Mit seinem Vorschlag, die Zinsen auf Kreditkarten für ein Jahr auf 10 Prozent zu begrenzen, hat US-Präsident Donald Trump eine alte, aber hochexplosive Debatte neu entfacht. Im Zentrum steht eine Frage, die viele Amerikaner unmittelbar betrifft: Wie bezahlbar ist das Leben noch, wenn Schulden immer teurer werden? Gleichzeitig trifft die Idee den Kern des Geschäftsmodells großer Banken und sorgt an der Wall Street für erhebliche Unruhe.
Derzeit liegt der durchschnittliche Zinssatz für Kreditkarten in den USA bei rund 19,6 Prozent. Für Millionen Haushalte, die ihre laufenden Ausgaben über Kredit finanzieren, bedeutet das eine stetig wachsende Schuldenlast. Ein Zinsdeckel könnte kurzfristig spürbare Entlastung bringen und den finanziellen Druck senken. Befürworter argumentieren, dass Verbraucher jährlich zig Milliarden Dollar sparen könnten und Banken trotz geringerer Margen profitabel blieben.
Die Finanzbranche sieht das naturgemäß anders. Führungskräfte von Großbanken wie Citigroup, JPMorgan Chase oder der Bank of America warnen vor „unbeabsichtigten Folgen“. Ein staatlich verordneter Zinsdeckel, so das Argument, würde dazu führen, dass Kreditkartenanbieter ihre Risiken stärker begrenzen. Die Folge könnten strengere Bonitätsprüfungen, niedrigere Kreditlimits und der Abbau beliebter Bonus- und Cashback-Programme sein. Am Ende hätten gerade einkommensschwächere Haushalte weniger Zugang zu Krediten.
Politisch ist Trumps Vorstoß ebenfalls brisant. Zwar haben Politiker aus beiden Lagern – von Bernie Sanders bis Josh Hawley – in der Vergangenheit ähnliche Ideen unterstützt. Doch unklar bleibt, wie Trump den Zinsdeckel tatsächlich umsetzen will. Ohne ein Gesetz des Kongresses wäre er auf die freiwillige Kooperation der Kreditkartenunternehmen angewiesen, die bisher wenig Begeisterung zeigen. Kritiker werfen dem Präsidenten vor, mit einem populären, aber schwer umsetzbaren Vorschlag auf die wachsende Unzufriedenheit der Wähler zu reagieren.
Die Debatte gewinnt zusätzlich an Schärfe durch die Rekordverschuldung amerikanischer Haushalte. Mit über 1,2 Billionen Dollar an Kreditkartenschulden ist das Niveau so hoch wie nie zuvor. Reformbefürworter sehen darin den Beweis, dass der Markt versagt hat und staatliche Eingriffe notwendig sind. Gegner halten dagegen, dass strukturelle Probleme wie stagnierende Löhne und hohe Lebenshaltungskosten durch einen Zinsdeckel nicht gelöst würden.
Am Ende steht ein klassischer Zielkonflikt: Verbraucherschutz versus Marktlogik. Trumps Vorschlag mag kurzfristig Entlastung versprechen, doch ob er langfristig mehr Nutzen als Schaden bringt, bleibt offen. Sicher ist nur, dass die Diskussion um Kreditkarten, Zinsen und Bezahlbarkeit damit endgültig im Zentrum der politischen Auseinandersetzung angekommen ist.