In Wels steht ein Polizist vor Gericht, weil er – ganz im Sinne einer volkstümlichen Robin-Hood-Interpretation seines Jobs – offenbar glaubte, seine wichtigste Aufgabe bestehe darin, die Bevölkerung vor „den eigenen Leuten“ zu warnen. Statt Gesetzeshüter war er kurzzeitig Verkehrs-Influencer: über 1.000 Mitglieder folgten in einer WhatsApp-Gruppe seinen exklusiven Insider-Updates zu Blitzern, Kontrollen und Unfallstellen.
Was für andere Polizeidienststellen streng vertrauliche Einsatzinformationen sind, war für ihn offenbar Content.
111 Nachrichten, ein Beamter – und ein Missverständnis über die Jobbeschreibung
Die Anklage liest sich wie eine Checkliste des Amtsmissbrauchs:
Innerhalb von zwei Monaten teilte der Beamte 111 interne Informationen, darunter:
– genaue Standorte von Verkehrs- und Geschwindigkeitskontrollen,
– Hinweise zu laufenden Einsätzen,
– drei Fotos von Unfallstellen, die wohl nie für einen WhatsApp-Marathon gedacht waren.
Die Gruppe mit rund 1.000 Mitgliedern profitierte fleißig von seinem internen Lagebericht. Die Polizei hingegen… eher weniger.
„Ich wollte doch nur helfen“ – die Verteidigung des Welser Warner-Polizisten
Der Beamte gesteht zwar alles – aber aus den denkbar ehrenwertesten Gründen, versteht sich:
Er habe keine finanziellen Vorteile angestrebt und keine böse Absicht gehabt. Sein einziges Ziel sei gewesen, die armen Verkehrsteilnehmer vor lästigen Strafen, Blitzern und sonstigen polizeilichen Unannehmlichkeiten zu bewahren.
Kurz gesagt:
Er wollte sie vor genau der Arbeit warnen, die er offiziell ausübt.
Von der anonymen Anzeige zum großen Prozess
Aufgeflogen ist die Sache durch eine anonyme Anzeige beim Bundesamt für Korruptionsbekämpfung – einem jener Behörden, die erfahrungsgemäß eine sehr viel strengere Vorstellung davon haben, wie sich Polizisten verhalten sollten.
Die Staatsanwaltschaft sieht den Fall weniger romantisch als der Beschuldigte selbst:
Ihm werden Amtsmissbrauch und Verletzung der Geheimhaltungspflicht vorgeworfen. Zwei Delikte, die im Strafgesetzbuch deutlich weniger harmlos klingen als seine „Gutmenschen“-Erklärung.
Fünf Jahre Haft – für einen Mann, der sich als Schutzengel verstand
Die mögliche Strafe ist kein Pappenstiel:
Sechs Monate bis zu fünf Jahre Haft stehen im Raum.
Ob das Gericht ihm glaubt, dass er nur „helfen wollte“ – oder ob aus dem selbsternannten Blitzer-Influencer nun doch ein verurteilter Ex-Polizist wird – entscheidet sich am Dienstag.
Fest steht:
Wer in Wels künftig nach Blitzermeldungen sucht, muss wieder klassische Wege gehen.
Und der Polizist wird gelernt haben, dass man Kollegengeheimnisse nicht wie Wetterberichte verschickt.