Das britische Außenministerium überprüft derzeit eine Abfindungszahlung an Lord Peter Mandelson, nachdem dieser im vergangenen September als britischer Botschafter in den USA entlassen worden war. Wie Quellen aus dem Foreign Office der BBC bestätigten, wurde die Überprüfung angestoßen, nachdem neue Details zu Mandelsons Kontakten mit dem verstorbenen US-Finanzier und verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein bekannt wurden. Parallel dazu läuft in Großbritannien eine polizeiliche Untersuchung.
Lord Mandelson, ein einflussreicher Labour-Politiker und ehemaliger Minister, soll nach seiner Abberufung eine Abfindung von bis zu 40.000 Pfund erhalten haben. Nach Angaben der Zeitung The Times entsprach diese Zahlung etwa drei Monatsgehältern. Das Gehalt des britischen US-Botschafters wird üblicherweise mit rund 155.000 bis 160.000 Pfund jährlich angegeben, was die Höhe der vermuteten Abfindung erklären würde.
Ein Sprecher des Außenministeriums erklärte, dass Mandelsons Beschäftigungsverhältnis „in Übereinstimmung mit rechtlicher Beratung sowie den geltenden Vertragsbedingungen“ beendet worden sei. Man habe dabei die üblichen HR-Prozesse des öffentlichen Dienstes eingehalten. Weitere Informationen sollen dem Parlament im Rahmen einer offiziellen Regierungsantwort vorgelegt werden, die derzeit vom Kabinettsbüro koordiniert wird.
Brisant ist vor allem der zeitliche Kontext: Mandelsons frühere Verbindung zu Epstein war bereits bei seiner Ernennung im Dezember 2024 bekannt. Dennoch wurde er erst entlassen, nachdem laut Downing Street neue Erkenntnisse über die Tiefe dieser Beziehung ans Licht gekommen waren. Dazu zählen E-Mails, in denen Mandelson Epstein auch nach dessen Verurteilung wegen Sexualdelikten im Jahr 2008 unterstützende Nachrichten geschickt haben soll.
Die jüngste Veröffentlichung von US-Regierungsakten im Januar brachte weitere Details zutage. Darunter befinden sich E-Mail-Wechsel aus der Zeit, als Mandelson Mitglied des Kabinetts von Premierminister Gordon Brown war. Eine Nachricht deutet darauf hin, dass Mandelson Epstein im Jahr 2010 vorab über ein geplantes EU-Rettungspaket in Höhe von 500 Milliarden Euro zur Stabilisierung des Euro informiert haben könnte. Eine weitere E-Mail aus dem Jahr 2009 enthält ein Memo eines Beraters, in dem Maßnahmen zur Bewältigung der britischen Wirtschaftskrise diskutiert wurden.
Am vergangenen Freitag durchsuchte die Polizei zwei mit Mandelson in Verbindung stehende Immobilien. Festgenommen wurde er bislang nicht. Die Metropolitan Police ermittelt wegen des Verdachts auf Amtsmissbrauch. Mandelson selbst äußerte sich nicht öffentlich, ließ jedoch über sein Umfeld mitteilen, er habe weder kriminell gehandelt noch aus finanziellen Motiven agiert.
Laut Deputy Assistant Commissioner Hayley Sewart handelt es sich um eine komplexe Untersuchung, die noch einige Zeit in Anspruch nehmen werde. Eine laufende Berichterstattung über Zwischenergebnisse schloss die Polizei aus.