Der irische Ryanair-Chef Michael O’Leary ist bekannt für provokante Aussagen und markige Sprüche. Doch sein jüngster Schlagabtausch mit Tech-Milliardär Elon Musk hebt selbst für seine Verhältnisse das Niveau der öffentlichen Auseinandersetzung auf eine neue Stufe. Auslöser war die Frage, ob Ryanair künftig das Satelliten-Internet Starlink von Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX an Bord seiner Flugzeuge einsetzen soll.
O’Leary erteilte dieser Idee eine klare Absage. In einem Interview erklärte er, dass die zusätzlichen Antennen zu schwer seien und dadurch den Treibstoffverbrauch der Boeing-Flotte erhöhen würden. Für eine Billigfluglinie, deren Geschäftsmodell auf maximaler Kosteneffizienz beruht, sei das nicht akzeptabel. Musk konterte prompt und bezeichnete O’Learys Einschätzung als „falsch informiert“. Daraufhin nannte der Ryanair-Chef den Tesla- und SpaceX-Gründer öffentlich einen „Idioten“ – der Ton war gesetzt.
Die Auseinandersetzung eskalierte weiter, als Musk O’Leary auf seiner Plattform X als „völligen Idioten“ und „Dummkopf“ beschimpfte und sogar vorschlug, Ryanair übernehmen zu wollen. In einer Online-Umfrage ließ er seine Follower über diese Idee abstimmen – mehr als drei Viertel sprachen sich dafür aus. O’Leary reagierte gelassen und spöttisch zugleich. Bei einer Pressekonferenz in Dublin erinnerte er daran, dass EU-Recht Nicht-Europäern ohnehin verbietet, eine Mehrheitsbeteiligung an einer europäischen Airline zu halten.
Gleichzeitig zeigte sich der Ryanair-Chef offen für Investitionen: Musk könne gerne Aktien kaufen, Kontrolle über das Unternehmen werde er jedoch nie erlangen. Mit einem Seitenhieb fügte O’Leary hinzu, eine Beteiligung an Ryanair verspreche bessere Renditen als Musks soziales Netzwerk X.
Die öffentliche Fehde entwickelte sich schnell zu einer Marketingchance. Ryanair startete kurzerhand eine Sonderaktion mit dem Titel „Great idiot seat sale“, bei der 100.000 Tickets zu besonders günstigen Preisen angeboten wurden – augenzwinkernd „für Elon Musk und andere Idioten auf X“. Laut O’Leary habe der Streit bereits für einen deutlichen Verkaufsschub gesorgt.
Inhaltlich bleibt die Entscheidung gegen Starlink bestehen, obwohl O’Leary das System ausdrücklich lobte. Es funktioniere hervorragend und werde von anderen Airlines erfolgreich genutzt. Die geschätzten Kosten von rund 250 Millionen US-Dollar pro Jahr und die geringe Zahlungsbereitschaft der überwiegend kurzstreckenreisenden Ryanair-Kunden – weniger als fünf Prozent würden für WLAN zahlen – seien jedoch ausschlaggebend. Ryanair prüft nun Alternativen bei anderen Anbietern.
Der Fall zeigt eindrucksvoll, wie persönliche Egos, wirtschaftliche Interessen und soziale Medien heute ineinandergreifen – und wie selbst ein Streit in 10.000 Metern Höhe zum PR-Erfolg werden kann.