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„Zugpferd“ der Edelmetalle: Darum boomt Silber, wenn der Goldpreis steigt

Clker-Free-Vector-Images (CC0), Pixabay

Der Goldpreis eilt von Rekord zu Rekord – und reißt den Silbermarkt gleich mit. Aktuell legt auch Silber an den Börsen kräftig zu und nähert sich historischen Höchstständen. Für viele Anleger stellt sich die Frage, warum Silber oft im Schatten von Gold zunächst zurückbleibt, dann aber besonders dynamisch nachzieht. Rohstoffexpertin Thu Lan Nguyen von der Commerzbank erklärt die Zusammenhänge.

Silber profitiert traditionell vom Goldpreis als eine Art „Zugpferd“. Steigt Gold deutlich, rückt das Edelmetall verstärkt in den Fokus der Anleger. Gold gilt als klassischer sicherer Hafen in Krisenzeiten, bei geopolitischen Spannungen oder Inflationsängsten. Wenn Investoren vermehrt in Gold gehen, wächst meist auch das Interesse an Silber – zum einen aus psychologischen Gründen, zum anderen wegen der engen historischen Preisbeziehung beider Metalle.

Ein wichtiger Faktor ist dabei der sogenannte Gold-Silber-Ratio, also das Verhältnis zwischen den Preisen beider Edelmetalle. Steigt Gold stark, ohne dass Silber zunächst mithält, erscheint Silber im Vergleich günstig. Viele Investoren setzen dann auf einen Nachholeffekt – was die Nachfrage und damit den Preis von Silber antreibt. „Silber läuft häufig verzögert, dann aber mit größerer Dynamik“, erklärt Nguyen.

Hinzu kommt der industrielle Charakter von Silber. Anders als Gold wird Silber zu einem großen Teil in der Industrie verwendet, etwa in der Elektronik, in der Medizintechnik und vor allem in der Solarindustrie. In Phasen, in denen sich wirtschaftliche Perspektiven stabilisieren oder Investitionen in Zukunftstechnologien zunehmen, erhält Silber zusätzlichen Rückenwind. Der aktuelle Boom bei erneuerbaren Energien verstärkt diesen Effekt.

Trotzdem bleibt Silber stark vom Goldpreis abhängig. Eine vollständige Entkopplung hält Nguyen kurzfristig für unwahrscheinlich. Dafür seien die Märkte zu eng miteinander verflochten, sowohl auf der Anleger- als auch auf der Handelsseite. Gold gebe in unsicheren Zeiten meist die Richtung vor, Silber folge – mal langsamer, mal schneller.

Langfristig könne Silber jedoch zeitweise besser abschneiden als Gold, gerade wenn die industrielle Nachfrage kräftig wächst und gleichzeitig das Angebot begrenzt bleibt. Für Anleger bedeutet das: Wer auf Edelmetalle setzt, sollte die Rolle von Silber nicht unterschätzen – auch wenn das „Zugpferd“ an der Spitze weiterhin Gold bleibt.

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