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Crowdinvesting bei FMTG im Check: Ordnungsgemäße Mittelverwendung – aber komplexe Struktur birgt Risiken für Anleger

FuchZ23 (CC0), Pixabay

Die Mittelverwendungskontrolle zum Crowdinvesting-Projekt der FMTG – Falkensteiner Michaeler Tourism Group AG liefert auf den ersten Blick eine beruhigende Botschaft für Anleger: Die eingesammelten rund 3,0 Millionen Euro wurden laut Kontrollbericht vollständig und planmäßig entsprechend den Vorgaben des Vermögensanlagen-Informationsblatts (VIB) eingesetzt.

Doch bei genauerer Betrachtung zeigt sich ein deutlich komplexeres Bild, das aus Anlegersicht differenziert bewertet werden sollte.

Formale Ordnungsmäßigkeit bestätigt

Die Mittelverwendung wurde durch die Rödl Treuhand Hamburg GmbH als Mittelverwendungskontrolleur gemäß § 5c Vermögensanlagengesetz überprüft.

Das Ergebnis:

  • Sämtliche Anlegergelder wurden vollständig verwendet
  • Die Verwendung erfolgte vertragsgemäß
  • Die Zahlungsflüsse sind dokumentiert und nachvollziehbar
  • Es bestehen keine Hinweise auf zweckwidrige Mittelverwendung

Aus juristischer Sicht ist das ein zentraler Punkt: Anleger können sich darauf verlassen, dass die Mittel formal korrekt eingesetzt wurden. Das ist jedoch nicht gleichbedeutend mit wirtschaftlichem Erfolg oder Risikofreiheit.

Die Struktur: Vier Ebenen und viele Abhängigkeiten

Das Investitionsmodell ist mehrstufig aufgebaut und umfasst mehrere Gesellschaften innerhalb der FMTG-Gruppe:

  1. Weitergabe der Anlegergelder als Gesellschafterzuschuss
  2. Tilgung konzerninterner Finanzierungen
  3. Investition in ein Hotelprojekt in Sizilien
  4. Rückzahlung über Markenlizenz-Einnahmen

Diese Struktur ist rechtlich zulässig, aber aus Anlegersicht anspruchsvoll.

Kritischer Punkt:
Die Anleger investieren nicht direkt in das Hotelprojekt, sondern indirekt über mehrere Zwischenschritte. Dadurch entstehen zusätzliche Abhängigkeiten innerhalb der Konzernstruktur.

Zentrale Schwachstelle: Nachrangdarlehen

Das Investment erfolgt in Form eines qualifizierten Nachrangdarlehens.

Das bedeutet:

  • Rückzahlung erfolgt erst nach allen anderen Gläubigern
  • Im Krisenfall droht ein vollständiger Kapitalverlust
  • Durchsetzung von Ansprüchen ist eingeschränkt

Diese Konstruktion ist typisch für Crowdinvesting – wird aber von vielen Anlegern oft unterschätzt.

Verwendung der Mittel: Schuldenabbau statt Neuinvestition

Ein besonders relevanter Punkt für Anleger ist die tatsächliche Mittelverwendung:

Ein Großteil der Gelder wurde genutzt, um bestehende konzerninterne Finanzierungen abzulösen.

Das bedeutet konkret:

  • Das Kapital floss nicht unmittelbar in neue Wertschöpfung
  • Stattdessen wurde die Finanzstruktur innerhalb des Konzerns optimiert

Einordnung:
Das ist nicht unzulässig, kann aber aus Anlegersicht kritisch sein, da der direkte Bezug zur Renditequelle weniger greifbar wird.

Rückzahlung abhängig von Markenlizenz-Einnahmen

Die Rückzahlung der Anlegergelder erfolgt nicht direkt aus dem Hotelbetrieb, sondern über Einnahmen aus Markenrechten („Falkensteiner Hotels & Residences“).

Damit hängt die Rückzahlung von mehreren Faktoren ab:

  • wirtschaftlicher Erfolg der Hotelgruppe insgesamt
  • Stabilität der Markenstrategie
  • interne Zahlungsströme innerhalb des Konzerns

Risiko:
Diese indirekte Struktur kann die Transparenz für Anleger reduzieren.

Projekt selbst: Hochwertig, aber langfristig

Das zugrunde liegende Projekt – ein 5-Sterne-Resort in Sizilien – wirkt grundsätzlich solide:

  • geplante Eröffnung: 2026
  • etablierte Marke
  • touristisch attraktiver Standort

Allerdings:

  • Rückflüsse sind langfristig ausgelegt
  • wirtschaftlicher Erfolg hängt stark von Auslastung und Marktumfeld ab

Positive Aspekte für Anleger

Trotz der kritischen Punkte gibt es auch klare Stärken:

  • Mittelverwendung vollständig dokumentiert und bestätigt
  • Etablierter Anbieter im Tourismussektor
  • Klare Projektstruktur mit realem Anlageobjekt
  • Einnahmequelle (Markenlizenz) bereits in bestehendes Geschäftsmodell eingebettet

Kritische Gesamtbewertung aus Anlegersicht

Das Investment ist kein klassisches, einfach nachvollziehbares Projekt, sondern ein komplex strukturiertes Konzerninvestment.

Wesentliche Risiken:

  • Nachrangigkeit des Darlehens
  • Mehrstufige Kapitalverwendung
  • Abhängigkeit von internen Zahlungsströmen
  • indirekte Renditequelle

Wesentliche Chancen:

  • etablierte Marke
  • touristischer Wachstumsmarkt
  • planmäßige Umsetzung bisher erfolgt

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