Papst Leo XIV hat eindringlich vor den gesellschaftlichen und seelischen Risiken sogenannter „übermäßig affektiver“ KI-Chatbots gewarnt. In einer Botschaft im Vorfeld des katholischen Welttags der sozialen Kommunikationsmittel mahnte das Kirchenoberhaupt zu klaren ethischen und rechtlichen Leitplanken für den Einsatz künstlicher Intelligenz. Besonders problematisch sei, wenn digitale Assistenten nicht mehr nur Werkzeuge, sondern emotionale Bezugspunkte für Menschen würden.
Der US-amerikanische Papst betonte, dass künstliche Intelligenz zwar enorme Chancen biete, zugleich aber die menschliche Kreativität und Entscheidungsfähigkeit untergraben könne. In einer Welt, in der Nutzer ständig durch Informationsströme scrollen, werde es immer schwieriger zu erkennen, ob man mit echten Menschen, Bots oder virtuellen Influencern kommuniziere. Diese Unschärfe berge laut Leo XIV erhebliche Gefahren für die emotionale Selbstbestimmung des Menschen.
Besonders kritisch äußerte sich der Papst zu Chatbots, die bewusst „zuwendend“, immer verfügbar und emotional ansprechbar gestaltet seien. Solche Systeme könnten, so Leo, zu „versteckten Architekten unserer Gefühlswelt“ werden und in den intimsten Bereich menschlichen Erlebens eindringen. Damit bestehe das Risiko, dass Menschen eine ungesunde emotionale Abhängigkeit von Maschinen entwickeln.
Im Vergleich zu seinen Vorgängern gilt Leo XIV als technikaffin. Bereits vor seiner Wahl nutzte er soziale Medien, und auch als Papst zeigt er sich offen für digitale Technologien. Dennoch macht er deutlich, dass technischer Fortschritt ohne ethische Verantwortung gefährlich sei. Kurz nach seinem Amtsantritt erklärte er künstliche Intelligenz zu einem Schwerpunkt seines Pontifikats und forderte ein internationales ethisches Rahmenwerk.
Besondere Dringlichkeit erhielt das Thema durch ein Treffen des Papstes mit Megan Garcia, deren 14-jähriger Sohn nach intensiver Interaktion mit einem KI-Chatbot Suizid beging. Leo XIV rief daraufhin nationale Regierungen und internationale Organisationen zu entschlossenem Handeln auf. Ziel müsse es sein, Menschen vor manipulativen Inhalten, emotionaler Abhängigkeit und gezielter Desinformation zu schützen.
Darüber hinaus forderte der Papst eine klare Kennzeichnung von KI-generierten Inhalten. Journalistische Arbeit und geistiges Eigentum müssten geschützt werden, da Information ein öffentliches Gut sei. Auch Medienunternehmen nahm er in die Pflicht, Algorithmen nicht ausschließlich zur Maximierung von Aufmerksamkeit einzusetzen, wenn dies journalistische Werte untergrabe.
Abschließend äußerte Leo XIV Sorge über die Machtkonzentration bei wenigen großen Technologieunternehmen. Eine kleine Gruppe von Akteuren könne durch KI-Systeme menschliches Verhalten subtil beeinflussen und sogar Geschichtsbilder verändern – auch jene der Kirche. Der Welttag der sozialen Kommunikationsmittel im Mai 2026 steht daher ganz im Zeichen des Schutzes der menschlichen Würde im digitalen Zeitalter.