In der amerikanischen Medienwelt bahnt sich ein Machtkampf von epischen Ausmaßen an. David Ellison, Chef des neu formierten Medienkonzerns Paramount Skydance, will den Giganten Warner Bros. Discovery (WBD) übernehmen – zu dem Marken wie CNN, HBO Max, DC Comics oder Cartoon Network gehören.
Doch WBD-Chef David Zaslav lehnt bislang alle Offerten ab. Und davon gab es bereits drei. Der letzte Vorschlag: 23,50 US-Dollar pro Aktie – für Zaslav und den WBD-Aufsichtsrat zu wenig.
Ein Übernahmeversuch mit politischen Untertönen
Ellison gibt sich davon unbeeindruckt. Unterstützt wird er nicht nur von seinem Milliardärs-Vater Larry Ellison, dem Gründer von Oracle, sondern offenbar auch von einem ganz besonderen „Fan“: US-Präsident Donald Trump.
„Das ist das Trump-Ass“, witzelte ein Berater Ellisons – und meinte das durchaus doppeldeutig. Denn die Nähe der Ellisons zur Trump-Regierung könnte bei der kartellrechtlichen Prüfung entscheidend werden.
Trump selbst lobte die Familie jüngst offen:
„Sie sind Freunde von mir, große Unterstützer. Sie werden die richtigen Entscheidungen treffen – und CBS zu alter Stärke zurückführen.“
Diese Aussagen sind nicht zufällig. Trump hat seit seinem Wiedereinzug ins Weiße Haus die Medienaufsicht FCC mit loyalen Gefolgsleuten besetzt. Beobachter vermuten, dass Ellison damit beste Chancen hätte, eine Übernahme politisch abgesegnet zu bekommen.
Milliardenpläne mit Familienbonus
David Ellison, 41, war lange Zeit eher als Filmproduzent bekannt („Top Gun: Maverick“). Doch mit der Fusion von Paramount und Skydance im Frühjahr 2025 will er ein neues Medienimperium aufbauen – ein Imperium, das Hollywood, Streaming und Nachrichten gleichermaßen umfasst.
Im Sommer kaufte Ellison die Plattform The Free Press und installierte dort die umstrittene Journalistin Bari Weiss als Chefredakteurin von CBS News. Ein Signal: Nachrichten sollen künftig wieder stärker ins Zentrum seines Konzerns rücken – eine Perspektive, die bei CNN-Mitarbeitern eher für Nervosität sorgt.
Widerstand in Hollywood – und in Brüssel
Während Ellison nach außen hin Zuversicht ausstrahlt, bleiben die Widerstände erheblich. WBD-Chef Zaslav sieht sein Unternehmen weit über dem gebotenen Preis bewertet und hält gleichzeitig Gespräche mit Amazon, Netflix und Comcast offen.
Auch regulatorische Hürden stehen bevor: Selbst wenn Trump und seine Behörden grünes Licht gäben, müssten Großbritannien, die EU und mehrere lateinamerikanische Staaten ebenfalls zustimmen. Gerade in Europa würde ein „Trump-Segen“ für Ellison eher Misstrauen auslösen als Vertrauen.
Die Vision: CNN und CBS unter einem Dach
In einem Schreiben an den WBD-Aufsichtsrat argumentierte Ellison, dass eine Fusion „einen neuen Hollywood-Champion“ schaffen würde. Analysten sehen durchaus strategische Logik:
- Skalenvorteile durch die Zusammenlegung von Streamingdiensten wie HBO Max und Paramount+,
- Synergien zwischen den Fernsehsendern,
- und eine potenziell mächtige Nachrichtenachse zwischen CNN und CBS News.
Doch Kritiker fragen sich: Geht es hier um Medienvielfalt – oder um die politische Kontrolle über Meinungsbildung?
Fazit
Ellison hat Geld, Kontakte und Rückendeckung aus dem Weißen Haus – aber noch kein grünes Licht.
Warner Bros. Discovery hält sich alle Optionen offen.
Und während in Hollywood über künftige Streaming-Machtzentren spekuliert wird, bleibt die zentrale Frage:
Wird aus der Ellison-Offerte ein Milliarden-Deal – oder ein weiterer Versuch, die US-Medienlandschaft unter politischem Einfluss neu zu ordnen?