In Südfrankreich ist eine 35-jährige Richterin gemeinsam mit ihrer Mutter nach rund 30 Stunden Gefangenschaft aus einer Garage befreit worden – dank ihres eigenen Mutes und der Hilfe eines aufmerksamen Nachbarn. Der Fall reiht sich in eine Serie von Entführungen ein, bei denen Lösegeld in Kryptowährungen gefordert wird, und sorgt erneut für Besorgnis über die wachsende Zahl sogenannter Krypto-Entführungen in Frankreich.
Auslöser der dramatischen Ereignisse war eine Schocknachricht: Der Lebensgefährte der Richterin erhielt vergangene Woche ein Foto seiner Partnerin, verbunden mit der Drohung, sie zu verstümmeln, sollte kein Lösegeld in Kryptowährung gezahlt werden. Der Mann, der in einem Start-up mit Bezug zu Kryptowährungen tätig ist, alarmierte umgehend die Polizei. Daraufhin wurde eine großangelegte Fahndung eingeleitet, an der bis zu 160 Einsatzkräfte beteiligt waren.
Die beiden Frauen wurden in einer Garage in Bourg-lès-Valence im Département Drôme festgehalten. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft nutzten sie einen unbeobachteten Moment, um sich selbst zu befreien. Sie machten durch lautes Klopfen und Rufen auf sich aufmerksam. Ein Nachbar, der die Geräusche hörte, öffnete schließlich das Garagentor und ermöglichte ihnen die Flucht. Beide Frauen wurden anschließend in ein Krankenhaus gebracht.
Am Sonntag nahm die Polizei sechs Tatverdächtige fest, darunter auch einen Minderjährigen. Die Hauptverdächtigen sollen sich in ihren Zwanzigern befinden und wurden in Lyon und Chambéry aufgegriffen. Die Ermittlungen dauern an.
Der Fall steht exemplarisch für eine beunruhigende Entwicklung: Immer häufiger werden Personen mit Bezug zur Kryptowelt oder deren Angehörige Ziel von Entführungen. Auch international häufen sich ähnliche Vorfälle. In den USA wird derzeit nach der 84-jährigen Mutter einer bekannten Fernsehmoderatorin gesucht; auch hier sollen Millionenbeträge in Bitcoin gefordert worden sein.
Trotz der Annahme, Kryptowährungen seien anonym und nicht rückverfolgbar, widersprechen Experten dieser Darstellung. Jede Transaktion werde in einer öffentlichen Blockchain dokumentiert und könne prinzipiell nachverfolgt werden, betonen IT-Sicherheitsexperten. Bitcoin gelte sogar als eine der transparentesten Währungen überhaupt.
Bereits in den vergangenen Jahren kam es in Frankreich und Belgien zu spektakulären Entführungsfällen im Zusammenhang mit Kryptowährungen. So wurde unter anderem der Mitgründer eines Krypto-Unternehmens gemeinsam mit seiner Ehefrau entführt; die Täter verschickten zur Erpressung ein grausames Beweisvideo.
Die jüngste Rettung in Bourg-lès-Valence zeigt jedoch auch: Zivilcourage und schnelles Handeln können Leben retten. Der aufmerksame Nachbar, der zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort war, wurde für die beiden Frauen zum entscheidenden Hoffnungsschimmer.