Dark Mode Light Mode

INTER ImmoProfil – Abwicklung unter Druck: Hohe Liquidität, starke Wertverluste – was Anleger jetzt wissen müssen

geralt (CC0), Pixabay

1. Gesamteinschätzung für Anleger

Der offene Immobilienfonds INTER ImmoProfil befindet sich seit April 2023 in der geordneten Abwicklung. Das Geschäftsjahr 2024/2025 war geprägt von massiven Wertverlusten, dem zunehmenden Immobilienverkauf sowie hohen Liquiditätsbeständen.

Für Anleger ergibt sich ein zwiespältiges Bild:

Kurzfristig profitieren sie von hohen Ausschüttungen, die aus Verkäufen stammen.

Langfristig ist die Rendite negativ, da der Fonds erhebliche Wertänderungsverluste verzeichnet.

Die Abwicklung schreitet voran, aber Risiken bleiben insbesondere durch Rückstellungen, Gewährleistungen und Marktunsicherheiten bestehen.

2. Wertentwicklung und Rendite – Deutlicher Rückgang

Der Fonds erzielte im Geschäftsjahr 2024/2025 eine Wertentwicklung von –24,5 %.

Damit setzte sich die negative Entwicklung der Vorjahre fort.

Weitere Kennzahlen:

3-Jahres-Performance: –30,5 %

5-Jahres-Performance: –26,6 %

Seit Auflegung (1998): +59,4 % bzw. 1,7 % p. a. (langfristiger Durchschnitt)

Die stark negativen Ergebnisse sind primär auf Wertminderungen der Immobilien zurückzuführen:

Immobiliengesamtrendite 2024/25: –36,8 % (!)

Wertänderungen allein: –43,4 %

Die negative Marktentwicklung (sinkende Verkehrswerte, erhöhte Leerstände, schwierige Transaktionsmärkte) hat den Fonds besonders hart getroffen.

3. Immobilienverkäufe – Strategischer Fortschritt, aber nicht immer Preiserfolge

Im Berichtsjahr wurden vier weitere Immobilien verkauft (Dresden, Köln, Helsinki, Glasgow) sowie für Essen ein Vertrag unterzeichnet. Damit sind fast alle Objekte liquidiert.

Die Verkaufspreise im Vergleich zu Verkehrswerten:

Dresden: über Verkehrswert

Glasgow: über Verkehrswert

Helsinki: zum Verkehrswert

Köln: unter Verkehrswert

Der Verkauf unter Wert in Köln zeigte, dass der Markt schwierig bleibt – besonders für problematische Objekte.

Der Immobilienbestand schrumpfte von 98,9 Mio. EUR auf 12,9 Mio. EUR.

4. Hohe Liquidität – Stabilität in der Abwicklung

Durch die Verkäufe stiegen die Bankguthaben auf 59,2 Mio. EUR (85,1 % des Fondsvermögens).

Vorteil für Anleger:

Hohe Liquidität bedeutet Sicherheit für die anstehenden Ausschüttungen und Abwicklungskosten.

Nachteil:

Hohe Liquiditätsquote generiert nur geringe Erträge, dadurch kaum Renditepotenzial.

Der Fonds ist renditeseitig „ausgelaufen“.

5. Ausschüttungen – Attraktive Rückflüsse während der Abwicklung

Seit April 2023 wurden bislang 6,80 EUR pro Anteil ausgeschüttet. Zusätzlich:

Juni 2025 Zwischenausschüttung: 5,00 EUR/Anteil (aus Dresden-Verkauf)

15.12.2025 Endausschüttung: 18,50 EUR/Anteil (aus mehreren Verkäufen)

Damit haben Anleger bereits über 24 EUR je Anteil zurückerhalten (bei Rücknahmepreis ~34 EUR entspricht das ca. 70 % des Wertes).

Steuerlich relevant:
Die Ausschüttung am 15.12.2025 kann steuerfrei als Kapitalrückzahlung behandelt werden, sofern die fortgeführten Anschaffungskosten über dem Rücknahmepreis liegen.

6. Risiken – was Anleger beachten sollten

Der Fonds weist klare Abwicklungsrisiken auf:

✓ Immobilienmarkt- und Bewertungsrisiken

– drastische Wertminderungen dokumentiert.

✓ Liquiditäts- und Eventualverbindlichkeiten

Der Fonds muss Liquidität zurückhalten für:

Gewährleistungsansprüche aus Verkäufen

Steuernachforderungen (besonders Ausland)

Instandhaltungen der Restimmobilie Essen

✓ Konzentrationsrisiko

Nur eine Immobilie ist noch im Bestand → hoher Klumpenrisikoanteil.

✓ Nachhaltigkeitsrisiken

Die Investitionen erfüllen nicht die EU-Taxonomie-Kriterien. Nachhaltigkeitsrisiken werden nicht strukturiert berücksichtigt. 1

7. Zukunftsausblick – Abwicklung schreitet voran

Das Management hat das Ziel erreicht, die meisten Immobilien bis zur Kündigung zu verkaufen.

Für die finale Abwicklung bedeutet das:

Der Fonds dürfte in den kommenden 12–24 Monaten vollständig liquidiert werden.

Weitere Ausschüttungen werden folgen, jedoch abhängig von der Liquiditätsvorsorge.

Die noch verbleibende Immobilie in Essen wird voraussichtlich 2026 endgültig aus dem Fonds gehen.

Der endgültige Liquidationserlös ist derzeit nicht exakt prognostizierbar.

8. Fazit für Anleger
Positiv:

Hohe Liquidität & laufende Ausschüttungen

Mehrheit der Immobilien erfolgreich verkauft

Steuerlich vorteilhafte Kapitalrückzahlungen möglich

Negativ:

Enorme Wertverluste im Immobilienportfolio

Teilweise Verkäufe unter Verkehrswert

Keine weitere Renditeperspektive

Abwicklungsrisiken bleiben (Steuern, Gewährleistungen, Restimmobilie)

Gesamturteil:

Der Fonds befindet sich im geordneten Rückbau, und Anleger sollten die Abwicklung rein als Kapitalrückführung, nicht als Investmentchance betrachten. Das Potenzial zukünftiger Zahlungen ist begrenzt, aber solide abgesichert durch die hohe Liquidität.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

Finanzielle Schieflage bei FinTech: Vorläufige Insolvenzverwaltung über MobyFin GmbH angeordnet

Next Post

Fake-Experten, falsche Apps, echtes Risiko: BaFin warnt vor WhatsApp-Betrug mit Identitätsmissbrauch