Die Musikwelt nimmt Abschied von einer ihrer markantesten Stimmen. Der britische Rock- und Bluessänger Chris Rea ist im Alter von 74 Jahren gestorben. Wie seine Familie mitteilte, starb der Musiker nach kurzer Krankheit friedlich in einem Krankenhaus. Mit ihm verliert die internationale Musikszene einen Künstler, dessen Lieder Millionen Menschen über Jahrzehnte begleitet haben – besonders in der Weihnachtszeit.
Untrennbar mit seinem Namen verbunden ist der Song „Driving Home for Christmas“. Was einst als persönliche Beobachtung während einer Autofahrt entstand, entwickelte sich zu einem der bekanntesten Weihnachtstitel überhaupt. Jahr für Jahr läuft das Lied im Radio, begleitet Heimfahrten, Staus und das leise Gefühl von Ankommen. Für viele wurde Reas warme, rauchige Stimme zum Soundtrack der Feiertage.
Doch Chris Rea war weit mehr als ein Weihnachtsklassiker. In seiner langen Karriere veröffentlichte er 25 Studioalben und schuf zahlreiche Hits, darunter „The Road to Hell“, „On the Beach“, „Josephine“, „Let’s Dance“ und „Auberge“. Weltweit verkaufte er mehr als 30 Millionen Alben. Seine Musik – geprägt von Blues, Rock und melancholischen Gitarrenklängen – war stets unverwechselbar und fernab kurzlebiger Trends.
Geboren 1951 im englischen Middlesbrough als Sohn eines italienischen Einwanderers und einer Irin, fand Rea vergleichsweise spät zur Musik. Erst mit knapp 20 Jahren griff er zur Gitarre, obwohl er ursprünglich von einer Karriere als Filmmusiker geträumt hatte. Der Durchbruch gelang ihm 1978 mit „Fool If You Think It’s Over“, zunächst in den USA. In den 1980er-Jahren wuchs seine Popularität in Europa, während er in seiner britischen Heimat erst Ende des Jahrzehnts endgültig zum Star wurde.
Sein Leben war jedoch auch von schweren gesundheitlichen Rückschlägen geprägt. Im Jahr 2000 erkrankte Chris Rea an Bauchspeicheldrüsenkrebs und überstand eine extrem aufwendige Operation. Später folgten weitere gesundheitliche Probleme, darunter ein Schlaganfall im Jahr 2016. Trotz allem kehrte er immer wieder zur Musik zurück, wenn auch in kleinerem Rahmen. Seine offizielle Abschiedstour gab er bereits 2006, blieb aber kreativ aktiv, malte, komponierte und nahm Bluesalben in seinem eigenen Studio auf.
Privat lebte Rea ein eher zurückgezogenes Leben. Seit seiner Jugend war er mit seiner Frau Joan zusammen, mit der er eine enge, lebenslange Partnerschaft verband. Seine beiden Töchter Josephine und Julia spielten eine große Rolle in seinem Leben – und fanden sogar Eingang in seine Musik, denn zwei seiner bekanntesten Songs tragen ihre Namen.
Mit Chris Rea geht ein Künstler, der nie laut sein musste, um gehört zu werden. Seine Stimme, seine Gitarrenläufe und seine melancholischen Texte bleiben. Besonders dann, wenn sich Menschen in der Weihnachtszeit auf den Weg nach Hause machen und im Radio eine vertraute Zeile erklingt: Driving home for Christmas.