Noch ist die Erhöhung nicht in Kraft, doch schon jetzt sorgt sie für heftige Diskussionen: Zum 1. Januar 2026 steigt der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland von derzeit 12,82 Euro auf 13,90 Euro pro Stunde. Während Beschäftigte auf ein kleines Plus auf dem Lohnzettel hoffen, warnt der Bund der Steuerzahler (BdSt): Der wahre Gewinner sei nicht der Arbeitnehmer – sondern der Staat.
Der Grund liegt in der Lohnsteuerprogression – wer mehr verdient, zahlt prozentual deutlich mehr Steuern. Besonders im unteren Einkommensbereich greift diese Regelung stark.
So zeigt eine Berechnung des Deutschen Steuerzahlerinstituts (DSi):
Ein Single, der in Vollzeit arbeitet, verdient durch die Erhöhung zwar rund 2.200 Euro mehr im Jahr, zahlt aber rund 450 Euro mehr Steuern. Während der Bruttolohn um etwa 8 Prozent steigt, erhöht sich die Steuerlast um fast 30 Prozent.
| Position | 2025 | Ab 1.1.2026 | Differenz |
|---|---|---|---|
| Mindestlohn | 12,82 €/Std. | 13,90 €/Std. | +1,08 € |
| Jahresbrutto | 26.460 € | 28.690 € | +2.229 € |
| Sozialabgaben | 5.768 € | 6.254 € | +486 € |
| Einkommensteuer | 1.535 € | 1.981 € | +445 € |
Damit bleibt vielen Beschäftigten vom Lohnplus deutlich weniger übrig als erwartet. Besonders Arbeiter im Niedriglohnsektor, etwa im Einzelhandel, in der Gastronomie oder im Handwerk, dürften das spüren.
Der Steuerzahlerbund warnt zudem vor indirekten Folgen: Wegen des sogenannten Lohnabstandsgebots müssten viele Betriebe auch höhere Gehälter für besser Verdienende zahlen. Das führe zu zusätzlichem Kostendruck – und letztlich zu weiter steigenden Preisen.
Das Fazit der Experten: Nicht die Lohnerhöhung, sondern eine grundlegende Steuerreform würde kleinen und mittleren Einkommen wirklich helfen. Doch eine solche Reform ist frühestens 2027 geplant. Bis dahin gilt: Der Mindestlohn steigt, aber der Staat verdient kräftig mit.