Unter massivem internationalem Druck ist ein geplanter Abriss eines palästinensischen Fußballplatzes im Flüchtlingslager Aida nahe Bethlehem im besetzten Westjordanland vorerst gestoppt worden. Nach Angaben von mit dem Vorgang vertrauten Quellen haben sich die internationalen Fußballverbände FIFA und UEFA gemeinsam mit Schweizer Diplomaten eingeschaltet, um den Abriss des Platzes zu verhindern. Der Sportplatz gilt für hunderte Kinder und Jugendliche als wichtiger Schutz- und Begegnungsraum in einem von Konflikten geprägten Umfeld.
Der Präsident des Weltfußballverbands FIFA, Gianni Infantino, sowie UEFA-Präsident Aleksandr Čeferin nahmen demnach direkten Kontakt zu israelischen Stellen auf. Čeferin sprach zudem mit dem Präsidenten des israelischen Fußballverbands (IFA), Moshe Zuares. In einer Stellungnahme erklärte die UEFA, man hoffe, dass der Platz weiterhin als „sicherer Ort für Kinder und Jugendliche“ dienen könne. Der IFA bestätigte gegenüber CNN, dass man die zuständigen Behörden gebeten habe, die Abrissentscheidung auszusetzen. Eine endgültige rechtliche Klärung stehe jedoch noch aus.
Die israelische Armee hatte am 31. Dezember einen Abrissbefehl für den Spiel- und Fußballplatz erlassen. Begründet wurde dies mit dem Vorwurf, die Anlage sei ohne Genehmigung errichtet worden. Videoaufnahmen des Aida Youth Centers zeigten Soldaten, die den Abrissbescheid am Eingang des Geländes anbrachten. Das Jugendzentrum warnte damals, dass hunderte Kinder ihres „Rechts auf Spiel und Lernen“ beraubt würden. Man sprach von einem weiteren Schlag gegen zivile und sportliche Einrichtungen in palästinensischen Gebieten.
Das Flüchtlingslager Aida, in dem rund 7.000 Menschen leben, grenzt direkt an die israelische Sperranlage. Aufgrund dieser Nähe sind viele Freizeitflächen für Kinder nicht zugänglich. Laut den Vereinten Nationen wurde der Fußballplatz gerade deshalb gebaut – als Ersatz für fehlende öffentliche Räume und als Ort, an dem Kinder ein Stück Normalität erleben können.
Trotz der vorläufigen Aussetzung des Abrisses bleibt die Situation angespannt. Das Aida Youth Center begrüßte zwar die Intervention von FIFA und UEFA, betonte jedoch, dass bislang keine offizielle Bestätigung der israelischen Behörden vorliege. Man befürchte, dass der Abriss zu einem späteren Zeitpunkt erneut drohen könnte, sobald der internationale Druck nachlasse. Daher werde die Kampagne zum Schutz des Platzes fortgesetzt.
Unterstützung erhielt das Camp auch aus den sozialen Medien. Die US-amerikanische Kinderpädagogin und YouTuberin Rachel Accurso, bekannt als „Ms. Rachel“, sprach in einer Live-Schaltung mit den Kindern des Lagers und versprach Hilfe. Sie bezeichnete den vorläufigen Stopp des Abrisses als „großen Sieg für Kinderrechte weltweit“ und betonte, jedes Kind habe das Recht zu spielen und gehört zu werden.