Der republikanische Kongressabgeordnete Thomas Massie hat den Rücktritt von US-Handelsminister Howard Lutnick gefordert. Hintergrund sind neue Enthüllungen aus den freigegebenen Jeffrey-Epstein-Akten, die laut Massie ernsthafte Fragen zu Lutnicks früheren Kontakten mit dem verstorbenen Sexualstraftäter aufwerfen. Massie ist Mitverfasser jenes Gesetzes, das die Veröffentlichung der Epstein-Dokumente erzwungen hat, und gehört seit Monaten zu den treibenden Kräften im Kongress, die vollständige Transparenz fordern.
In einem Interview mit CNN erklärte Massie, Lutnick solle nicht vor dem Kongress aussagen, sondern sein Amt niederlegen. Er verwies dabei auf politische Konsequenzen in anderen Ländern: In Großbritannien seien bereits mehrere Amtsträger wegen deutlich geringerer Vorwürfe zurückgetreten. Lutnick habe „eine Menge zu erklären“, so Massie, und könne dem Präsidenten einen Gefallen tun, indem er durch seinen Rücktritt weiteren Schaden vom Amt abwende.
Lutnick hatte in der Vergangenheit betont, er habe den Kontakt zu Epstein bereits 2005 abgebrochen. Anlass sei ein unangenehmes Treffen in Epsteins New Yorker Anwesen gewesen, bei dem ihm das Verhalten des später verurteilten Sexualstraftäters zutiefst suspekt erschienen sei. In einem Interview beschrieb Lutnick eine Szene mit einem Massagetisch und anzüglichen Bemerkungen, nach der er beschlossen habe, Epstein künftig zu meiden.
Doch die nun veröffentlichten Dokumente zeichnen ein anderes Bild. Sie legen nahe, dass Lutnick auch nach 2005 mehrfach versucht habe, Kontakt zu Epstein aufzunehmen. So soll er noch Jahre später Treffen geplant, Telefonate angestrebt und sogar logistische Details für eine Begegnung auf Epsteins Karibikinsel erfragt haben. Besonders brisant: Diese Kontakte sollen teilweise nach Epsteins Schuldeingeständnis von 2008 erfolgt sein, als dieser wegen der Beschaffung einer Minderjährigen für Prostitution verurteilt wurde.
Ein Sprecher des Handelsministeriums wies die Vorwürfe zurück. Lutnick habe nur begrenzte Kontakte zu Epstein gehabt, stets im Beisein seiner Ehefrau, und sei nie eines Fehlverhaltens beschuldigt worden. Dennoch wächst der politische Druck. Massie betonte, es gehe ihm nicht darum, parteipolitische Schuldzuweisungen vorzunehmen. Während Demokraten versuchten, den Fall mit Donald Trump zu verknüpfen, und Republikaner den Fokus auf die Clintons legten, wolle er vor allem eines: Gerechtigkeit für die Opfer und vollständige Transparenz.
Ob der Kongress weitere hochrangige Persönlichkeiten vorladen wird, ist offen. Klar ist jedoch, dass die Epstein-Akten weiterhin politische Sprengkraft besitzen – und Karrieren gefährden können.