In vielen Ländern gilt die Bonitätsprüfung von Bewerberinnen und Bewerbern inzwischen als umstritten. Zwar greifen Arbeitgeber heute deutlich seltener auf Kreditberichte zurück als noch vor einigen Jahren, doch ganz verschwunden ist diese Praxis nicht. In bestimmten Fällen kann ein negativer Eintrag in der Kreditauskunft weiterhin darüber entscheiden, ob man einen Job bekommt oder nicht.
Ein wichtiger Grund für den Rückgang solcher Prüfungen sind neue Gesetze. Immer mehr US-Bundesstaaten verbieten Arbeitgebern, die Kreditwürdigkeit bei Einstellungs- oder Beförderungsentscheidungen zu berücksichtigen. New York ist jüngst der elfte Staat, der entsprechende Regelungen eingeführt hat. Ähnliche Gesetze existieren unter anderem in Kalifornien, Illinois und Washington sowie auf kommunaler Ebene in Städten wie New York City oder Chicago. Ziel dieser Regelungen ist es, Bewerber vor Diskriminierung zu schützen, die nichts mit ihrer fachlichen Eignung zu tun hat.
Trotzdem gibt es Ausnahmen. In sicherheitsrelevanten Berufen, im Finanzsektor oder in Positionen mit Zugang zu sensiblen Daten oder Unternehmensgeldern dürfen Arbeitgeber weiterhin Kreditberichte einsehen. Die dahinterstehende Annahme: Menschen mit hohen Schulden oder finanziellen Schwierigkeiten könnten anfälliger für Betrug, Diebstahl oder Bestechung sein. Ob diese Annahme gerechtfertigt ist, bleibt allerdings umstritten.
Was genau weckt bei Arbeitgebern Misstrauen? Meist geht es nicht um einzelne verspätete Zahlungen, sondern um Umfang und Aktualität negativer Einträge. Stark überfällige Schulden, Inkassoverfahren oder abgeschriebene Forderungen können als Zeichen finanzieller Instabilität gewertet werden – insbesondere bei Positionen mit finanzieller Verantwortung. Andere Schulden, etwa aus Studienkrediten oder medizinischen Behandlungen, werden dagegen häufig weniger streng beurteilt, sofern sie keinen direkten Bezug zur Stelle haben.
Wichtig ist: Arbeitgeber dürfen eine Bonitätsprüfung nur mit schriftlicher Zustimmung durchführen, und meist geschieht dies erst nach einem konkreten Jobangebot. Zudem haben Bewerber das Recht, den Bericht einzusehen und auf Fehler hinzuweisen, bevor eine endgültige Entscheidung getroffen wird. Transparenz kann hier entscheidend sein. Wer problematische Einträge erklären kann, etwa durch eine frühere Krankheit oder eine Scheidung, verbessert oft seine Chancen.
Für Jobsuchende gilt daher: Prüfen Sie regelmäßig Ihre Kreditauskunft, korrigieren Sie falsche Angaben und informieren Sie sich über Ihre Rechte. Denn auch wenn die Kreditwürdigkeit seltener als früher über Karrieren entscheidet, kann sie in bestimmten Fällen noch immer den Ausschlag geben.