Mehr als ein Jahr nach dem spurlosen Verschwinden einer 34-jährigen Innsbruckerin und ihrer zehnjährigen Tochter hat die Polizei die tragischen Hintergründe aufgeklärt. Beide wurden am vergangenen Freitag in Tiefkühltruhen in einer Innsbrucker Wohnung tot aufgefunden. Die Ermittler sprechen von einem der ungewöhnlichsten und aufwendigsten Fälle der vergangenen Jahre.
Die Mutter und ihr Kind galten seit Juni des Vorjahres als vermisst. Ein Verwandter aus Deutschland hatte Alarm geschlagen, nachdem jede Kontaktaufnahme ins Leere lief. Ein Arbeitskollege der Frau behauptete damals, sie habe sich auf eine längere Reise zu ihren Eltern in die Türkei begeben. Doch schon früh gab es Zweifel: Die Handys der Vermissten fanden sich in der Wohnung, und ein Zeuge hörte am Tag ihres Verschwindens Poltern und die Hilferufe des Mädchens.
Monatelang werteten Ermittler technische Spuren aus, überwachten Kontaktpersonen und verfolgten Bewegungen von Bankkarten und Fundsachen. Bald geriet ein 55-jähriger Arbeitskollege der Frau ins Visier, gemeinsam mit seinem 53-jährigen Bruder. Die beiden Männer hatten bereits vor dem Verschwinden der Opfer eine Kühltruhe in einem Lagerraum deponiert. Am Tag der mutmaßlichen Tat wurde diese geholt und später gegen ein weiteres Gerät ausgetauscht. Schmuck der Frau wurde von dem Hauptverdächtigen verkauft, Geld von ihrem Konto auf seines überwiesen.
Im Juni wurden die beiden Männer verhaftet. Die Polizei durchsuchte mehrfach Wohnungen und Lager – jedoch ohne Erfolg. Die Tiefkühltruhen waren hinter einer frisch errichteten Rigipswand versteckt und über Monate hinweg unentdeckt geblieben. Erst als der Hauptverdächtige Anfang November einräumte, die Leichen versteckt zu haben – er sprach von einem Unfall – wurde die Suche erneut konzentriert. Am 12. November gelang schließlich der grausige Fund.
Die Todesursache der Opfer ist bisher unklar. Durch das monatelange Kühlen der Körper und die spätere Abschaltung des Stroms sind gerichtsmedizinische Untersuchungen schwierig. Dennoch sprechen viele Indizien dafür, dass die Tat bereits im Vorfeld geplant wurde: die rechtzeitige Beschaffung der Truhen, die Verschleierungshandlungen und das gezielte Nutzen der persönlichen Daten des Opfers.
Beide Tatverdächtigen sitzen seit Juli in Untersuchungshaft. Der Ältere weist jede vorsätzliche Tötungsabsicht von sich, sein Bruder bestreitet, vom Tod der beiden gewusst zu haben. Die Ermittlungen laufen unter Hochdruck weiter. Für Polizei und Staatsanwaltschaft ist klar: Viele Fragen dieses Verbrechens sind noch offen – doch es besteht kein Zweifel mehr daran, dass Mutter und Tochter Opfer eines schweren Gewaltverbrechens wurden.