen Militärgeheimdienstes GRU und gilt als Schlüsselfigur im Sicherheitsapparat des Landes. Internationale Bekanntheit erlangte er 2023 während des Aufstands der Wagner-Söldnertruppe, als er im Auftrag des Kremls mit deren Anführer Jewgeni Prigoschin verhandelte. Zudem steht Alexejew seit Jahren auf westlichen Sanktionslisten. Die USA belegten ihn 2016 wegen angeblicher Cyberangriffe auf demokratische Prozesse mit Strafmaßnahmen, die EU folgte 2019 im Zusammenhang mit dem Nervengiftanschlag von Salisbury.
Der Anschlag reiht sich in eine Serie von Angriffen auf hochrangige russische Militär- und Sicherheitsvertreter ein. Erst im Dezember war ein General bei einem Autobombenanschlag in Moskau getötet worden, auch damals machten russische Behörden die Ukraine verantwortlich. Die Ereignisse unterstreichen die zunehmende Eskalation im verdeckten Konflikt zwischen Moskau und Kyjiw – selbst weit entfernt von der Frontlinie.